Die Chronik der Oerier Feuerwehr 1996


Vorwort

In den ersten 20 – 30 Jahren seit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Oerie im Jahre 1896 wurde über alle Tätigkeiten der Feuerwehr sehr genau berichtet und viele Begebenheiten wurden ausführlich niedergeschrieben.

Es liegt nahe, und der Wunsch dazu wurde von vielen Seiten geäußert, die in der Gründungzeit begonnene Geschichtsschreibung aufzuarbeiten und bis zum heutigen Tage fortzuführen. Das anstehende Jubiläum zum 100jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Oerie sollte Anlaß und Grund genug sein, allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern die geschichtliche Sammlung in Form einer Chronik zugänglich zu machen und zukünftigen Generationen zu bewahren.

Mit Gerhard Offeney wurde ein Verfasser „im Ehrenamt“ gewonnen, der sich seiner Aufgabe mit großem Engagement und persönlicher Hingabe gewidmet hat. Gerhard Offeney, Jahrgang 1925, Pensionär, einst Dorfschul-Lehrer und -Leiter, ortsverbunden und heimatverbunden, tätig in etlichen Vereinen und Verbänden, selbst nicht Feuerwehrmann, aber förderndes Mitglied der Oerier Feuerwehr seit über 25 Jahren, vereinigt Eigenschaften in sich, die ihn seit Aufnahme der Chronistenarbeit, heute als hervorragenden Kenner des geschichtlichen Feuerwehrgeschehens auszeichnen – weit über die Oerier Grenzen hinaus.

Gerhard Offeney und allen anderen Mitwirkenden, ohne deren Unterstützung bei den Recherchen und technischer Art die Chronik in dieser Form und Zeitspanne nicht hätte entstehen können, sei herzlich gedankt.

Allen, die sich mit dem Verfasser auf die Reise in die 100jährige Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Oerie begeben möchten, wünsche ich spannende und vergnügliche Stunden. Möge dieses Werk durch großes Interesse und Anerkennung belohnt werden.

Unterschrift
Horst Dobslaw (Ortsbrandmeister)

Pattensen/Oerie im April 1996

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Eine sicherlich einfache Möglichkeit eine Chronik zu schreiben, besteht darin, Quellenmaterial thematisch zu erfassen und in seiner chronologischen Reihenfolge darzustellen. Diese Vorgehensweise wäre hier ausreichend, ginge es nur darum, Daten und Fakten zum Thema „Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Oerie“ einer interessierten Leserschaft zugänglich zu machen . – Und so würde wahrscheinlich der Eindruck von einem unattraktiven, langweiligen Geschichtsunterricht bei den Leserinnen und Lesern hinterbleiben.

Nach einer ersten Durchsicht des anfangs vorhandenen Quellenmaterials war klar, daß der obige Weg nur ein erster Schritt sein konnte hin zu einer Darstellung der Daten und Fakten über die Freiwillige Feuerwehr Oerie im Gesamtzusammenhang mit den gesellschaftlichen, politischen und auch wirtschaftlichen Entwicklungen im Lande. Der Titel dieses Werkes “ … im Wandel der Zeiten“ ist darauf ausgelegt.

Dies mag überheblich klingen, wenn man bedenkt, daß es hier um die Feuerwehr eines kleinen Dorfes geht. Doch die Zeitgeschichte eines Landes und ihrer handelnden Gesellschaft wird geprägt, weitgehend unabhängig von der Größe und Art, ihrer Gesellschaftsgruppen: was sich in der Oerier Feuerwehr vor dem gesellschaftlichen, politischen Hintergrund zugetragen hat, ist symptomatisch für die ganze Gesellschaft.

Den älteren Generationen soll diese Darstellung der Chronik insbesondere Erinnerungen wachrufen (“ … ja, das war so ! … und dann war da noch … „). Den jüngeren und den kommenden Generationen soll die Chronik insbesondere ein lebendiges Zeugnis sein von einem Stück Heimatgeschichte und Feuerwehrgeschichte und Bezüge schaffen von der Vergangenheit in die Gegenwart (“ … ach, so war das! … und heute … ?“). Obwohl das Dasein der Feuerwehr im Vordergrund steht, wird der Zeitgeist vergangener Tage an vielen Stellen deutlich. Wannimmer es (aus drucktechnischen Gründen) lohnenswert erschien, wurden die alten Dokumente und Bilder in Originalkopie dem Text beigefügt, so daß die Leserin und der Leser sich selbst auf Entdeckungsreise in die vergangene Zeit begeben kann.

Neben den zeitgeschichtlichen Zusammenhängen gibt es natürlich viele Ereignisse, die auf individuellem Boden gewachsen sind und wo mancher sagen wird: „Das konnte nur in Oerie passieren!“ Auch diese Begebenheiten werden ausführlicher Bestandteil der Chronik sein.

Fast zwangsläufig folgt die Kapiteleinteilung den gesellschaftlichen, politischen Epochen der letzten 100 Jahre; nur insoweit ist eine chronologische Reihenfolge festgelegt. Jedem Kapitel liegt eine eigene Satzung bzw. Gesetzgebung zu Grunde.

Im ersten Kapitel wird zunächst die Ausgangslage geschildert, in der sich das Feuerlöschwesen vor 100 Jahren im allgemeinen befand. Das zweite Kapitel ist der Gründungsphase (1896 – 1902) der freiwilligen Feuerwehr als Verein zur Brandbekämpfung gewidmet. Mit einer Satzungsänderung, die der Feuerwehr hilfspolizeiliche Befugnisse überantwortete, befaßt sich das Kapitel 3, unterteilt in die Unterkapitel ,,3.1 Die Wehr in der Kaiserzeit (1902 – 1918)“ und ,,3.2 Die Wehr in der Weimarer Republik“. Kapitel 4 berichtet von der Wehr als technische Hilfstruppe der Polizei während des Dritten Reichs (1933 – 1945). Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bis heute wird im Kapitel 5 dargelegt. Es berichtet von der Wehr in Kapitel 5.1 als kommunale Einrichtung zur Gefahrenabwehr der eigenständigen Landgemeinde Oerie (1945 – 1974) und nach der Gebietsreform (ab 1974) in Kapitel 5.2 von der Wehr als Ortswehr der Stadt Pattensen.1

Jedes Kapitel, außer das allgemein gehaltene erste, befaßt sich zunächst in einem ersten Abschnitt mit den Ereignissen, Verhältnissen und Umbrüchen in dem jeweiligen gesellschaftlichen, politischen Umfeld der Feuerwehr. Weitere Abschnitte berichten dann über Feuerwehrinterna, wie Ausrüstungsstand, Führungspersonal, Mitgliederstruktur, Leistungs- und Ausbildungsstand, gesellschaftliche Aktivitäten usf; selbstverständlich fehlt in keinem Berichtszeitraum eine Darstellung der Brandeinsätze.

Dabei konnte auf unterschiedlich umfangreiches Quellenmaterial zugegriffen werden.

Erfreulich ist, daß gerade aus der „alten Zeit“ eine dicke Schriftenmappe vorliegt. Sie enthält mehr als 250 Kopien der überwiegend in deutscher Schrift handgeschriebenen Originalunterlagen (Protokolle, Brandberichte Statuten und sonstige Aufzeichnungen) von 1896 bis 1922. Die gesamte Mappe wurde zunächst zum Zwecke der heute allgemein besseren Lesbarkeit übersetzt, in doppelter Weise: die deutsche Schrift in lateinische Schrift und die alte Schreibweise in ,,Duden-Rechtschreibung“, d.h. Worte wie Landrathsamt, Wirth, Cassierer, Commando werden zu Landratsamt, Wirt, Kassierer, Kommando.

Schriftprobe, 1900

Die Originalunterlagen befinden sich im Staatsarchiv des Landes Niedersachsen, das in Pattensen ansässig ist; ein Zugang dorthin ist zeitraubend und mit großen Umständen verbunden. Es wäre wünschenswert gewesen, anstelle der z.T. sehr schlechten Kopien bessere Auszüge aus den Orginalunterlagen in dieser Chronik präsentieren zu können. Stattdessen wurden, die Computertechnik macht‘ s möglich, einige Auszüge bearbeitet, so daß sie gut erkennbar und lesbar wurden, der Charakter eines alten Schriftstückes jedoch etwas leidet.

Aus der Zeit des Dritten Reiches liegt im Vergleich zu den anderen Epochen das wenigste Quellenmaterial vor. Das Kapitel 4 ist dementsprechend kurz.

Für die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg liegen wieder „regelmäßige“ Aufzeichnungen, wie Jahresberichte und Brandmeldungen vor. In zunehmendem Maße treten jetzt aber auch Recherchen in Zeitungsartikeln und die Befragung von Zeitzeugen in den Vordergrund. Viele vergessen geglaubte Begebenheiten wurden dabei wieder neu entdeckt.

Die Textdarstellung in dieser Chronik ist so gehalten, daß Zitate und Fachbegriffe in kursiver Schrift gedruckt sind.2 Zitate aus Protokollen oder Berichten der Feuerwehr sind nach einem entsprechenden Hinweis mit dem Datum vom Original versehen, so daß ein eindeutiger Bezug hergestellt ist. Darüberhinaus werden jedoch keine durchgängigen Quellennachweise gegeben. Um Verwechslungen von einigen Feuerwehrleuten vorzubeugen, die bei Namensgleichheiten auftreten könnten, wurden die heutigen Straßennamen und Hausnummern der Wohnung der betreffenden Personen hinzugefügt,

Dieses Werk erhebt nicht den Anspruch eine wissenschaftliche Arbeit zu sein.

Es entstand in ehrenamtlicher Tätigkeit des Verfassers und seiner Mitarbeiter in einer, so hat sich herausgestellt, viel zu kurz bemessenen Zeit von nur 7 Monaten. In mühevoller Kleinarbeit wurden viele Details der wechselhaften Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Oerie zusammengetragen. Es kann jedoch nicht das Ziel dieser Chronik sein, alle Ereignisse und Themenbereiche lückenlos und fehlerfrei aufgearbeitet zu haben. Vielmehr sollte ein Werk entstehen, das neben dem reichhaltigen Informationsgehalt auch einen gewissen Unterhaltungswert bietet.


Vor 100 Jahren

100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Oerie! – Dieses Jubiläum soll Anlaß sein, die vergangenen Jahrzehnte der Oerier Wehr im Rückblick zu betrachten.

Die Chronik über die 100jährige Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Oerie wäre ohne eine generelle Betrachtung des Feuerlöschwesens undenkbar, denn schon vor der Gründung bestand bereits ein Löschwesen in Oerie und allerorts.

Krähte vor 500 Jahren einmal der Rote Hahn, dann war der Mensch gegen das Zerstörungswerk des Feuers meist machtlos. Betroffene und deren Nachbarn schauten hilflos zu, wie Hab und Gut vernichtet wurden.

Von verheerenden Bränden gibt es noch Überlieferungen aus unseren Nachbargemeinden Hüpede und Pattensen. Oerie selbst scheint verschont geblieben zu sein, da über größere Brände hier nichts bekannt ist. In Hüpede weitete sich am 27.3.1723 der Brand eines Hauses durch stürmischen Wind zu einem Großbrand aus, der das halbe Dorf einäscherte. Auch das Dachgeschoß des Kirchturms wurde ein Raub der Flammen. Eine große Feuersbrunst arn 23.9.1733 legte die Stadt Pattensen zu 4/5 in Schutt und Asche.

Immer dann, wenn irgendwo eine Brandkatastrophe passierte, griff die Obrigkeit – wir sagen heute der Staat – ein, erließ neue Verordnungen , um beim nächsten Mal besser gerüstet und organisiert an die Brandbekämpfung heranzugehen.

Seit dem ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert bemühte sich die Obrigkeit, auf dem Lande einen aktiven Feuerschutz durch Feuerordnungen aufzubauen. Erste Feuerordnungen enthielten Vorkehrungen für den Brandschutz und Bestimmungen über die Arbeit am Brandplatz. An einem bestimmten Orte waren die zum Löscheinsatz erforderlichen Gerätschaften unterzubringen. Es waren nur einfache Hilfsmittel, die zum Löscheinsatz zur Verfügung standen, so Feuereimer aus Leder oder Leinwand, schwer zu handhabende Leitern, verschieden große Feuerhaken und Feuerpatschen. Die einzelnen HofsteIlen hatten je nach Hofgröße Leitern und ein oder zwei lederne Wassereimer bereitzuhalten. Zur besonderen Feuervisitation wurden die Einwohner in bestimmten Abständen zwecks Kontrolle der Ausrüstung zusammengeholt.

Ein lederner Wassereimer aus jenen Tagen hat die Zeit überlebt; auf ihm ist noch verzeichnet, aus welcher Hofstelle er kommt.

Zu den Sicherheitsmaßnahmen gehörte auch die Instandhaltung von Löschbrunnen und Löschteichen.

Bei der Brandbekämpfung waren alle männlichen Einwohner im Alter von 18 bis 55 Jahren zur allgemeinen Löschhilfe verpflichtet; sie bildeten die Pflichtfeuerwehr. Mindestens einmal im Jahr hatten die Männer eine Pflichtübung abzuhalten. Durch Hornsignale wurde bei Brandfällen Alarm gegeben. Jeder Dienstverpflichtete hatte sich dann mit Eimern zur Brandstelle einzufinden, der Gemeindevorsteher übernahm an Ort und Stelle das Kommando. Der Transport der Gerätschaften zur Brandstelle mußte organisiert werden. Das Herbeischaffen von Wasser zur Brandstelle erforderte viele Hilfskräfte. In einer Doppelreihe wanderten die Wassereimer zwischen Brandstelle und nächster Wasserstelle hin und her.

Lederner Löscheimer, 19. Jahrhundert (Eigentum: H.Mensing, Turmstr. 5)

Eingesetzte Feuergeschworene kontrollierten die geltenden Vorschriften. Sie übten die Aufsicht über die Geräte aus und führten Hauskontrollen durch. Sie hatten diejenigen Einwohner, die wider den Anweisungen handelten, der Obrigkeit zwecks Bestrafung anzuzeigen.

Als einzige schriftliche Überlieferung aus der Zeit vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Oerie liegt eine Verpflichtungserklärung von zwei Feuergeschworenen aus dem Jahre 1872 vor:

Amt Calenberg 4.3.1872 Zu den Gemeindeakten von Oerie
Der Kgl. Amtsrat
König. Preuss. Amt
Calenberg
Geschehen vor Königlichen Amte Calenberg am 1.März 187

Die zu Feuergeschworenen in der Gemeinde Oerie erwählten Köthner Heinrich Wildhagen und Halbmeier Conrad Mensing aus Oerie wurden mit nachstehendem Eide

„Ich schwöre einen Eid zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich das mir übertragene Amt eines Feuergeschworenen; den Gesetzen und Anweisungen entsprechend getreulich versehen, auf alle feuergefährliche Anlagen genau Acht haben, und alles tun will , was in meinen Kräften ist, um Feuergefahr zu verhüten.
So wahr mir Gott helfe und sein heiliges Wort.“

in dergewöhnlichen feierlichen Weise verpflichtet.
Vorgel., genehmigt und unterschrieben

Conrad Mensing Heinrich Wildhagen

zur Beglaubigung: Der Königliche Amtshauptmann

Niedersächsisches Landesarchiv

Im Bereich der vorbeugenden Maßnahmen (u.a. Hauskontrolle) haben sich die oben beschriebenen Vorschriften positiv ausgewirkt, während sie sich bei der Durchführung der praktischen Brandbekämpfung auf die Dauer als unzureichend erwiesen haben. Die Ursache dieses Vorganges lag im System. Bei Brandeinsätzen entstand oft eine gewisse Unordnung, einmal durch das große Aufgebot der Verpflichteten, die an der BrandsteIle kaum zu leiten waren, und zum anderen durch die mangelnde Führungsfähigkeit des gesetzlichen Leiters, oft des auf diesem Gebiet unerfahrenen Ortsvorstehers. Auch lehrte die Erfahrung, daß mit ungeübten Kräften die Aussichten, ein Schadenfeuer zu bekämpfen, sehr gering waren. Außerdem stellte man immer wieder fest, daß die Verpflichteten ihre Arbeit nicht ernst nahmen und nur wenige wirklich halfen. Sie waren unter diesen negativen Auswirkungen nur schwer für die anstehenden Aufgaben zu motivieren.

Schon in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts versuchten zunächst die Städte, weniger die Landgemeinden, in zunehmendem Maße die Brandbekämpfung in ihren Gemeinden wirksamer zu organisieren. Die großen Städte lösten das Problem durch das Einrichten einer Berufsfeuerwehr. Bei den anderen Gemeinden zeichnete sich eine andere Lösung ab. Die fortschreitende Entwicklung der Technik und die Befreiung der Menschen vom absolutistischen Denken leitete eine soziale Umschichtung ein. Aus Untertanen wurden Bürger. Der Gedanke der freiwilligen Verpflichtung aus Verantwortung zur Gemeinschaft erlangte Bedeutung. Dieser Bewußtseinswandel war mit ein Anlaß dafür, daß sich in den Gemeinden freiwillige Feuerwehren auf vereinsmäßiger Basis gründeten. In ihr fanden sich Männer zusammen, die Gefahren des Ortes abwenden und aus freiern Willen Leben und Gut ihrer Mitmenschen schützen wollten im Sinne des Grundsatzes

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.

Dies war die Ausgangslage – was den Brandschutz und die Brandbekämpfung anbelangt – bevor es in Oerie zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr kam. Die Landgemeinde Oerie zählte zu diesem Zeitpunkt 198 Einwohner.


Die Freiwillige Feuerwehr Oerie – ein Verein zur Brandbekämpfung (1896 – 1902)

Die Gründungsgeschichte

In unserer Nachbargemeinde, der Stadt Pattensen, gründete sich am 28.10.1893 auf Initiative des Bürgermeisters eine freiwillige Feuerwehr. Angeregt vermutlich durch diese Gründung und aus ersten Erfahrungen mit der Pattenser Wehr, erkannten verantwortungsbewußte Oerier Ortseinwohner, welche Bedeutung ein organisierter und schlagkräftiger Brandschutz auch für die Sicherheit ihrer Gemeinde hatte. Sie schlossen sich zusammen – heute hieße es: sie gründeten eine Bürgerinitiative – und setzten sich zum Ziel, auch in Oerie den Schritt weg von der Pflichtfeuerwehr zum freiwilligen Dienst in der Wehr zu wagen und einzuleiten. Es muß hervorgehoben werden, daß in Oerie die Initiative zur Gründung nicht wie in Pattensen vom Bürgermeister, also von der Verwaltung ausging, sondern von selbstbewußten Ortseinwohnern!

Ihr Einsatz führte zum Erfolg!

Am 20.11.1896 unterzeichneten 29 Ortseinwohner die Erklärung zur Gründungsabsicht3:

„Wir Unterzeichnende verpflichten uns, der in der Gemeinde zu gründenden freiwilligen Feuerwehr beizutreten und uns den später festzustellenden Statuten derselben zu unterwerfen.“

Erklärung zur Gründungsabsicht vom 20.11.1896, aus der Schriftensammlung der Oerier Feuerwehr

Der erste Schritt war getan.

Zur Gründung fehlte noch die Einverständniserklärung des Gemeindevorstandes, die Kosten für die Ausrüstung der Wehr zu übernehmen . Zwar gehörte es zu den kommunalen Pflichtaufgaben der Gemeinden, die Kosten des Feuerlöschwesens aus den allgemeinen Mitteln des Gemeindehaushalts zu bestreiten – was auch geschah – aber den Aufbau einer freiwilligen Feuerwehr hielten die Mehrzahl der Gemeinden für einen Luxus, der ihre Haushalte zusätzlich belastete. Diese landesweit vorherrschende Einstellung wirkte sich erschwerend und oft auch verhindernd auf Neugründungen der freiwilligen Feuerwehren in den Gemeinden aus.

So ist es zu erklären, daß es noch im Jahre 1924 erst 13 freiwillige Wehren (Zum Vergleich: 1951 waren es 48) im damaligen Kreis Springe gab, obwohl die Gemeinden immer wieder zu Gründungen aufgerufen wurden. Es sei kein Luxus, wie vielfach angenommen, sondern eine dringende Notwendigkeit; erklärte noch am 4.7.1928 ein Vertreter des Landkreises auf einer Kreisverbandstagung. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß es in unserer Nachbargemeinde Hüpede erst am 14.März 1934 zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr kam.

Von der Notwendigkeit einer freiwilligen Wehr schien jedoch auch der damalige Ortsvorsteher Heinrich Hogrefe überzeugt gewesen zu sein. Aufgrund der von den 29 Einwohnern vollzogenen UnterAbsichtserklärung vom 20.11.1896 freiwilligen Feuerwehr raumte er am 25. November 1896 eine Gemeindeversammlung an. Die Versammlung wählte aus ihren Reihen einen Vorsitzenden und einen Protokollführer eigens für diese Versammlung.

Über den Verlauf der Versammlung ist im Protokoll zu lesen:

In einer späteren Versammlung sprach die Wehr dem anwesenden Ortsvorsteher den Dank aus für die bereitwilligst der Wehr von der Gemeinde angewiesenen Mittel zur ersten Ausrüstung derselben. Hätten wir unseren Ortsvorsteher Hogrefe nicht gehabt; so hätten wir keine freiwillige Feuerwehr (6.2.1897).

Mit der Einverständniserklärung der Gemeindewar die Gründungder Freiwilligen Feuerwehr Oerie vollzogen. Im ersten ihrer 13 Paragrafen umfassenden Satzung, die nachfolgend auch als Statuten, Ortsstatut oder Grundgesetz bezeichnet wird, dokumentiert die Wehr ihre selbst übernommene Aufgabe.

Als offizielles Gründungsdatum wird fort an der 27. November 1896 angegeben.

§1 der Satzung vom 27. November 1896

Im Gründungsprotokoll wird weiter berichtet:

In der Absichtserklärung vom 20.11.1896 hatten die Unterzeichner sich verpflichtet, sich den noch zu erstellenden Statuten zu unterwerfen.
Im Grundgesetz § 3 wird nun die Verpflichtung näher aufgeschlüsselt.

§ 3 Abs. 1 u.2 der Satzungvom 27. Nov. 1896

Aus dem Gründungsprotokoll ist nicht zu entnehmen, ob über die vorgelegte Satzung beraten und abgestimmt worden war. Es heißt lediglich, das Weitere berichtet die Satzung.
Jedes Mitglied erhielt, nachdem die Satzung durch den Landrat genehmigt worden war, ein von der Druckerei Erhard (Springe) in Form einer kleinen Broschüre gedrucktes Exemplar der Satzung ausgehändigt.
Die letzten Zeilen des Gründungsprotokolls geben Aufschluß über den Geist jener Männer der ersten Stunde:

Hauptmann Wesche versprach zu einem späteren Zeitpunkt, die Ehre der Wehr zu wahren und mit allen Kräften für das Gedeihen der Wehr als für das Wohl jedes einzelnen Mitgliedes besorgt zu sein. (6.2.1897)

Aus dem Druckexemplar der Satzung vom 27. Nov. 1896

Die Männer der ersten Stunde haben Oerie mit beispielhaftem Gemeinsinn und Pioniergeist einen Dienst erwiesen, der sich bis heute fortwirkt. Ihnen gilt noch heute der Dank der Freiwilligen Feuerwehr Oerie und ein ehrendes Andenken ist ihnen allzeit bewahrt worden.

Die erste Ausrüstung der Wehr

Inwieweit aus den Fonds der Landschaftlichen Brandkasse Zuschüsse zu den Anschaffungen der Wehr gezahlt wurden, ist nicht mehr nachzuweisen. In den Protokollen der Wehr wird darüber nicht berichtet und Unterlagen der früheren Gemeindeverwaltung sind nicht mehr auffindbar. Bekannt ist, daß die Landschaftliche Brandkasse zur damaligen Zeit Beihilfen gezahlt hat, deren Prozentsatz zwischen 10 – 15 % lag. Der Höchstbetrag kam nur in Frage, wenn 2/3 der vorhandenen Gebäude in der Gemeinde bei der Landschaftlichen Brandkasse versichert waren.
Wie schon berichtet, übernahm die Gemeinde die Kosten der Ausrüstung der Wehr; Vorbedingung für die Auszahlung von Gemeindemitteln war die Anerkennung der Wehr durch das Landratsamt:

Die erste Anschaffung waren Uniformen für die Wehrmänner. Auch die Kosten für die Uniformen trug die Gemeinde, was für die damalige Zeit keine Selbstverständlichkeit war. Uniformen für die Wehren waren nicht verpflichtend, deshalb beteiligten sich die Gemeinden oft nur mit Teilbeträgen an den Kosten (so auch in Pattensen).

Über die Anschaffung der Uniformen berichtet das Protokoll vom 9.12.1896:

Schon 8 Wochen später, am 6.2.1897 erschienen die Männer der Wehr in Uniform zur Versammlung. Im Protokoll wird lobend erwähnt, daß etwaige Beschwerden über nicht passende Uniformstücke und Mängel an den Ausrüstungsstücken nicht vorgebracht wurden.

Weitere Anträge und Beschlüsse:

Für Kamerad Brues werden Abzeichen als Hornist; sog. Schwalbennester bewilligt und sind bereits beschafft. (8.6.1897)

Durch Abstimmung ist der Antrag, für sämtliche Mitglieder Pfeifenschnüre anzuschaffen, abgelehnt. (8.6.1897)

Besprechung über aus eigenen Mitteln zu beschaffende Arbeitsjoppen.
Die Anschaffung der Joppen ist vorläufig vertagt. (28.6.1897)

Über die Anschaffung der ersten technischen Ausrüstung sind wegen fehlender Unterlagen der damaligen Gemeindeverwaltung keine direkten Angaben überliefert.
Wann die Wehr zu dieser Zeit eine neue Spritze erhalten hat, ist so nicht belegbar. Nur ein Vermerk aus einem Protokoll vom 16.5.1897 „unsere schöne neue Spritze“ weist auf eine Neuanschaffung hin.
In einem am Ende des vorigen Jahrhunderts herausgegebenen Preis-Courant (Katalog) der Feuerspritzenfabrik Louis Tidow, Hannover ist die Oerier Spritze enthalten:

Die erste Oerier Spritze (Das Bild ist dem Herstellerkatalog entnommen, überlassen vom Feuerwehrmuseum Fulda)

Es war eine mit Pferden zu bespannende handbetriebene Patent-Saug- und Druckspritze für Stadt und Land. An einem vierrädrigen Fahrgestell mit durchlenkbarem Vorderwagen (d. h. der kleinste mögliche Wendekreis war nur so groß wie die Fahrgestelllänge!) war der Wasserkasten mit einem zweizylindrigen vertikalen Pumpwerk (stehende Zylinder) und einem kupfernen Druckwindkessel angebracht. Das ganze Gestell und der Wasserkasten ist von Schmiedeeisen und ist mit Brems-Vorrichtung, Schlauchhaspel und Requisitenkasten versehen.
Die Handdruckspritze besaß ein Pumpwerk, mit dem es möglich war, mit Hilfe von Saugschläuchen das Löschwasser auch aus Brunnen zu entnehmen – eine technische Verbesserung gegenüber der alten Bauart. bei der das Löschwasser noch mit Löscheimern in den Kessel gegossen und von der Spritze herausgedrückt werden mußte. Bei der neuen Spritze erreichte man sowohl das Ansaugen des Wassers als auch die Abgabe des Spritzwassers durch eine kombinierte
Saug- und Druckpumpe. Der Antrieb der Pumpe erfolgte durch menschliche Muskelkraft. In die Hebelarme der Pumpe schob man Holzstangen (Holmen) ein, und auf jeder Seite standen vier oder mehr Männer die durch Auf- und Abbewegen der Holme den zum Ansaugen und Spritzen erforderlichen Druck erzeugten.

Der Angebotsbeschreibung der Firma Tidow ist weiterhin zu entnehmen, daß dieser Spritzentyp mit 7 verschiedenen Zylinderbohrungen und damit verbundenen Leistungsdaten geliefert werden konnte. Die erworbene Oerier Spritze war mit dem Cylinder No. 7 ausgestattet.

Leistungsdaten der Patent-Saug- undDruckspritze, Oerier Spritze: Cylinder No. 7 entnommen aus dem Katalog der Feuerspritzen-Fabrik Louis Tidow, Hannover, 1886

Für obigen Preis werden nachstehende Requisiten mit geliefert:
6m Saugschlauch in 3 Längen und Verschraubungen, Seiher und Schutzkorb. – 1 Strahlrohr. – 8 Schlüssel. – 1 Deichsel und 2 Schwengel. – 2 Druckstangen. – 1 Laterne. – 1 Holzhammer, 1 Zange, 1 Radehaue. – 1 Oelkanne. – 45m Hanfschlauch in 3 – 4 Längen mit Verschraubungen.

Auf die angegebenen Preise wurden 10 % Rabattgewährt, die Garantiezeit betrug
5 Jahre, alle Angaben verstanden sich. Ohne Verbindlichkeit.

Übrigens war dies gemessen an den Leistungsdaten der teuerste und wohl auch modernste im Katalog aufgeführte Spritzentyp. Neben einer preiswerteren Patent-Saug- und Druckspritze für Stadt und Land mit horizontaler Cylinderlage, die jedoch nur in der oberen Leistungsklasse entsprechend den Cylindern No. 1 – 4 geliefert wurde, waren noch im Angebot sogenannte Abprotzspritzen für freiwillige Feuerwehren hauptsächlich passend. weniger für Landgemeinden,
Spritzen für kleinere Landgemeinden, Fabrik-, Etablissement-, Domainen-Spritzen,
Karrenspritzen, Kübelspritzen und sogenannte Hydrophore, deren Zweck
es war, den Druckspritzen das Wasser aufmöglichst grosse Entfemungen zuzuführen.

Untergebracht war die Spritze wie auch andere Gerätschaften im Spritzenhaus,
in einem direkt von außen zu erreichenden Raum des Gemeindehauses. Ein
der oberen äußeren Wand neben dem heutigen Eingang eingemauerter Balken mit der Jahreszahl 1896 erinnert noch heute an das damalige Spritzenhaus. Aus einer Bestandsmeldung an den Landrat vom 18.1.1932 geht hervor, daß das Jahr 1896 auch tatsächlich das Erbauungsjahr des Spritzenhauses ist.

Spritzenhaus, erbaut 1896 (Zeichnung von Horst Pieper, Pattensen, 1995, nach Angaben von Zeitzeugen)

Für die Spritze wurden zunächst 100 Meter Hanfschläuche angeschafft . Nach Erfahrungen aus ersten Brandeinsätzen wurden von der Wehr weitere 100 Meter angefordert, weil der mißlichen Wasserverhältnisse wegen, nur auf den Brunnen des Landwirts H. Mensing zu rechnen ist und von diesem aus mit noch 100 Metern Schläuche viele Gebäude erreicht werden können (7.1.1899).

Zur Herstellung eines Gerätes zum Trocknen der Schläuche bewilligte der Gemeindevorsteher aus der Gemeindekasse 12 Mark. Die Ausführung übernahm der Kamerad Tischlermeister Hake (28.6.1897). Für das Reinigen der Spritze incl. Schläuche zahlte die Gemeinde pro Jahr 20 Mark (8.4.1899) . Es wurden 4 Stück handsichere Sturmlaternen angeschafft. Die Laternen werden im Spritzenhaus aufbewahrt. (27.11.1899)

Dem Steigerkorps fehlten Leitern. In der Versammlung vom 5.7.1897 wurde beschlossen, eine außerordentliche Versammlung anzuordnen, zu welcherder Gemeindevorstand eingeladen und in welcherüber diese Anschaffimg verhandelt wird. 14 Tage später, am 14.4.1897, wurde der Beschluß in die Tat umgesetzt.
Über das Ergebnis berichtet das Protokoll :

Herr Ortsvorsteher bewilligte, daß aus der Gemeindekasse die Kosten für Anschaffung der im Rannenberg’sehen Katalog unter No. 719 aufgeführte Verlängerungsleiter in Länge von 8 mir. zu 33 M bestritten werden. Auch eine Dachleiter, 3 mtr. lang zu 8 M solle für die Feuerwehr geliefert werden.
Herr Hauptmann Wesche will die Leitern frei der Feuerwehr zur Stelle schaffen.

Diese Begebenheit zeigt erneut, wie damals durch ein sinnvolles Zusammenwirken
zwischen aktiver Mannschaft mit dem Gemeindevorstand gute Brandschutzeinrichtungen
für das Dorf geschaffen wurden.

Ein statistischer Bericht an den Feuerwehrverband für die Provinz Hannover
vom 1.3.1899 gibt Auskunft über den Ausrüstungsstand der Wehr um die Jahrhundertwende.

Zahl der zur Bedienung durch die
eigene Mannschaft zur Verfügung zum Transport durch Pferde.
stehende Feuerspritze:
1 Wagenspritze mit Saugwerk zum Transport durch Pferde.
Druck- u. Leitschläuche zur Bedienung
durch die eigene Mannschaft
übergebene Spritzen :
100 Meter Hanfschläuche
Zahl der zweiholmigen Steigleitern:2
Wie viele Wasserwagen hat die Freiwillige Feuerwehr?6 lange Tonnen auf Wagen,
Eigentum der Gemeindemitglieder.
Nur zum Gebrauch im Orte.
Die erste zur Brandstelle gebrachte Tonne Wasser wird mit 10M honoriert.
Welcher Art sind die Alarmeinrichtungen?Blasendes Hornisten, welches nicht genügt
Sonstige geeignete Mitteilungen
nach der Wahl des Berichterstatters:
100 MeterSchlauch genügen nicht

Wenn die freiwillige Feuerwehr nach einerBrandstelle in benachbarte Orte abrückt, wird die Bespannung der Spritze und ein mit 2 Pferden bespannter Wagen für die Mannschaft, von den gemeindeseitig dazu bestimmten Einwohnern gestellt. Die Leistung ist unentgeltlich.

Der Vermögensstand der Wehr aus dem Jahre 1898 wird in der 2. Jahresrechnung überliefert:

1) An Capitalien
Ein Sparkassenbuch der Spar- und Darlehnskasse zu  Pattensen
Quittungsbuch Nr. 98
Einlage am 26.Mai 1897
Einlage 70 M , zurückgezahlt nichts
Zinsen 31. Dez. “ 1 M 13 Pf
am 16. Feb. 1898. “ 30 M –
Guthaben 101 M 13 Pf
Nach dieser Rechnung Überschuß 54 M 93 Pf
Vermögensstand 165 M 6 Pf
2) An Gegenständen und Sachen
1. Ein Schrank
2. Eine Filzmappe und ein Anschreibebuch, Drucksachen
3. Eine Blechkassette
4. Feuerwehruniform und Ausrüstung für 29 Mitglieder

Im § 7 der Statuten werden die persönlichen Ausrüstungsgegenstände des einzelnen Feuerwehrmannes aufgeführt.

§ 7 Abs. 1 der Satzung vom 27. Nov. 1896

Das Gründungsfest

Am 16. und 17. Mai 1897 feierte die Freiwillige Feuerwehr Oerie ihr Gründungsfest, ein bedeutsames Ereignis sowohl für die junge Wehr als auch für die Gemeinde Oerie. Schon Monate vorher begannen die Mitglieder mit den Vorbereitungen.

Zum Gründungsfest wurden vom Kommando nur freiwillige Feuerwehren aus der näheren Umgebung eingeladen, das Einladungsschreiben ist umseitig im Original wiedergegeben.

In der Versammlung vom 25.2.1897 wählte die Wehr die Kameraden H. Ihsen, Fr. Sievers, E. Kasten und H. Hake zum Festkomitee. Anschließend wurde über die Frage diskutiert, wie die Festkosten aufgebracht werden sollten. Die Kameraden faßten den Beschluß, daß von den Mitgliedern fremder Wehren 1M 25Pf, von hiesigen Nichtmitgliedern wird pro Tag 1M 25 Pf Tanzgeld erhoben. Die jungen Damen in Oerie bezahlen für beide Tage 1 M in die Kasse. Von den Mitgliedern werden a Mann 3 M bezahlt.

Die Regelung der Platzfrage löste sich in der Weise, daß Halbmeier Heinrich Lange den zum Aufbau der Zelte auf dem mit ihm vereinbarten Platze (am Walde)4 gegen eine Entschädigung von 30 M dem Festkomitee zur Verfügung stellt. Herr Lange erklärt, an sonstigem Platz an Fremde oder Einheimische nicht mehr abgeben zu wollen.

Den Schaustellern wurden die Plätze vom Komitee angewiesen.

Für den Empfang der eintreffenden festteilnehmenden Feuerwehren und die Unterbringung der Pferdegespanne – die Wehren ruckten seinerzeit mit pferdebespannten Mannschaftswagen an – wurden 2 Abteilungen designiert, die Abteilung Zieseniß mit den Wehnnännern Fr. Hogreie sen., Fr. Eicke jun., Friedr. Flohr und H. Wildhagen, die Abteilung Eicke mit H. Wesche, R. Mensing; Fr. Hogreie jun. und E. Mensing. Zur Führung der Gespanne ins Quartier wurden Quartierbilette ausgegeben.

Einladungsschreiben zum Gründungsfest

Das Schmücken des Ortes wird von allen Einwohnern erwartet, heißt es im Protokoll (25.02.1897). Die Erwartungen wurden mehr als erfüllt, wie ein Zeitzeuge damals schriftlich festgehalten hat:

Bei solch einer Begeisterung und Einsatzfreudigkeit konnte der Wettergott nicht zurückstehen. Das herrlichste Festwetter erhöhte die Fröhlichkeit bei Jedermann. Wohl 1000 Zuschauer umsäumten die Straßen, als der imposante Festzug sich in Bewegung setzte. Vorneweg das Komitee, gefolgt von der Festkapelle, unterstützt von dem Musikkorps der Freiwilligen Feuerwehr Pattensen. Dahinter, eingereiht in den Festzug der Wehren, ganz in weiß, die Ehrendamen von Oerie mit ihrem Damenleutnant H. Ihsen. Es folgten hoch zu Roß die beiden Hauptleute der Oerier Wehr vor ihrem Prunkstück, ihrer Spritze. Unsere schöne neue Spritze wurde bekränzt an der Spitze des Festzuges geführt. Hinter der Spritze marschierten die Freiwilligen Feuerwehren aus Pattensen, Wilkenburg, Amum, Ihme, unterbrochen von der Feuerwehrkapelle Bredenbeck, dann die Wehren Bredenbeck, Holtensen und Hiddestorf. Am Ende des Zuges marschierte die gastgebende Wehr Oerie.
Der Festzug endete auf dem schönsten Platze, vor unserem herrlichen Walde. Hier hatte die Wehr drei Zelte errichtet.
Nicht der Feuerwehrhauptrnann Wesche, sondern der Kamerad- Vorstandsmitglied und Kassierer Ottmers hielt die Festrede. Und auch er hat die Rede nicht selbst verfaßt; der Schriftführer Kamerad Heinr. Eicke fungierte als Ghostwriter. Der Wortlaut der Festrede ist ebenfalls überliefert.

Geehrte Festgenossen, werte Kameraden!

Sie sind unserer Einladung zum Gründungsfeste unserer freiw. Feuerwehr gefolgt. Dafür sagen wir Ihnen unseren besten Dank und heißen Sie nochmals herzlich willkommen. Sie sind hier an diesem Festplatze erschienen um uns als Ihre Kameraden anzuerkennen und uns zur Gründung unserer Wehr Ihre Glückwünsche zu sagen. Sie sind gekommen, um uns in unsern Bestrebungen, uns zu einer wirklichen Feuerwehr herauszubilden, zu ermuntern als auch an diesem Gründungstage unsere Gelübde zu hören und später bezeugen zu können ob wir sie hielten.

Meine Herrn Kameraden! Der freiwillige Feuerwehrmann hat einen schönen aber auch sehr ernsten Beruf erwählt. Sein Wahlspruch heißt:„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“, seine Parole: ,,Menschenrettung“. Der freiw. Feuerwehrmann setzt sehr oft sein Leben ein zur Rettung seiner Mitmenschen, wie mancher Feuerwehrmann ist auf der Brandstelle geblieben, er hat sein Leben gelassen um den Nächsten aus Lebensgefahr zu befreien, – ohne Anspruch auf Lohn, in uneigennütziger Weise: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr‘

Meine Herrn! Diese Aufgabe ist eine hohe , schöne Aufgabe aber auch eine schwere . Um sie voll erfüllen zu können , bedarf es solcher Hauptleute und Zugführer, welche den Führerberuf von dieser ernsten Seite ansehen und auffassen. Eine freiw. Feuerwehr welche zu ihrem Hauptmann das feste Vertrauen hat., wir werden recht geführt und es macht Freude solche Befehle auszuführen welche , um den Nächsten zu Dienen gegeben sind, eine solche Feuerwehr ist wohlgeordnet und gut beraten. Eine solche freiw. Feuerwehr verliert nie ihr großes , schönes Ziel aus dem Auge:„Gott zur Ehr, dem
Nächsten zur Wehr“.

Geehrte Kameraden! Es ist eine Freude einem guten rechten Ka-
meraden zu folgen undesauszuführen. Es ist aberauchnotwendig ,
daß jeder Wehrmann seine Kräfte freiwillig und mit Treue anwendet um die Befehle auszuführen. Ein freiw. Feuerwehrmann ist treu in Allem. Er ist treu gegen die Kameraden. Mit Aufopferung erfüllt er seine Pflicht. Der Kamerad kann sich auf ihn verlassen. Er trägt ein Ehrenkleid und hält seine Ehre allezeit blank. Er ist umgürtet mit Pflichteifer und kennt keine Zaghaftigkeit wenn es gilt dem Nächsten das Teuerste zu erhalten und zu retten. Hell strahlt vor seinem Helm und in seinem Auge der Wahlspruch: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.

Teure Festgenossen, liebe Kameraden! Sie sind nun Zeugen unseres Gelübdes:
Wir wollen eine freiwilligeFeuerwehr, welche ihre Kräfte voll und ganz in den Dienst des vom Brandunglück überfallenen Nächsten stellt, sein. Wir wollen als Ihre Kameraden, Ihres uns bewiesenen Vertrauens würdig, die Ehre der freiwilligen Feuerwehr unentwegt vorAugen haben und blank halten. Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.

Meine Herrn Kameraden! Nehmen Sie uns als Ihre liebe Kameraden auf, unterstützen Sie uns mit Ihrem erprobten Rat und erhalten Sie uns Ihre Liebe und Wohlwollen. Haben Sie Nachsicht mit uns und sollten wir zusammen auf einer Brandstelle arbeiten müssen, dann sehen Sie uns als die Ihren, als eine freiwillige Feuerwehr an.
Dazu wünschen Sie der jungen freiw. Feuerwehr von Oerie Glück, daß stets ein guter Stern über sie walte, daß sie stets vorwärts schreite, in Einigkeit ihrer Mitglieder untereinander die Treue halte, welche einem deutschen Feuerwehnnann geziemt.
Verehrte Festgenossenl Sie wollen uns als Ihre Kameraden aufnehmen und einstimmen in den Ruf:

Die deutsche Feuerwehr, sie lebe hoch! hoch! hoch!

Festrede
am Feuerwehrgründungsfest, 16. Mai 1897
gehalten vom Kamerad
Vorstand-Mitglied und Kassierer Ottmers,
entworfen vom Schriftführer
Kamerad Heinr. Eicke
Gelübde gesprochen von H. Ottmers am Gründungsfest 16.5.1897

Am Ende der Festlichkeiten stellte der Berichterstatter fest: So kam Alles zusammen , um das Fest zu einem glänzenden, wohl gelungenen zu gestalten. Auch der Festwirt – Kamerad Ottmers – war hoch erfreut über den klingenden Lohn welchen er herausholte. Alles war tröhlich und zutiieden und keine Klage ist gekommen.
Aus der ersten Jahresrechnung der Wehr ist zu entnehmen, daß auch die Wehr nicht zu klagen hatte, das Gründungsfest brachte einen Überschuß von 69,05 Mark.

Das Gruppenbild von 1898

Gruppenbild 1898
HINTEN: Fr. Hogrefe H. Mensing Fr. Sievers F. Konerding E. Kasten H. Ottmers H. Hake H. Hogrefe MITTE: Fr. Hake Aug. Hinze Aug. Mensing Aug. Mensing H. Eicke, jun. E. Mensing Fr. Eicke H. Wildhagen H. Wesehe VORNE: E. Klaproth Fr. Flohr H. Eicke K. Zieseniß Aug. Eicke Fr. Hinze H. Wesche Fr. Ihsen Fr. Hogrefe Fr. Mensing

So wird im Protokoll vom 1.10.1898 über die Aufnahme eines Gruppenbildes berichtet. Der Fotograf nahm das Bild vor dem Hause des Gemeindevorstehers Hogrefe auf.
Zum Fototermin erschienen die Kameraden in Uniform mit den ihrer Chargen entsprechenden Geräten. Ihre Handdruckspritze kam ebenfalls mit auf das Bild, wenn auch nur einzelne Teile von ihr (Speichen der Räder, Schlauchhaspel, Laterne) zu sehen sind. Neben dem Hornisten mit seiner Trompete sitzen rechts und links von ihm, die beiden Hauptleute der Wehr, deutlich zu erkennen an dem hellen Federbusch ihrer Helme, als weithin sichtbares äußeres Kennzeichen ihres Amtes. Der Federbusch des Schriftführers und der des Führers der Schutzmannschaft ist dunkler gehalten. Sowohl der Führer der Schutzmannschaft als auch sein Stellvertreter tragen eine Armbinde mit der Aufschrift Feuerwehr. Die Armbinde ist ein Erkennungszeichen der Verpflichteten in der Pflichtfeuerwehr, weil sie dort nicht uniformiert sind. Im Ernstfall eines Brandes sind die Verpflichteten der Abteilung der Schutzmannschaft zugeordnet. Um diese Verbindung sichtbar zu machen, tragen die Führer der Schutzmannschaft zusätzlich die Armbinde.

Beitritt zum Feuerwehrverband und zur Unterstützungskasse

Die regelmäßigen Versammlungen der Feuerwehren wurden durch das Grundgesetz bestimmt. Die Oerier Wehr traf sich nach ihrer Gründung am ersten Montag jeden Monats in der Gastwirtschaft Ottmers.
Zwei Fragen standen nach dem Gründungsfest zur Debatte , und zwar

1. zu prüfen, ob die Wehr dem Feuerwehrverband beitreten soll und

2. ob eine Haftpflichtversicherung für die Wehrmänner abgeschlossen werden sollte.

Die zunächst nur vereinzelt bestehenden freiwilligen Feuerwehren suchten bald Kontakt und Formen zu praktischer Zusammenarbeit in gemeinsam berührenden Fragen. Seit 1868 bestand ein Feuerwehrverband für die Provinz Hannover.
Damals hatten sich 32 Städte und Gemeinden zu einer überörtlichen Vereinigung zusammengeschlossen, um über die Technik der Brandbekämpfung und die Organisation der Wehr Erfahrungen auszutauschen und die überörtliche Zusammenarbeit zu pflegen.
In der Monatsversammlung vom 28.6.1897 ermächtigten die Wehrmänner die Hauptleute, zu erreichen, daß die Oerier Wehr dem Verband beitritt. Der Hauptmann bestätigte den Empfang der Statuten des Verbandes, er erkennt sie an und erklärt namens der Wehr den Beitritt zum Verband. Der Feuerwehrverband bescheinigt am 2.7.1897, daß die Freiwillige Feuerwehr Oerie in den Feuerwehrverband für die Provinz Hannover aufgenommen, und unter Nr. 373 in deren Stammliste eingetragen ist.

Beitrittserklärung zum Feuerwehrverband für die Provinz Hannover, 2.7.1897

Der Feuerwehrverband hielt alle 2 Jahre Provinzial-Feuerwehrtage ab, jeweils an verschiedenen Orten der Provinz. Die Mitglieder der Oerier Wehr lehnten am 15.7.1897 einstimmig die Wahl eines Abgeordneten zum Verbandsfest in Peine am 17. bis 19. Juli ab. Die ungünstigen Verkehrsverbindungen werden ein Grund für diesen Beschluß gewesen sein. Zum XVllI. Feuerwehrverbandsfest im Jahre 1901 in Hildesheim wählten die Mitglieder Hauptmann Wesche zum Delegierten. Der Festbeitrag von 1 M 50 Pf wurde aus der Feuerwehrkasse bezahlt.

Satzung der Feuerwehrunterstützungskasse

Zur Unterstützung der beim Feuerwehrdienst verunglückten aktiven Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren errichtete die Landschaftliche Brandkasse Hannover eine Unterstützungskasse. In der Satzung der Kasse wurde u.a. bestimmt, daß jedes eintretende Mitglied 3 Mark Eintrittsgeld zu zahlen hatte. Die monatliche Prämie betrug 75 Pf. Die Brandkasse leistete einen Zuschuß von 25 Pf pro Mitglied und führte die Verwaltung der Unterstützungskasse unentgeltlich aus.
In der Monatsversarnmlung vom 8.6.1897 wurde beschlossen, daß die Wehr der Unterstützungskasse beitritt, vorausgesetzt, das Eintrittsgeld wird aus der Gemeindekasse gezahlt. Die jährliche Versicherungsprämie zahlen die Mitglieder.
Der Gemeindevorstand lehnte es ab, die Beiträge zur Unterstützungskasse aus Gemeindemitteln herzugeben (28.6.1897) . Nach längerem Drängen des Kommandos scheint der Gemeindevorstand seine Meinung geändert zu haben. Am 11.9.1897 ist der Wehr die Mitteilung gemacht , daß von der Gemeinde Oerie die Eintrittsgelder zur Unterstützungs-Kasse in Höhe von 3 M pro Mann bewilligt sind. Daraufwird durch Abstimmung beschlossen, den monatlichen Vereinsbeitrag um 10 Pf zu erhöhen. Mit der Mehrzahlung soll die Prämie von 75 Pf jährlich pro Mann an die Landschaftliche Brandkasse abgefiihrt werden.
Erst am 1.4.1902 übernahm die Gemeinde auch diese Prämienzahlung.

Beiträge und Strafgelder finanzieren die Ausgaben

In den Monatsversarnmlungen zog der Kassierer den monatlichen Beitrag von 10 Pf ein. Solange die Mitglieder vollzählig oder zahlreich erschienen, funktionierte das Verfahren der Beitragseinziehung. Doch mit der Zeit erlahmte wohl das Interesse , wie ein Vermerk aus dem Protokoll vom 8.1.1998 beweist:

Das geschah jedoch nicht, andere Maßnahmen mußten ergriffen werden:

Der Beitragsfuß blieb 15 Jahre unverändert, abgesehen davon – wie schon oben erwähnt, daß mit dem Beitrag auch die Haftpflichtprämie eingezogen wurde und somit pro Mitglied monatlich 20 Pf zu zahlen waren. Neben den monatlichen Beiträgen stand der Feuerwehrkasse noch das Eintrittsgeld (bei Aufnahme neuer Mitglieder) sowie die ein gehenden Strafgelder zur Deckung der anfallenden Ausgaben zur Verfügung.

In Strafe genommen wurde jeder ,,Freiwillige“ (Feuerwehrmann), wenn gegen die Disziplin in der Wehr verstoßen wurde und der Ruf der Wehr in der Öffentlichkeit Schaden zu nehmen drohte; jegliches Vergehen konnte im freien Ermessen der Führerschaft mit Geldstrafen geahndet werden. Im Grundgesetz § 11 sind die Strafbestimmungen festgeschrieben.

$11 der Satzung
§11 der Satzung vom 27. November 1896

Der Alltag des Vereinslebens

Wie aus den bisher aufgezeigten Beispielen zu ersehen ist, sprach man in den Monatsversammlungen alle Angelegenheiten der Wehr an, diskutierte sie und faßte durch Stimmabgabe (meist mit Stimmzetteln) Mehrheitsbeschlüsse.

In den Protokollen wurden zusätzlich auch Begebenheiten aufgenommen, die Einblicke in das Alltagsleben der Wehr um die Jahrhundertwende geben ; davon einige Ausschnitte:

Als Eintrittsgeld wurde 1 Mark erhoben. Dieser Vorgang beschreibt die an die Neuaufnahme von Mitgliedern angelegten strengen Maßstäbe (Grundgesetz § 4).

§4 der Satzung
§4 der Satzung vom 27. November 1896

Nach dem Tode eines Mitgliedes wurde sogleich eine Trauerversammlung einberufen.

Besprechung über die Beerdigung des am 14. d. M gestorbenen Kameraden Friedrich Hinze.

1. Es ist beschlossen, daß von der Feuerwehr ein Kranz mit Atlasschleife gestiftet werden solI. Auf die Schleife gestickt: Fr. F. Oerie.

2. Die Feuerwehr gibt dem Verstorbenen Kameraden bei der am 18. d. M stattfindenden Beerdigung das Ehrengeleit. Vorgeschrieben ist schwarzer Anzug. Wer fehlt, zahlt 50 Pf in die Strafkasse.

3. Zu Trägem sind befohlen:
1. Friedrich Hogrefe  4. Heinrich Eicke
2. FriedrichEicke  5. Ernst Mensing
3. für Wilhelm Krause H. Hogrefe  6. August Mensing

4. Die Wehr versammelt sich 2 3/ 4 Uhr bei Kamerad H. Wesche.Die Träger begeben sich in das Trauerhaus und bezeugen namens der Feuerwehr das Beileid.

5. Kamerad Ottmers besorgt den Kranz. (15.3 .1900)

Wahl eines Hornisten:

Über die Alltagsarbeit hinaus forderte die Wehr die Pflege der Kameradschaft und den Zusammenhalt durch gesellschaftliche Veranstaltungen:

An Kosten für die Teilnahme an Feuerwehrfesten sind in den Jahresrechnungen aufgeführt: für Getränke (Bier) 9 M bzw. 21 M, für das Tragen des Schildes 50 Pf, für Fuhrlohn nach Wilkenburg 6 M (25.6.1898) und Trinkgeld für die Knechte 2 M (Holtensen, 24.5.1900).

Am 2.7.1898 machte die Wehr einen Ausflug nach der Holzmühle mit Pferdegespann und laubgeschmücktem Ackerwagen.

Erst im dritten Jahr seit der Gründung wird zum ersten Mal berichtet, daß sich die Wehr an patriotischen Gedenktagen beteiligte, die in der Kaiserzeit mit großem Aufwand begangen wurden. Am 2.9.1899 feierte die Wehr den Sedanstag (zur Erinnerung an den Krieg 1870/71) mit einem von der Wehr gegebenen Festessen.

Feuerwehrübungen

Die eigentliche Zweckbestimmung der Feuerwehr ist die Brandbekämpfung. Sie wirksamer zu organisieren und um die Löschhilfe einzuüben und zu koordinieren, waren die freiwilligen Feuerwehren gegründet worden. Das Grundgesetz legte fest, daß die Zeit und die Anzahl der Hauptproben von der Führerschaft bestimmt wird . Wie die Aufgabe gehandhabt wurde, darüber geben die Protokolle Auskunft.

Brandeinsätze

Das Grundgesetz legt im § 3 Abs. 3 u. 4 nähere Einzelheiten über das Verhalten der Feuerwehrmänner im Falle eines Brandes fest.

§ 3 Abs. 3 u. 4 der Satzung vom 27. Nov. 1896
§ 3 Abs. 3 u. 4 der Satzung vom 27. Nov. 1896

Die Chronik über die ersten Jahre der Wehr wäre unvollständig, ohne über die Bran-deinsätze zu berichten, wie sie in den Protokollen und Brandberichten überliefert sind:

Nach jedem Brandeinsatz fand eine Besprechung über die Vorgänge bei der Be kämpfung statt:

Die Wehr beantragte bei der Vaterländischen Feuerversicherung AG in Elberfeld (bei der der Brandgeschädigte versichert war) für ihre Tätigkeit beim Brande des Ihsenschen Wohnhauses in Hüpede eine Beihilfe. Die Versicherung lehnte sie mit der Begründung ab, daß der Gesellschaft ein Nutzen durch die Tätigkeit der Wehr nicht gestiftet worden ist und sie einen Totalschaden zu beklagen hat.

Ein Auszug aus der Brandbesprechung vom 19.3.1898:

Von der Gemeinde Jeinsen wurde eine Fahrvergütung und eine Prämie von 8 M überwiesen.

Die Gemeinde Jeinsen zahlte an die Wehr 11,88 M für Fahrvergütung und als Prämie.

Der erste Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr Oerie im eigenen Dorf:

Ergänzend einige Auszüge aus dem Brandbericht:

In der Brandbesprechung wurden Mängel beim stattgehabten Brande angesprochen und notwendige Verbesserungen beraten und beschlossen

Personell hatte sich während der vergangenen Zeit nichts Wesentliches verändert, weder bei der Führerschaft noch bei der Anzahl der aktiven Mitglieder.
Passive Mitglieder gehörten der Wehr nicht an. Die Führerschaft war 1899 wiedergewählt worden, der Mitgliederstand schwankte um die Zahl 27. Er blieb fast konstant, obwohl die Einwohnerzahl stetig abnahm. Sie erreichte im Jahre 1905 ihren Tiefstand mit 175 Ortseinwohnem. Oerie war somit die kleinste Gemeinde der Ortsteile im heutigen Stadtgebiet Pattensen, aber die einzige Gemeinde – außer der Kernstadt selbst- in der es eine freiwillige Feuerwehr gab.

Gründungsjahre der Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet Pattensen
Gründungsjahre der Freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet Pattensen

Die Freiwillige Feuerwehr Oerie – ein Verein mit hilfspolizeilichen Befugnissen

Die Wehr in der Kaiserzeit (1902 – 1918)

Die Wehr wird Hilfsorgan der Polizei

Gleich nach der Jahrhundertwende änderte sich die Organisationsform der freiwilligen Feuerwehren. Die vom königlichen Oberpräsidenten erlassene Polizeiverordnung vom 27.9.1901, betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens, schränkte den Vereinscharakter der Wehr ein; sie erhielt hilfspolizeiliche Befugnisse. Fortan war sie verpflichtet, den bisher geleisteten freiwilligen Feuerwehrdienst nach Maßgabe der Vorschriften der Polizeiverordnung zu leisten.

Statuten nach den Vorschriften derPolizeiverordnung
vom 27.9.1901
Statuten nach den Vorschriften der Polizeiverordnung
vom 27.9.1901

Die Wehr stellte bei Ausübung des Feuerlöschdienstes ein ausführendes Organ der Polizei dar. Diese Eigenschaft nach außenhin deutlich erkennbar zu machen, hatten die Feuerwehrmänner ein Abzeichen mit der bereits vielfach als Symbol der Feuerwehrtätigkeit üblichen Zusammenstellung von Feuerwehrkappe, Beil und Axt zu tragen. Während es für die Wehren keine Vorschriften für Uniformen gab – nur eine Verwechslung mit bestehenden amtlichen Uniformen war auszuschließen – ,wurden durch Allerhöchste Order vom 30.7.1901 einheitliche Chargenabzeichen festgesetzt; sie waren den militärischen Rangzeichen angepaßt.

Nach der Verordnung bildete die Wehr ein militärisch organisiertes Korps. Das Militär war in der Kaiserzeit Vorbild für viele Vereine und Verbände. Auch die Feuerwehren wurden wie eine militärische Einheit geführt. Es ist eine Ehrenpflicht – so heißt es in den neuen Statuten – sich durch regelmäßige Übungen bei militärischer Disziplin die Gewandtheit, den Mut und die Ruhe anzueignen, die nötig sind, um bei Feuergefahr möglichst rasch und in zweckmäßiger Weise Hilfe zu leisten.
In dieser Zeit legte man sehr viel Wert auf Disziplin und Ordnung, und Exerzieren stand bei vielen Feuerwehren auf dem Dienstplan an erster Stelle. Die Leistungsfähigkeit einer Feuerwehr wurde nach diesen Grundsätzen bemessen; ob sich die Oerier Wehr eine Stunde vor den angesetzten Übungsstunden zum Exerzieren einzufinden hatte, wie es zur damaligen Zeit bei der Feuerwehr in Pattensen üblich war, ist in den hiesigen Protokollen nicht vermerkt.
Die Polizeiverordnung schrieb die Einrichtung von vier Abteilungen vor, und zwar

  • zur Bedienung der Spritze
  • zur Ausübung des Steigerdienstes sowie zum Retten von Menschen, Vieh und Habe
  • zur Herbeischaffung des Wassers
  • zur Aufrechthaltung der Ordnung und Bewahrung der geretten Sachen

Hier sei noch erwähnt, daß jeder Aufgenommene sich zur unentgeltlichen Dienstleistung in der freiwilligen Feuerwehr auf mindestens drei Jahre verpflichten mußte.
Die außerplanmäßige Korpsversammlung – so werden fortan in den Protokollen die Monatsversammlungen bezeichnet – vom 24.1.1902 beschäftigte sich mit den geforderten Veränderungen:

Die neue Satzung wurde am 26.2.1902 vom Landratsamt bestätigt. Nach den Bestimmungen der Satzung führte die Wehr von nun an die Bezeichnung:

Freiwillige Feuerwehr Oerie

Ortsstatut über die Bildung einer Pflichtfeuerwehr

Fast zeitgleich erließ der Gemeindevorstand auf Weisung des Landratsamtes gemäß des Gesetzes vom 21.12.1904 und mit der Genehmigung des Kreisausschusses ein Ortsstatut für die Landgemeinde Oerie betreffend die Bildung einer Pflichtfeuerwehr: Im Statut wird bestimmt, daß alle männlichen Einwohner im vollendeten 17. bis zum vollendeten 55. Lebensjahr zum Eintritt in die Pflichtfeuerwehr verpflichtet sind.

Statuten für die Pflichtfeuerwehr, § 1
Statuten für die Pflichtfeuerwehr, § 1

In Oerie erübrigt sich eine Pflichtfeuerwehr, da eine freiwillige Feuerwehr besteht. Sie übernimmt die aufgezeigten Aufgaben und bildet die Ortsfeuerwehr. Genügt die freiwillige Feuerwehr (ihr Mitgliederstand) dem vorhandenen Bedürfnisse nicht, so kann sie durch gemeindeseitig zu bestellende Hilfskräfte aus den zum Feuerlöschdienste Verpflichteten, welche jedoch dem Kommando der freiwilligen Feuerwehr unterstellt bleiben, ergänzt werden. Im Dezember eines jeden Jahres ist vom Gemeindevorstand das Verzeichnis der Feuerwehrpflichtigen aufzustellen bzw. zu berichtigen und unter Zuziehung des Brandmeisters jeder Pflichtige, den Abteilungen zur Herbeischaffung von Wasser und zur Aufrechterhaltung der Bewachung der geretteten Sachen zuzuweisen.
Die Spannhalter in der Gemeinde haben …den zur Bespannung der Spritzen und Wasserwagen erforderlichen Vorspann und für die Löschhilfe nach auswärts einen Mannschaftswagen der Reihe nach unentgeltlich zu stellen. Der Gemeindevorstand bestimmt die Reihenfolge…
Zur Leitung der Feuerwehr ist seitens des Gemeindevorstehers auf 3 Jahre ein Brandmeister zu bestellen, … die Bestellung bedarf der Bestätigung durch den Landrat. Im Falle eines Brandes steht dem Brandmeister die technische Leitung der Löscharbeiten zu, die Oberleitung führt der Ortsvorsteher als Vertreter des Landrats. Der Hauptmann der freiwilligen Feuerwehr hat den Anordnungen des Brandmeisters Folge zu leisten, falls er nicht beide Funktionen innehat. Wird dem Hauptmann die Funktion des Brandmeisters durch die zuständige Obrigkeit übertragen, ist er verpflichtet, das Amt zu übernehmen.

Die Ortssatzung wurde am 1.4.1906 beschlossen und am 16.6.1906 vom Landratsamt genehmigt. Das Landratsamt erließ Ausführungsbestimmungen zu der Ortssatzung, in denen die innere Organisation der Feuerwehr geregelt wird.

Der erste Führungswechsel

Die neuen Statuten (sowohl der Wehr als auch der Gemeinde) verlangten eine Neugliederung der Wehr. In der Korpsversammlung vom 4.2.1905, zu der auch der Gemeindevorsteher geladen und erschienen war, fand die Neuwahl nach den jetzt geltenden Bestimmungen statt. Das Wahlergebnis lautete:

Hauptmann und Brandmeister (beide Funktionen also in einer Hand): Heinrich Wesche
Vizehauptmann: Heinrich Ottmers
Spritzenmeister und Zugführer der Bedienungsmannschaft: Heinrich Hake
Zugführer des Steigerkorps: Heinrich Ottmers
Zugführer der Schutzmannschaft: Carl Zieseniß
I. Rohrführer: Ernst Kasten
II. Rohrführer: Heinrich Wesche

Nach § 17 der Statuten war ein Ehrengericht zu bilden, das sich aus 3 Führern (vom Kommando) und 4 Mitgliedern zusammensetzt. Der Hauptmann war ständiges Mitglied des Ehrengerichts ohne Stimmrecht. Das Ehrengericht hatte über Dienstvergehen und bei Dienstverstößen sowie Beschwerden der Mitglieder zu urteilen und sie gegebenenfalls mit Strafen zu ahnden. Beschließt das Ehrengericht auf Ausschluß eines Mitgliedes, kann derselbe Berufung bei der Korpsversammlung einlegen, die endgültigüber den Ausschluß entscheidet.

In das Ehrengericht wurden von der Führerschaft H. Ottmers, H. Hake, C. Zieseniß, von der Mannschaft H. Ihsen, E. Mensing, Heinrich Eicke II und Heinrich Hogrefe II gewählt. Alle Gewählten nahmen die Wahl an und wurden nach Ablauf der Wahlperioden 1905 und 1908 erneut wiedergewählt.

Nach der Wahl am 25.1.1908 erklärte Vize-Hauptmann H. Ottmers: Ich bitte meinen Posten einerjüngeren Kraft übertragen zu wollen. Der Bitte wurde entsprochen, in einem zweiten Wahlgang wählte das Korps den Kameraden Heinr. Eicke jun. zum Vize-Hauptmann.

Kamerad Heinrich Ottmers war die Seele der Oerier Feuerwehr in den ersten 20 Jahren ihres Bestehens. Im aktiven Dienst zunächst als 1. Rohrführer, später als Vize-Hauptmann tätig, verwaltete er zugleich von Anfang an als Kassenführer die Kassengeschäfte der Wehr. Schriftführer Heinr. Eicke sen. würdigte die Verdienste des Kameraden anläßlich dessen Silberhochzeit 1911 in einer Laudatio mit den Worten:

„Das Muster eines Kameraden sind Sie für jedes Mitglied gewesen…mit welcher Hingabe haben Sie als Vize-Hauptmann die freiwillige Feuerwehr vertreten, und immer wieder unermüdlich zu ihrer Pflicht zurückgeführt, wenn sie schwanken
wollte.
…Wiederholt war die Wehr in Gefahr des Abbröckelns und stets sind Sie es gewesen, der sie vor dem Sturz bewahrt hat…
„

E. Kasten(links) und H. Ottmers
E. Kasten (links) und H. Ottmers

Bei seiner Sorge um den Bestand der Wehr fühlte sich H. Ottmers erneut in die Pflicht genommen, als die Wehr ihren beliebten ersten Hauptmann H. Wesche verlor, der in die Nachbargemeinde Hüpede verzog.
In der Korpsversammlung vom 6.7.1909 bedankte sich Schriftführer H. Eicke sen. im Namen der Wehr bei dem scheidenden Hauptmann für seine treue und hingebende Führung während seiner Amtszeit. Kamerad H. Wesche sprach der Wehr für die ehrenden Worte und für das ihn seit 13 Jahren entgegengebrachte Vertrauen und gern geleisteten Folgsamkeit seinen Dank aus. Mit dem Dank verband er für die Wehr den Wunsch, daß die Freiwillige Feuerwehr Oerie allzeit florieren und weiter schreiten möge und das gute Ansehen bewahre, das sie bisher habe.

HeinrichEickejun.
Heinrich Eicke jun.

Die Führung der Wehr wurde mit der Wahl des bisherigen Vize-Hauptmann Heinrich Eicke jun. in jüngere Hände gelegt . Kamerad Ottmers übernahm auf Wunsch der Versammlung erneut das Amt des Vize-Hauptmannes, wohl, um einen reibungslosen Generationswechsel in der Führung der Wehr zu unterstützen und zu sichern.

Bis zum Ende des ersten Weltkrieges gab es keine wesentlichen personellen Veränderungen in der Führung der Wehr. Nur Vize-Hauptmann H. Ottmers gab sein Amt als Kassenwart 1913 an den Kameraden F. Hake ab. 1905 wurde Kamerad H. Eicke sen. zum ersten Ehrenmitglied der Wehr ernannt.

In der Rückblende soll nachfolgend über Ereignisse, Begebenheiten und Brandeinsätze währenddes Zeitraumes von 1902 bis 1918 berichtet werden, wie sie in den Protokollen niedergeschrieben und überliefert sind.

Untergliederung des Feuerwehrverbandes

Zwischen 1900 und 1910csetzte sich immer mehr die Forderung durch, den Provinzialen Feuerwehrverband wegen seiner allzu großen räumlichen Ausdehnung in kleinere Verbände zu unterteilen, um so auch den kleineren Wehren die Gelegenheit zu bieten, gegenseitig ihre Einrichtungen und deren Vorteile und Nachteile kennenzulernen. So kam es zunächst auf Regierungsbezirksebene zur Gründung des Gauverbandes und fast zeitgleich auf Kreisebene zur Gründung des Kreisverbandes.

Die Wehr trat dem Gauverband dertieiwilligen Feuerwehren bei. Der Zeitpunkt des Beitritts ist nicht zu erfahren, auch nicht die Satzung des Verbandes. Bekannt ist, daß an den Gauverband erstmals 1911 10 Pf pro Mitglied als Beitrag gezahlt wurden.

Den Kameradschaftsgeist zu fördern, richtete der Verband für seine Mitglieder eine Sterbekasse ein. Im Protokoll vom 8.7.1911 wird berichtet, daß das Korps über den Nachtrag zu der Satzung des Feuerwehr-Gauverbandes für den Regierungsbezirk Hannover, betreffend die Sterbekasse beraten hat; es heißt dort:

Die Statuten über die Sterbekasse sind den Kameraden durch Vorlesen bekanntgegeben und durch einstimmige Annahme derselben, ist der Beitritt der Kameraden zur Sterbekasse vollzogen.
Der Beitrag zur Sterbekasse wird aus der Feuerwehrkasse pro Mitglied und Jahr mit 75Pf bezahlt. Damit die Feuerwehrkasse diese Leistung tragen kann, wird der jährliche Mitgliederbeitrag (zur Feuerwehrkasse) auf 3 M erhöht. Durch Abstimmung zum Beschluß erhoben.

Im Rechnungsjahr 1911/12 sah sich die Sterbekasse gezwungen, einen einmaligen Beitrag von 30 Pf pro Mitgliednachzuerheben, weil die Mittel vor Ende des Jahres bereits verausgabt waren. So auch im Kriegsjahr 1916; die Sterbekasse erhob 8,20 RM nach. Ab 1917 wurden keine Beiträge mehr zur Sterbekasse eingezahlt.

Monate vor Ausbruch des ersten Weltkrieges, zum 18.1.1914, lud der Landrat die Hauptleute der anerkannten freiwilligen Feuerwehren zu einer Besprechung zwecks Gründung eines Kreisverbandes für die freiwilligen Feuerwehren des Kreises Springe in den Ratskeller nach Springe ein. Die Oerier Wehr war durch Hauptmann Eicke vertreten.
Die anwesenden Hauptleute unterstützten die Gründungsabsicht des Landrats.

In einer Mustersatzung wurde als Zweck des Zusammenschlusses die Förderung und Ausbildung des Feuerlöschwesens, sowie Hebung und Pflege des kameradschaftlichen Geistes unter den Mitgliedern der Feuerwehren herausgestellt.

Dieser Zweck soll erreicht werden:
A . Durch Einführung möglichster Gleichmäßigkeit in der Organisation und Leitung der Feuerwehren.
B. Durch Abhaltung von Feuerwehrtagen
C. Durch Vorführung von Feuerwehrübungen

Am 17.2.1914 wurde in der Oerier Korpsversammlung über den Beitritt verhandelt.

Es wurde Rücksprache mit der Wehr genommen, dadurcb, daß die Statuten vorgelesen wurden. Nach längerer Debatte wurde einstimmig beschlossen, dem Verbande beizutreten. Es wurde zu der nächststattfindenden Versammlung zwecks Gründung des Verbandes Kamerad Hauptmann H.Eicke und Kamerad H.Ottmers gewählt.

Die angekündigte Versammlung fand wegen des beginnenden Krieges nicht statt. Aus späteren Berichten ist zu entnehmen, daß es 1924 zur Gründung des Verbandes kam. Eine endgültige Festlegung der Verbandssatzung erfolgte erst am 13.9.1925.

Der Provinziale Feuerwehrverband für die Provinz Hannover als auch der Feuerwehr-Gauverband des Regierungsbezirkes Hannover hielten Feuerwehrtage ab, zu denen die ihr angehörenden freiwilligen Feuerwehren eingeladen waren .
So auch die Oerier Wehr. In den Korpsversammlungen wurde über die Teilnahme an den Feuerwehrtagen abgestimmt. Stimmte das Korps einer Einladung zu, entschied man darüber, ob die Wehr mit Delegierten oder mit Abordnungen teilnehmen sollte.

Einladungen nach Stade (1903), Osnabrück und Goslar (1905) , Hannoversch-Münden und Nienburg (1913) lehnte man einstimmig ab – verständlich, bei den Entfernungen und den damaligen Verkehrsmöglichkeiten. An den Festlichkeiten in Wunstorf (1903), Münder (1904), Döhren (1906) und Hameln (1908) nahmen Abordnungen, am Bezirksfest in Benthe (1905) 2 Delegierte der Wehr teil.

In unserer unmittelbaren Nähe fand 1912 das Gauverbandsfest in Pattensen statt. Über das Ereignis wird in der Festschrift von 1993 zum hundertjährigen Bestehen der Pattenser Feuerwehr wie folgt berichtet:

Am 14.7.1912 fand untergroßer Beteiligung der Gau-Verbandstag in Pattensen statt. Die vorgeführten Übungen der Freiwilligen Feuerwehr Pattensen wurden vom Beurteilungsausschuß als recht gut bezeichnet.

Auch die Oerier Wehr beteiligte sich an den Festlichkeiten. In der Versammlung vom 22.5.1912 wurde die Teilnahme beschlossen und am 6.7.1912 festgelegt, den Kommers am Sonnabend auch zu besuchen. Es meldeten sich 12 Kameraden, die daran teilnehmen wollen. Es wurde bestimmt; des Abends 71/2 Uhr alle per Rad hinzufahren. Sonst ist bestimmt; daß die Wehr sich pünktlich zu dem Festzug, welcher um2 Uhr stattfindet, einfindet .

Bezüglich der Schulübung wird ausgesagt, daß die Wehr zu der am Sonntag um 10 Uhr stattfindenden Schulübung sich im großen und ganzen beteiligt.

Aufzeichnungen über die vorgeführten Übungen liegen nicht vor. Die Übungen unterschieden sich aber deutlich von den heutigen Wettkämpfen. Schulübungen wurden damals auf Verbandsfesten von der gastgebenden Wehr vorgetragen und von einem Beurteilungsausschuß bewertet. Die Feuerwehrleute der eingeladenen Wehren fungierten lediglich als kritische Beobachter. Damit man sich ein Bild von den Inhalten und vom Ablauf einer Schulübung machen kann, wird im folgenden ein Bericht der Deister-Zeitung wiedergegeben. Er handelt von einer Übung auf dem Kreisfeuerwehrverbandsfest 1928 in Rössing, bei der auch die Oerier Wehr anwesend war. Zum besseren Verständnis ist anzumerken , daß die Schulübungen in all den Jahren bis zum Ende der Weimarer Zeit beibehalten wurden.

Es folgten die Übungen der Freiwilligen Feuerwehr Rössing auf dem eigens hierfür eingerichteten Platze. Unter den schmetternden Klängen der Musik begannen Marschübungen. Parademarsch in Gruppen und Zügen, wobei man vielfach noch den alten Soldaten wiedererkannte. Übungen am Spritzenwagen, Leiterwagen und Steigerturm folgten. Exakte Kommandos und stramme Ausführungen setzte die Gäste in Erstaunen. Besonders beifällig aufgenommen wurde die Alarmierung mit den Rettungsversuchen am Steigerturm.

Aus den Monatsversammlungen

Die Monatsversammlungen am ersten Montag jeden Monats wurden beibehalten, obwohl aus der Versammlung der Wunsch auf eine Verlegung auf einen Sonnabend geäußert wurde. In der Versammlung vom 17.1.1906 wurde der Antrag vertagt. Am 23.5.1908 bemängelte ein Antragsteller, daß es zwecklos sei Beschwerden vorzubringen, weil auf die geäußerten Wünsche nicht gehörig eingegangen sei. Kamerad Hauptmann Wesche erklärte, diese Beschuldigung energisch zurückweisen zu müssen. Eine Einigung ist erzielt und die Sache ist damit erledigt.

Es blieb bei der bisherigen Regelung der Monatsversammlungen.

Bemerkenswert ist ein Vorfall, der letzlich zum Austritt eines Mitgliedes führte. Kamerad August Eicke hatte sich geweigert, einen Kameraden zu Grabe zu tragen, obwohl er vorher von der Versammlung zu dieser Ehrenpflicht bestimmt worden war.
Die Wehr hielt den Fall für so schwer, daß durch eine Abstimmung mit einzelnen Stimmzetteln (19.1.1907) entschieden werden sollte, ob der Kamerad in der Wehr bleiben oder aufzufordern sei, auszutreten. Alle 17 Anwesenden stimmten für den Ausschluß. Der Kamerad A. Eicke ist hiervon zu benachrichtigen und die Berufung an das Ehrengericht (§ 17 derStatuten) anheimzugeben.
Der Hauptmannerhielt am 26.1.1907 folgendes Schreiben:

Oerie, den 26. Januar 07

An
Herrn Hauptmann der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr!

Mit Vergnügen nehme ich die Ausstoßung aus hiesiger frew. Feuerwehr an.
Es liegt mit recht fern noch ein Ehrengericht hierzu anzurufen, denn diese Angelegenheit liegt ethisch für mich auf ganz anderer Basis.
Zum Übrigen möchte ich bemerken, sachlicher vorgehen zu wollen; denn „.„Herrn“ und“Du“ ist für ein Mitglied vom Verein keine schöne Harmonie.

Aug. Eicke
gewesenes Mitglied der hiesigen freiw. Feuerwehr

Im Protokoll vom 11.5.1907 ist niedergeschrieben, daß der Beschluß der Wehr zur Ausführung gebracht ist. Der frühere Kamerad A. Eicke ist freiwillig aus der Wehr ausgetreten.
Wie bisher, wurden Dienstvergehen und -verstöße mit Strafgeldern geahndet. Für das Einsammeln der Strafgelder ist ein Blechkasten vorhanden. wird berichtet. Über die Verwendung ihres Inhalts werden keine Angaben gemacht. Lediglich in der Jahresabrechnung 1901 wurden 2,80 RM an Strafgeldern als Einnahmen verbucht.
Das Korps beschloß während dieses Zeitraumes an neuen Strafbestimmungen:

Sämtliche Mitglieder der Freiwilligen, sowie der Pflichtfeuerwehr haben zu erscheinen (zur Übung). Mitglieder die nicht zur Stelle sind, werden mit 1 M Strafe belegt. (27.5.1902)
Bei einer Festteilnahme auswärtiger Feuerwehren darf kein Kamerad in Zivilkleidung daran teilnehmen. Sollte dieses von einem Kameraden gemacht werden, so hat derselbe 1M Strafe in die Feuerwehrkasse zu zahlen. (3.6.1903)

Gesellschaftliche Veranstaltungen

In dem beschriebenen Zeitraum bot die Wehr vermehrt gesellschaftliche Veranstaltungen für ihre Mitglieder an, so Sommer- bzw. Wintervergnügen, Ausflüge und alljährlich eine Feier zum Allerhöchsten Geburtstag Seiner Majestät unseres Kaisers Wilhelm II.

An den Ausflügen nahmen auch die Frauen der Mitglieder teil. Die Ausflüge führten in den Deister (1903), in den Harz (1907) und zum Steinhuder Meer (1913). In den Deister fuhr man mit dem Pferd und Wagen, in die beiden anderen Ausflugsorte mit der Elektrischen Straßenbahn ab Pattensen und der Eisenbahn ab Rethen. Alle Fahrkosten bezahlte die Feuerwehrkasse. Obwohl das Kommando für die Bahnfahrt nur Fahrkarten 4. Klasse löste, belastete die Harzfahrt die Kasse mit 154,25 M beträchtlich, wenn man bedenkt, daß alle Ausgaben der Wehr hauptsächlich aus dem Beitragsaufkornrnen (zwischen 60 – 70 M jährlich) zu bestreiten waren. Finanzielle Zuwendungen aus Gemeindemitteln erhielt die Wehr damals nicht. Nebenbei sei noch ergänzt: Die Fahrkosten für den Ausflug in den Deister betrugen 6 M, zum Steinhuder Meer 30 M.

Kostengründe waren wohl maßgebend, daß die Wehr ihre Ausflüge mit der Teilnahme an Feuerwehrfesten verband. Zwei Beispiele seien angeführt, die in den Protokollen aufgezeichnet sind:

Am Sonntag, d. 21. folgt die Wehrmit ihren Dame  (zum Verbandsfest in Hameln, 20./21.6.1908) und wird damit der Sommerausflug und das Vergnügen erledigt. (23.5.1908)

Es wurde über das Feuerwehrfest in Bredenbeck verhandelt. In der vorigen Versammlung war beschlossen, das Fest zu besuchen. Es wurde auch in der Versammlung die Bezahlung des Wagens aus der Kasse beschlossen.
Die Fuhr übernahm der Kamerad Friedrich Ihssen zum Preise von 6 Merk; da es wohl nicht möglich ist, mit einem Wagen die Mitglieder mit Damen auf einem Wagen zu befördern, so erklärt sich Kamerad H. Eicke den 2. Wagen gratiszu stellen. Die Abfahrt wird auf 1  Uhr mittags festgesetzt.
Die Heimfahrt soll sich nach den Amüsierungen richten, Kamerad Hauptmann Eicke hat darüber zu bestimmen. (13.6.1912)

Dem gesellschaftlichen Leben und den Gepflogenheiten der damaligen Zeit entsprechend, beriet alljährlich das Korps über eine eigene Veranstaltung der Wehr anläßlich des Geburtstages des Kaisers am 27.Januar. In der Versammlung vom 17.1.1903 beschloß eine Mehrheit, den Geburtstag des Kaisers durch ein von der Wehr zu veranstaltendes Festessen zu feiern. Das nicht einstimmige Abstimmungsergebnis und auch ein Vermerk im Protokoll Auszuschließende melden sich, lassen vermuten, daß nicht alle Mitglieder – aus welchen Gründen auch immer – mit einer Feier in der Wehr einverstanden waren. Die Vermutung wird bestätigt durch das in einem Protokoll im Jahre 1910 festgehaltene Abstimmungsergebnis: Durch abgegebene Stimmzettel sind mit Ja 11 Zettel und mit Nein 4 Zettel abgegeben.

Ganz problemlos verliefen die Feiern nicht immer.

Im Jahre 1905 wurde beklagt, daß keine Feier stattgefunden hat. Als Entschuldigung wurde Krankheit mehrerer Kameraden festgestellt. Die Feier wurde nachgeholt. Die Geburtstagsfeier im Jahre 1912 mußte auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Der Kriegerverein veranstaltete in Pattensen eine Allerhöchste Geburtstagsfeier. Mehrere Mitglieder der Wehr gehörten zugleich dem Kriegerverein an. Weil diese Mitglieder das Fest in Pattensen nicht versäumen wollten, war das Kommando gezwungen, die Feier auf einen späteren Zeitpunkt festzusetzen. Mit der Nachfeier wurde ein gemütliches Beisammensein verbunden.

In all den Jahren wurde das Arrangement des Festessens Gastwirt und Vizehauptmann H. Ottmers in die Hand gegeben und von ihm übernommen. Er bot mehrfach ein einfaches warmes Essen, in anderen Jahren ein kaltes Vesper an, jeweils für 1 M bis 1,30 M. Die Kosten für das Essen und auch die Auflage eines 1/4 Hektoliter Bieres übernahm die Feuerwehrkasse – aber nicht im Jahre 1914. Im Protokoll wird als Grund angegeben: … da die Kasse schwach bestellt ist, wird der Antrag gestellt; die Kosten aus eigener Tasche zu zahlen.

Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt voraussehen, daß es die letzte Veranstaltung der Wehr zum Geburtstag des Kaisers sein sollte. Es erklärt auch, daß kein Zusammenhang mit dem am 17.2.1914 einstimmig gefaßten Beschluß besteht, fortan den eigenen Geburtstag der Kameraden in der Wehr zu feiern. Im Protokoll ist der Vorschlag vermerkt, wie eine derartige Feier gehandhabt werden könnte: Es würden vielleicht 2 Kameraden zusammen 25 Liter Bier spenden. Dem Protokoll liegt eine Liste mit den Geburtsdaten der Mitglieder bei. Ob in der Folgezeit nach dem Vorschlag so verfahren wurde, ist nicht bekannt.

Ausrüstungsstand und Mitgliederstand

Der Ausrüstungsstand der Wehr blieb in dem Berichtszeitraum zunächst unverändert. Die Wehr beschränkte sich auf erforderliche Ersatzbeschaffungen. So wurde 1905 ein neues Horn angeschafft, das alte verblieb als Reserve im Spritzenhaus. Damit der Trockenpfahl für die Schläuche wieder haltbarer wurde, stellte man ihn tiefer.

Großen Wert legte das Kommando auf die Pflege und das Erhalten des Vorhandenen. Jeder Wehrmann ist verpflichtet dafür zu sorgen, daß die Ausrüstung an Zeug, Gürteln usw. in gutem Zustande ist. Fehler sind unverzüglich zu melden, so wird die Aufforderung im Protokoll vom 11.1.1912 festgehalten.

Jährlich wurde eine Inspektion, ein Appell abgehalten; hier mußten alle Mitglieder ihre Ausrüstungsgegenstände mitbringen und dem Kommando vorlegen. Im Protokoll vom 6.6.1912 wurde eine Inspektion angekündigt: Am nächsten Mittwoch Abend um 8 Uhr findet ein Appell statt, wobei die Wehr in einer gut instandgesetzten Uniform zu erscheinen hat, vor allen Dingen wird guterPutz verlangt.

Der Zeugwart bemühte sich, die nicht ausgegebenen Uniformen vor Mottenfraß zu schützen. Fast in jedem Jahr erscheint in der Jahresrechnung der Wehr als Ausgabeposten: für Mottenpulver 20 Pf (bzw. 30 Pf.).

In den Berichten wird immer wieder festgehalten, daß sich die Spritze in einem guten (1911) bzw. tadellosen (1912) Zustand befand. Nur das Protokoll vom 21.11.1905 weist auf einen vorübergehenden Ausfall hin: Es wurde noch beschlossen, die Spritze noch einmal zu probieren. Die Spritze war schon einmal im Jahre 1900 ausgefallen. Damals mußte der Kolben ersetzt werden, wie aus einer Mitteilung der Fa. Laue, Bennigsen, an den Gemeindevorsteher zu entnehmen ist.

Erst aus späteren Aufzeichnungen wird bekannt, daß die Wehr kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges neue Schläuche erhalten haben muß. Unterlagen über die Notwendigkeit einer Ersatzbeschaffung und über eine Neuanschaffung liegen aber nicht vor. In der Jahresrechnung 1913 wird als Ausgabe eine Runde (vermutlich Bier) bei der Übung mit den neuen Schläuchen ausgewiesen.

In den Ausführungsbestimmungen der Ortssatzung wird bestimmt, daß die zum Feuerwehrdienst Verpflichteten zweimal im Jahr zur Übung heranzuziehen waren. Die Statuten der freiwilligen Wehr legten fest, daß jährlich mindestens 8 Übungen abzuhalten waren. Mindestens eine Korpsübung sollte im Herbst nach Sonnenuntergang vorgenommen werden.

Aufschlußreich über den internen Zustand der Wehr jener Zeit ist eine Eintragung im Protokoll vom 23.1.1904: Es ist Pflicht der Kameraden, den Übungen der Wehr mehr Interesse zu widmen, besonders zu denselben zu erscheinen. Daß die Einsatzbereitschaft für den freiwilligen Dienst immer mehr nachließ, zeigt auch der stetige Rückgang der Mitgliederzahl an. Gründeten einst 29 Männer die Wehr, so gehörten ihr 1911 nur noch 17 Mitglieder an. Die Wehr befand sich in einer Krise. Die Gefahr eines weiterhin anhaltenden Abbröckelns bedrohte die Existenz der freiwilligen Feuerwehr in Oerie.

In dieser Situation blieb als ein Ausweg die Möglichkeit, die gesetzliche Bestimmung des Ortsstatus anzuwenden, bei Bedarf den Mitgliederstand durch Hilfskräfte aus der Pflichtfeuerwehr zu ergänzen.

Der Gemeindevorstand hatte zu Ende eines Jahres die zum Feuerwehrdienst verpflichteten Einwohner zu erfassen und die Namen in einer Liste aufzuführen. Die Liste erlangte Rechtskraft, wenn sie öffentlich 14 Tage ausgelegen hatte.
Nach Auslegung war die Liste dem Brandmeister auszuhändigen. Beim Jahreswechsel 1910/1911 lag dem Brandmeister keine Liste vor, wie eine Eintragung im Protokoll vom 4.2.1911 aussagt: Vom Kameraden Vizehauptmann Ottmers wurde zur Sprache gebracht, daß keine Mitgliederliste der Pflichtfeuerwehr, nach § 11 des Ortsstatus für die Landgemeinde Oerie, eingegangen ist. Dies ist nachzuholen.

Liste der verpflichteten Feuerwehrmänner
Liste der verpflichteten Feuerwehrmänner

Ob die erwogene stärkere Anbindung der Pflichtfeuerwehr an die freiwillige Feuerwehr jüngere Einwohner beeinflußte den Feuerwehrdienst statt in der Pflichtfeuerwehr gleich in der freiwilligen Wehr zu leisten, ist nicht zu beweisen. Tatsache ist nur, daß in den Jahren 1911 und 1912 sieben junge Männer der Wehr beitraten; im Vergleich zu 170 Einwohnern eine beachtliche Anzahl! Der Mitgliederstand erhöhte sich auf 24 aktive Kameraden.

Am 22.5.1912 überprüfte der Hauptmann die Einsatzfähigkeit der Wehr: Heute abend 7 1/2 Uhr fand eine Übung statt, welche von Herrn Kamerad H.Eicke angeordnet war ohne vorherige Bekanntmachung. Es waren aus diesem Grunde nur 17 Mann erschienen. Im Protokoll vom 21.9.1912 wird aber schon berichtet: Zu der auf heute ebend einberufenen Generalversammlung war die Wehr vollständig erschienen. Es wurde zuerst eine Übung mit der Spritze abgehalten…

Die freiwillige Feuerwehr hatte ihre Krise überwunden. Sie konnte die sich selbstgesetzte Aufgabe weiterhin ausführen, den Brandschutz in der Gemeinde mit ihren Mitgliedern auf freiwilliger Grundlage zu übernehmen.

Brandeinsätze

Bei Brandeinsätzen in der Zeit von 1902 bis 1918 stellte die Wehr ihre Einsatzfähigkeit unter Beweis. In den 16 Jahren rückte die Wehr fünfmal aus, einmal zum Einsatz im eigenen Ort und viermal in Nachbargemeinden. Nachfolgend ein Querschnitt der Einsätze, zusammengestellt aus Eintragungen in den Protokollen, aus Brandberichten an den Feuerwehrverband und Aufzeichnungen in den Jahresrechnungen.

Durch aufsteigenden Dampf wurde am 13.10.1902, um 13.30 Uhr, ein Feuer in Hüpede entdeckt. Daraufhin wurde Alarm gegeben. Um 13.36 Uhr rückte die Wehr mit der Spritze, einer Steigerleiter und 22 Mann ab.
In Hüpede brannte die Scheune des Kötners Ernst Hilliger. Das Gebäude war massiv. Das Feuer ist durch ein von Ernst Hilliger angenommenes 11 ljähriges Waisenkind angelegt. Um 13.40 Uhr trat die Oerier Wehr in Tätigkeit. Am Bache stand die Spritze der freiwilligen Feuerwehr und gab das Wasser in die Spritze der Gemeinde Hüpede.
Gesetzlicher Leiter der BrandsteIle war Brandmeister Ernst Meier. Neben der Gemeindefeuerwehr Hüpede mit einer Spritze und 60 Mann war auch die freiwillige Feuerwehr Pattensen mit der Spritze und 20 Mann anwesend. Sie ist nicht in Tätigkeit getreten.
Ungedroschene Früchte und Heu erschwerten die Bewältigung. Die Scheune brannte fast total nieder. Erst um 22.30 Uhr rückte die Oerier Wehr von der BrandsteIle ab. Vier Kameraden blieben als Spritzen- und Brandwache zurück.
Der zusätzliche Dienst für die Brand- und Spritzenwache wurde den Feuerwehrkameraden vergütet, wie ein Beschluß aus dem Jahre 1899 festlegte: Beim Ausrücken der Wehr nach einem Brand wird bestimmt: Wenn 4 Kameraden länger aufder Brandstelle verbleiben müssen , daß die Wehr zurückgekommen ist, so wird denselben ihre Mühewaltung aus der Feuerwehrkasse entschädigt (8.4.1899). Für die Brandwache erhielten die Kameraden F. Flohr und F. Hake je 0,50 M, für die Spritzenwache die Kameraden E. Kasten und H. Hake je 2 M aus der Feuerwehrkasse.
In der Versammlung vom 17.1.1903 tadelte Kamerad E. Kasten, daß der Brandwache und Spritzenwache in Hüpede nur 2 M bezahlt seien, trotzdem es früher pro Mann 3 M gewesen sind. Vom Vorstand wird in derFolge die Leistung erwogen und dementsprechend die Entschädigung eingerichtet.
Das Kommando stellte fest, daß die erhaltene Spritzenprämie von 20,82 M nicht ausreichte, die entstandenen Kosten der Wehr zu decken. Daraufhin richtete Schriftführer H. Eicke sen. nachfolgendes Schreiben an das königl. Landratsamt in Springe:

Euer Hochedelen !

An hohes Königl. Landratsamt richten wir die gehorsamste Bitte um Autscbluß, ob die in den Nachrichten für die freiwilligen Feuerwehren des Feuerwehrverbandes für die Provinz Hannover vom 24. Febr. 10 , S. 69
1. von der Vereinigten Landschaftlichen Brandkasse ausgesetzten Prämien in Höhe von 18 Pfund daselbst
2. von 4 Pf Fuhrlohn noch zu Recht bestehen oder aufgehoben sind.
(Anmerkung : Multiplikator oder Hebesatz dazu ist nicht bekannt)

Die hiesige freiwillige Feuerwehr ist am 13. Oktober des Jahres mit Spritze und 22 Mann bei dem Brande der Hilligerschen Scheune angestrengt tätig und als erste Spritze auf der Brandstelle fertig zum Wassergeben gewesen und haben der Hüpeder Spritze das Wasser gebracht. Von hohem Königlichen Landratsamt ist uns, wofür wir hiermit unsern Dank erstatten, der Betrag von 20 M und 82Pfennig übersandt; können damit unsere Kosten nicht decken und bitten um Anweisung , wie wir uns verhalten sollen.

Hochachtungsvoll
gehorsamst Freiwillige Feuerwehr Oerie

Der weitere Ablauf des Vorgangs ist nicht überliefert.

Am 11.11.1902 rückte die Wehr mit der Spritze nach Pattensen aus . Es brannte die Böttcherei von H. Garbe.
Der Brand wurde in Oerie durch den starken Dampf erkannt. Um 12 Uhr wurde die Wehr alarmiert, um 12.15 Uhr rückte die Wehr mit der Spritze und 6 Mann aus. Um 12.45 Uhr auf  der Brandstelle angekommen, brannte das Dach vom Wohnhaus und die Werkstelle der Böttcherei. Aus Pattensen war die freiwillige Feuerwehr mit ungefähr 70 Mann, die Pflichtfeuerwehr mit 100 Mann anwesend, und ebenso als gesetzlicher Leiter Bürgermeister Franke. Das spezielle Kommando über die Löscharbeit führte Brandmeister Dacken.
Die Oerier Wehr kam aus Wassermangel nicht zum Einsatz. Die Wasserverhältnisse waren schlecht, das Wasser mußte herangefahren werden. Die Wehr verließ schon um 13 Uhr die Brandstelle. Das Feuer blieb auf seinen Herd beschränkt, das Dach des Wohnhauses und die Werkstelle brannten nieder.
Obwohl die Wehr nicht zum Einsatz kam, erhielt sie 14,70 M als Spritzenprämie.

Die Wehr wurde am 9.1.1912 um 20 Uhr alarmiert, weil der Stall des Vollmeiers H. Hogrefe brannte. Um 20.12 Uhr trat die Wehr mit der Spritze in Tätigkeit, es waren 20 Feuerwehrleute anwesend, das Oberkommando führte Vizehauptmann H. Ottmers. Hauptmann Eicke kam wegen Behinderung erst später zur Brandstelle.

Der Dung und das Streustroh im Reservepferdestal1 war infolge von Fahrlässigkeit und Unvorsichtigkeit fremder Personen in Brand geraten . Im Stall standen 2 Pferde. Die Gefahr der Rauchvergiftung war vorhanden. Mit verbranntem Haar wurden die Tiere herausgebracht. Bei einem Pferde wurde vom Tierarzt ein Luftröhrenschnitt vorgenommen.

Durch die Tätigkeit mit der Spritze und weil wenig leicht brennbare Stoffe, als Stroh und Heu oberhalb lagerten , war das Feuer bald gelöscht. Um 21.15 Uhr konnte die Wehr die Brandstelle verlassen. Der am Gebäude verursachte Schaden war gering. Das Dach blieb stehen.

In der Brandbesprechung wurde der Wehr dringend zur Pflicht gemacht nicht ohne Anseilen in einen von Rauch erfülllten Raum zu gehen. Es sind dann drei Mann erforderlich, als: Einer geht hinein mit der Leine am Arm oder Gürtel und zwei Mann beobachten ihn und reißen ihn im Notfall heraus. Allein und blindlings einer so großen Gefahr für Leben und Gesundheit sich auszusetzen, ist jedem Wehrmann streng verboten.

Für das künftige Verhalten bei Alarm wurde beschlossen, daß die Steiger- und Rettungsmannschaft unverzüglich zur Brandstelle eilt, wenn ein Brand im Dorfe ausbricht. – Sie sehen nach, ob Menschen oder Tiere in Gefahr sind und helfen dort.

Als Spritzenprämie flossen 20 M in die Feuerwehrkasse.

Am 8. Januar 1915 wurde die Wehr; weil ein Brand auf dem Niemannschen Hofe in Hüpede ausgebrochen war, von Mund zu Mund alarmiert und wart äußerst schnell mit der Spritze bereit. 3/4 12 Uhr rückte die Wehr aus.

Bei Ankunft an der Brandstelle stand das Viehhaus in Flammen. Das Dach war herunter und 15 Stück Rindvieh und 6 Schweine waren bereits verbrannt. Unsere Mannschaft mit der Spritze hatte schnell eine besonders vorteilhafte Aufstellung an einem im Niemannschen Garten befindlichen Wassergraben genommen und das Feuer wurde mit großem Erfolg bekämpft. Damit wurde es möglich, das Wohnhaus und die mit fast voller Ernte gefüllte Scheune zu retten. Kamerad Vize-Hauptmann Ottmers nahm freiwillig die Rohrführung, in Rauch und Qualm gehüllt, in die Hand und ist es dem Kameraden zu danken , daß das Niemannsehe Wohnhaus unversehrt geblieben ist. Kamerad Ottmers wurde von den Kameraden Ernst Mensing und Heinrich Wesche abgelöst. Auch diese Kameraden haben mit Aufwendung aller Kräfte ihre Pflicht getan.

Zur vollen Befriedigung gereicht es der Wehr; daß unsere schöne Spritze von keiner andern anwesenden Spritze (Hüpede , Pattensen, Bennigsen mit 2 Spritzen) übertroffen wurde. Es konnten noch 3 Schläuche leihweise an die Wehr Pattensen abgegeben werden. Die Wehr wurde abends, 8 1/2 Uhr, von der Brandstelle entlassen.
(Protokoll vom 9.1.1915)

Auszug aus der 19. Kassenabrechnung der Wehr:

Einnahme:
Für die ausgezeichnete Leistung bei dem Brande auf dem Niemannschen Hofe sind uns 50 M Prämie von der Brandkasse zugesandt.

Ausgabe:
Für den Knecht, die Spritze vom Hüpeder Brande zurückzubringen: 50Pf.

In der Nacht vom 23. zum 24. August 1918 entlud sich über Hüpede ein heftiges Gewitter. Das Vorwerk des Kötners Fritz Ihsen wurde durch Blitzschlag eingeäschert. Das Wohnhaus wurde durch tatkräftiges Eingreifen der Feuerwehren aus Hüpede und Oerie gerettet. Für den Brandeinsatz erhielt die Wehr 25 M als Spritzenprämie.
Mit diesem Betrag erhöhten sich die seit der Gründung an die Wehr gezahlten Prämien auf insgesamt 150,40 M.

Die Wehr im ersten Weltkrieg

Am 1. August 1914 brach der erste Weltkrieg aus. Seine Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse der Bevölkerung beeinträchtigte auch das Vereinsleben der Wehr. Ihre wehrpflichtigen Kameraden mußten ihren Feuerwehr-Rock mit dem Waffenrock tauschen. Im Dorf blieben nur die Männer zurück, die aus gesundheitlichen Gründen wehruntauglich waren oder altersbedingt nicht mehr zum Kriegsdienst einberufen wurden.

Die Wehr mußte sich den veränderten Umständen anpassen und ihre Aktivitäten einschränken. Die üblichen Monatsversarnmlungen wurden aufgehoben. Im Jahre fanden nur noch 2 bis 3 Übungen statt. Die Jahresversarnmlung hielt man aufrecht, einziger Tagesordnungspunkt war hier Rechnungsablage. Der Mitgliederstand der Aktiven sank stetig, im letzten Kriegsjahr gehörten der aktiven Mannschaft 13 Kameraden an. Die Wehr blieb trotz des Aderlasses einsatzfähig und schlagkräftig, wie ihre erfolgreiche Brandbekämpfung der während dieser Zeit ausgebrochenen zwei Schadenfeuer bestätigt..

Zu Weihnachten 1915 und auch im Jahre 1916 sandte die Wehr Liebesgaben an die im Felde stehenden Kameraden. Die vier Kameraden bedankten sich mit einer an die Wehr gerichteten Feldpostkarte5 . Aus Saint-Quentin schrieb Landsturmmann Ernst Klaproth am 30.12.1915:

Allen Kameraden besten Dank für die gespendeten Zigarren, werde mir dieselben gut schmecken lassen. Es geht mir sonst noch gut, hoffe dasselbe auch von Euch.
Auf ein frohes Wiedersehen hoffend, grüßt Euch vielmals
Ernst Klaproth.

Feldpostkarte von 1915
Feldpostkarte von 1915

Auch Kamerad August Mensing bedankte sich für das werte Paket, er äußerte zugleich den Wunsch, hoffentlich wird der Krieg im nächsten Frühjahr ein Ende haben.
Die Erwartung hat sich nicht erfüllt! Noch drei Jahre dauerte der Krieg, er forderte weiterhin Entbehrungen und Opfer von der Bevölkerung. Sieben Männer kehrten in ihre Heimat Oerie nicht zurück, sie waren im Feindesland gefallen.

Feldpostkarte von 1916
Feldpostkarte von 1916
Rückseite der Feldpostkarte von 1916
Rückseite der Feldpostkarte von 1916

Die Wehr in der Weimarer Republik (1918 – 1933)

Führungskrise

Mit den vom Kriegsdienst heimkehrenden Männern belebte sich das Vereinsleben in der Wehr wieder. Im Jahre 1919 gehörten der Wehr 18 Kameraden an, in den nachfolgenden Jahren erhöhte sich ihre Anzahl auf 27. Die ansteigende Bevölkerungszahl von Oerie hat zu der Zunahme der Mitgliederzahl beigetragen.
Im Jahre 1925 zählte Oerie 202 Einwohner.

Über diesen Zeitabschnitt liegen nur spärliche Aufzeichnungen vor. Der langjährige Berichterstatter der Wehr, Ehrenmitglied und Schriftführer Heinrich Eicke sen., der bis zu diesem Zeitpunkt alle Vorgänge in der Wehr seit ihrer Gründung in ausführlichen Berichten für die Nachwelt niederschrieb, hatte mittlerweile altersbedingt seine Leistungsfähigkeit eingebüßt und wurde 1922 durch Kamerad Fr. Sievers ersetzt. Aus der Gründergeneration schied auch Vizehauptmann H. Ottmers aus, der 1916 seine Gastwirtschaft aufgab und nach Pattensen verzog.

Die Wehr fiihrte weiterhin (seit 1908) Hauptmann Heinr. Eicke jun (Turmstr. 12). Auf der unteren Führungsebene gab es personelle Veränderungen, hier ersetzten jüngere die älteren Kameraden aus der Gründungszeit. Zum neuen Vizehauptmann wählte die Versammlung am 6.6.1919 Kamerad Fr. Lange.

Im Jahre 1925 gab Hauptmann H. Eicke jun. die Führung der Wehr an Vizehauptmann Fr. Lange ab. Sein Nachfolger wurde der bisherige Schriftführer Fr. Sievers, dessen Amt trat Kamerad Karl Zieseniß an.

Am 8.1.1926 erklärte Hauptmann Lange, daß er sich nicht zu diesem Posten eigne und damit im Interesse der Wehr zurücktrete. Da sich die anwesenden Kameraden nicht zu einer sofortigen Neuwahl entschließen konnten, übernahm bis zur nächsten Versammlung Vizehauptmann Sievers die Führung der Wehr. Bisher war erfreulicherweise nur zweimal ein Führungswechsel in all den Jahren vorgekommen, jetzt aber befand sich die Wehr in einer Führungskrise. Gleich dreimal in einem Zeitraum von 3 Jahren wechselte die Führung. 1925, wie schon erwähnt, mit Kamerad Fr. Lange, 1926 mit Kamerad Friedrich Eicke (Turmstr. 3), der erst nach längerem Zögern die Wahl annahm und sich 1928 nicht zur Wiederwahl stellte, und am 25.1.1928 mit Kamerad Heinrich Eicke (Turmstr. 14). Mit ihm kehrte wieder die Beständigkeit in der Führung der Wehr zurück. Der Kamerad Eicke wurde in den Jahren 1931 und 1934 wiedergewählt. 1934 mit dem Unterschied, nicht als Hauptmann, sondern als Wehrführer, wie nach den politischen Umwälzungen nach 1933 die Leiter der freiwilligen Feuerwehren zunächst genannt wurden.

Kamerad H. Eicke schied vorzeitig aus seinem Amt, nicht ganz freiwillig; weil er sich aber weigerte, der NSDAP beizutreten, war er dem Zeitgeist entsprechend als Wehrführer politisch nicht mehr tragbar. Hinzu kam, daß die Wehrführer nicht mehr gewählt wurden, sie wurden von der staatlichen und politischen Führung ernannt.

                   Friedrich Lange                          Friedrich Eicke (Turmstr.3)       Heinrich Eicke (Turmstraße.14)
Friedrich Lange Friedrich Eicke (Turmstr.3) Heinrich Eicke (Turmstraße.14)

Der aufkommende Nationalsozialismus

Über die Monatsversammlungen liegen zu Anfang des Berichtzeitraumes nur einzelne Protokolle vor. Nach Eintragungen in den Jahresrechnungen (Ausgabe für Bestellungen) fanden nicht in jedem Monat Versammlungen statt. Der Zustand änderte sich nach dem Amtsantritt des Hauptmanns H. Eicke (Turmstr. 14). In den ersten Versammlungen im Jahre 1928 faßte das Korps folgende Beschlüsse bezüglich der Monatsversammlungen:

1. Die Monatsversammlungen sollen immer am Sonnabend nach dem 15. jeden Monats stattfinden.

2. Zu jeder Versammlung ist in Uniform zu erscheinen. Wer ohne triftigen Grund (fernbleibt) und ohne Uniform zur Versammlung erscheint, bezahlt 25 Pf Strafe.

3. Als Stimmzähler wurden H.Mensing und Fr. Hogrefe welche die Strafgelder einziehen sollen. Ein Blechkasten zum Einsammeln der Gelder ist vorhanden. Beim Erheben des Beitrags sollen zugleich die Strafgelder erhoben werden.

4. Mitglieder, welche vor der Beendigung der Versammlung Karten spielen, oder sonstwie stören, bezahlen 1 RM Strafe in die Kasse.

Erwartungen, daß die Ankündigung von Strafgeldern zu einem regeren Besuch der Mitglieder zur Versammlung führen würden, erfüllten sich nicht, auch dann nicht, als in der nächsten Jahresversammlung 1929 die Strafbestimmungen verschärft wurden: Durch Stimmzettel wurde beschlossen, daß die Strafgelder für das Fehlen bei der Monatsversammlung von 25 auf 50 Pf erhöht werden. Aufschlußreich und gleichzeitig als Erklärung für die nächsten Schritte bezüglich der Monatsversammlungen ist eine Eintragung aus dem Protokoll vom 5.10.1929: Dem Antrage von Kamerad H.Behnke, von denjenigen Monatsversammlungen, an denen er Parteiversammlungen hat, befreit zu werden, wurde stattgegeben.

Beeinflußt durch die heraufziehende außergewöhnliche wirtschaftliche Notlage, bahnten sich in jenen Jahren große politische Umwälzungen an, die auch das Vereinsleben und den Dienstbetrieb der Wehr beeinträchtigen sollten, wie schon der obige Antrag des Kameraden Behnke belegt.

In unserem Raum fand die Sturmabteilung (SA) der Nationalsozialisten durch ihre Uniform (Braunhemd, Koppelzeug, Schaftstiefel) und ihr straffes und forsches Auftreten Aufsehen und Anklang bei den jungen Männern. Auch Mitglieder der Wehr traten der SA bei. Bei ihnen hatte der Dienst in der Partei ganz im Sinne des Zeitgeistes, oft Vorrang vor dem Dienst in der Wehr. Die Wehr befand sich in einer Zwickmühle ! Die Nichtteilnahme an der Monatsversamrnlung konnte bei einem Parteilosen zur Zahlung eines Strafgeldes führen, während der Parteiangehörige, der am gleichen Tag die Versammlung der Partei vorzog, straffrei blieb. Ein Problem!

Es wurde durch den Beschluß vom 25.1.1930 gelöst in der Weise, daß die Strafgelder für verfehlte Monatsversammlungen in Zukunft wegfallen. Auf einer späteren Versammlung wurde der Antrag angenommen, zu den Monatsversammlungen ohne Uniform zu erscheinen.

Die Führung bemühte sich, die Versammlungen attraktiver zu gestalten. Man schaffte Liederbücher an. In den Protokollen wird als Notiz aufgenommen: Es wurden Lieder gesungen. Am 3.8.1929 hielt die Wehr eine Zusammenkunft im Walde ab, dazu wurde ein Faß Bier aufgelegt. Die Aktivitäten zeigten nicht den erhofften Erfolg. In der Jahresversammlung am 16.1.1931 tadelte der Hauptmann den schlechten Besuch.

Das Kommando schlug einen anderen Weg ein, um die Mitglieder stärker zu binden. Um eine regere Beteiligung bei den Monatsversammlungen zu erwirken, bekommt jeder Kamerad, der dazu erscheint, zwei Becher Bier aus der Kasse bezahlt, heißt es im Protokoll vom 20.5.1933. In den 13 folgenden Mo-natsversammlungen nahmen von den 21 aktiven Kameraden durchschnittlich 14 teil. Die getroffene Regelung belastete die Feuerwehrkasse – ein Becher Bier kostete damals 20 Pf – mit 76,40 RM bei einem jährlichen Beitragsaufkommen von 63 RM. Es war nur eine Frage der Zeit, wie lange die Kasse diese starke Belastung durchhielt!

Die Frage löste sich von selbst, aber auf einer anderen Ebene. Aus den Eintragungen der nächsten Zeit ist zu erkennen, wie nationalistisches Gedankengut auch in die Wehr eindringt. Am 20.1.1934 wurde in der Versammlung über den deutschen Gruß in der Wehr gesprochen, über Inhalt und Ergebnis des Gespräches wird nicht berichtet. Mit Datum vom 6.4.1935 ist im Protokoll aufgezeichnet: Die bisherigen Monatsversammlungen werden aufgehoben. Und im vorhergehenden Tagesordnungspunkt hatten die Mitglieder noch beschlossen: Das Freibierfür einen Kameraden in der Monatsversammlung wird aufgehoben.

Über den Tagesordnungspunkt Aufhebung der Monatsversammlung hatten die Mitglieder nicht mehr zu entscheiden. Nach den politischen Umwälzungen 1933 bekam (nicht: gab sich) die Wehr eine neue Satzung mit geänderten Zielsetzungen und geänderten Organisationsformen. Ihre Bestimmungen beschnitten die Rechte der einzelnen Mitglieder. Wesentliche Befugnisse wie auch wichtige Entscheidungen, die bisher die Mitglieder in den Monatsversammlungen berieten und entschieden, wurden anderen Organen übertragen.

Die Feuerwehrkasse übersteht die Inflation

Ab 1922 lag die Kassenführung der Wehr in den Händen des Kameraden Fritz Engelke, dem neuen Besitzer der Vereinsgaststätte. Er übernahm die Kassengeschäfte zu einer Zeit, in der das Geld mit jedem Jahr, jedem Monat und zuletzt jedem Tag wertloser wurde. Der Preis für ein Brot, das 1913 noch -,54 M kostete, stieg im Jahre 1921 auf 5,25 M und 1922 sogar auf 210,- M an. Die steigenden Preise erforderten auch eine Angleichung des Mitgliederbeitrages der Wehr an die Geldentwertung, 1922 erhöhte sich der Beitrag auf 6 M, 1923 auf 12M.
Einen Einblick in diese „turbulente Zeit“ geben die Jahresrechnungen 1922 und 1923.

Zu Beginn des nächsten Jahres, im Januar 1923, kostete das Brot bereits 400 M, damit hätte der Kassenbestand die Hälfte seines Wertes verloren, wenn der Kassenführer nicht einen Ausweg gefunden hätte. Er richtete eine „schwarze Kasse“ ein. In ihrem Kassenbestand trat an Stelle des gesetzlichen Zahlungsmittel „Mark“ die damals begehrte Ware „Weizen“. Alle Einnahmen in „Mark“ legte er gleich nach Erhalt in „Weizen“ an. Wenn Ausgaben zu tätigen waren, verkaufte er „Weizen“. So ist auch die geringe Ausgabenseite der Jahresrechnung 1922 zu erklären.

Mit der „schwarzen Kasse“ blieb die Feuerwehrkasse vom Tempo und vom Ausmaß der Geldentwertung verschont. Im September kostete ein Brot 8 Millionen, im November 540 Milliarden Mark.
Ende des Jahres 1923 wurde als Zwischenwährung die Rentenmark im Verhältnis 1 : 1 Billion eingeführt. Die Riesenzahlen verschwanden, an ihre Stelle traten sehr kleine Zahlengruppen, wie auch die Jahresrechnung 1923 belegt.

Jahresabschluss 1923

Aus der Rechnung ist zu entnehmen, daß ein Teil des Bestandes aus der „schwarzen Kasse“ wieder in Geld umgetauscht wurde.

Im Jahre 1924 kam die Währungsreform, die Rentenmark wurde durch die Reichsmark ersetzt. Mit der Reform war der Sparer der guten alten Mark zunächst seine sauer erworbenen Ersparnisse los. Nicht so die Wehr! Der Kassenführer verkaufte seinen Restbestand an Weizen und erhielt den erzielten Preis in Reichsmark. Den Betrag von rund 50 RM zahlte er auf das Sparbuch ein!
Die Lage auf dem Geldmarkt stabilisierte sich wieder. Ab 1.7.1924 wurde der Mitgliedsbeitrag der Wehr auf 2 RM festgesetzt, im Jahre 1928 erhöhte er sich auf 3 RM.

Aktive -, passive -,Ehren-Mitgliedschaft

Die Wehr ehrte Mitglieder, die sich besondere Verdienste um die Oerier Wehr erworben hatten . So 1905 wie schon erwähnt – den damaligen Schriftführer Heinrich Eicke sen., der zum ersten Ehrenmitglied der Wehr ernannt wurde .
Nach zwanzig Jahren, am 3.10.1925 beschloß die Versammlung, alle Mitglieder, die bereits 25 Jahre in der Wehr tätig waren, zu Ehrenmitgliedern zu berufen .Diejenigen Ehrenmitglieder, die älter als 55 Jahre waren, wurden von der Beitragszahlung befreit. Im Jahre 1928 erweiterte die Versammlung den Beschluß dahingehend, daß für die Ehrenmitglieder Verdienstorden für 25jährige treue Dienstzeit besorgt werden sollen. Am 24.1.1934 beschloß die Versammlung, Kameraden mit zehnjähriger Dienstzeit mit Ehrenzeichen in Form von Sternen auszuzeichnen. Das änderte sich in den folgenden Jahren; Sterne mit Dienstgradabzeichen konnten nur Kameraden tragen, die einen Lehrgang erfolgreich besucht hatten und befördert worden waren.

Ehrenmitglieder wurden 1925 die Kameraden Fr. Eicke sen., Friedr. Eicke jun., Fr. Sievers , Fr. Flohr, Fr. Mensing, H. Hake, H. Wildhagen, Fr. Kasten, Fr. Hogrefe.

Von H. Eicke sen. 1928 gestifteter
Feuerwehrstempel
Von H. Eicke sen. 1928 gestifteter Feuerwehrstempel

Zur persönlichen Jubiläumsfeier und auch zur Hochzeit eines Kameraden überbrachte eine Abordnung der Wehr Präsente; als Präsente werden Silberschoppen, Sessel, ein halbes Dutzend silberne Löffel angegeben. Im Protokoll vom 17.3.1932wird ausführlich über eine Feier berichtet:

Zu der heute abendangesetzten Versammlung in Uniform zwecks Feier der Silberhochzeit des Kameraden E. Klaproth waren sämtliche Kameraden erschienen.

Die uniformierten Kameraden begaben sich zum Hause des Jubilars, um demselben die herzlichsten Glücks- und Segenswünsche zu übermitteln. Gleichzeitig wurde als Geschenk ein Korbsessel überreicht. 
Sodann fand ein gemütliches Vesper bei K. Engelke statt in dessen Verlauf Kamerad A. Ihsen die treue Kameradschaft zur Wehr hervorhob . Kamerad H. Hengstmann brachte sodann ein Hoch auf den Jubilar aus und bedankte sich im Namen der Wehr für das gespendete Vesper des Kameraden E. Klaproth. 
Bis spät in die Nacht waren noch einige Unermüdliche mit dem Löschen des Brandes beschäftigt.

Wenn es eines Beweises für die Notwendigkeit einer freiwilligen Feuerwehr in Oerie bedurfte, so war es der verheerende Großbrand im Jahre 1922 im Dorfe.
ln diesen Tagen wurde es der Bevölkerung noch bewußter , welche Bedeutung ein gut organisierter und schlagkräftiger Brandschutz für die Sicherheit ihrer Gemeinde zukam.
Das erkannten auch 4 Mitbürger. Sie stellten den Antrag, als passives Mitglied in die freiwillige Feuerwehr aufgenommen zu werden, um sie finanziell zu unterstützen. Die Versammlung billigte es am 20.3.1923. Der Entschluß der vier Männer dürfte als Grundstein für die heutige Abteilung fördernder Mitglieder anzusehen sein.

Am 7.4.1927 meldet der Schriftführer auf Anforderung die Anzahl der Mitglieder an den Feuerwehrverband Springe: Unsere Wehr besteht aus22 aktiven und 5 passiven Mitgliedern.

Nach wie vor stimmte die Versammlung über die Aufnahme eines neuen Mitgliedes ab, wie Eintragungen in den Protokollen bestätigen:

Mit der Aufnahme des H. Meier soll wegen Mangel an Röcken noch gewartet werden.
(16.6.1928)

Neu aufgenommen wurden die Kameraden Heinr. Thorns , Friedr. Klaproth, Heinr. Ihsen. Wilhelm Flohr kann auch in die Wehr eintreten, bekommt aber wegen seinerJugend keinen neuen Rock. Für die Aufnahme von Adolf Arndt und Aug. Lampe waren 5, gegen die Aufnahme 9 Stimmen, 1 Stimme war ungültig. 
(24.6.1932)

Stiftungs-und Verbandsfeste

Über gesellschaftliche Veranstaltungen der Wehr in den frühen zwanziger Jahren liegen fast keine schriftlichen Angaben vor, abgesehen von einem Buchungsposten in der Jahresrechnung 1920 für Trinkgeld an die beiden Fahrer bei der Waldtour. Die anhaltende Inflation ließ keine weitgehenden Planungen zu.

Über das kommende 25jährige Stiftungsfest wurde in der Versammlung vom 7.1.1922 gesprochen, es kam aber nicht zum Entschlusse. Im nächsten Jahr entschied sich die Versammlung durch Abstimmung mit 9 Stimmen für einen Ball , 6 für ein Vesper. Zu Beginn des Jahres 1925 konnte man sich nicht einigen, ob ein Winter- oder Sommerfest stattfinden sollte.

Im Januar 1926 wird über ein Schützenfest berichtet. Ob es sich um ein Dorffest handelte, ist heute nicht mehr nachweisbar. Im Protokoll ist nur überliefert, daß am 2.5.1926 ein Schützenfest stattfindet, welches die Feuerwehr übernehmen wird. Für die Festzelte wurden 350 RM, für die Musik 250 RM bezahlt, am Ende verblieb ein Überschuß von 116 RM in der Kasse.

Ein Sommerfest im Jahre 1927 erbrachte ein Überschuß von 30 RM.

Am 28.1.1928 stand ein Ausflug und ein Feuerwehrtag oder Schützenfest zur Debatte. Man entschied sich für einen Ausflug, faßte aber vorher noch den Beschluß: Für einen Ausflug der freiwilligen Feuerwehr soll durch Knobeln gesammelt werden. Der Ausflug führte die Wehr mit ihren Damen nach der Holzmühle.

Der Feuerwehrverband für den Kreis Springe hielt nach seiner Gründung 1924 alljährlich einen ordentlichen Kreisfeuerwehr-Verbandstag ab. Für einen Tagungsort konnten sich die dem Verband angehörenden freiwilligen Feuerwehren bewerben; sie verbanden den Feuerwehrtag zumeist mit Stiftungsfesten ihrer Wehren. Den endgültigen Tagungsort legte der Gesamtvorstand des Verbandes fest, der sich aus dem geschäftsführenden Vorstand und den ersten Führern der einzelnen Wehren zusammensetzte.

Die Oerier Wehr nahm an Feuerwehrtagen mit 2 Delegierten und an Feuerwehrfesten mit Abordnungen (oft begleitet von ihren Frauen) teil. Die Versammlung vom 3.10.1925 legte fest, den Delegierten die Fahrt zu vergüten und 1,50 M als Zehrgeld zu geben.

Wie die Motorisierung der Verkehrsmittel in jenen Jahren fortschritt, ist an den Fahrzeugen zu erkennen, mit denen die Wehr zu den Tagungsorten anreiste. Zu den Verbandsfesten nach Rössing (1928) und Eldagsen (1930) benutzte man Pferdegespanne und geschmückte Ackerwagen. Bad Münder (1927) und Altenhagen I (1929) erreichte man mit der Eisenbahn ab Bennigsen. Nach dem weiter entfernten Pohle im Sünteltal (1933) fuhren die beiden Delegierten mit dem Motorrad. Die Wehr folgte auch Einladungen zu Feuerwehrfesten. Nach Harkenbleck (1927) fuhr man mit dem Fahrrade, nach Hiddestorf (1929) mit dem Autobus, nach Schliekum (1932) mit dem Auto. In der Jahresrechnung 1932 ist kurz vermerkt: Ausgaben fürAuto 20 RM.

Der Vollständigkeit wegen sei noch erwähnt, daß die Wehr in diesem Zeitabschnitt an den Feuerwehrfesten in Völksen (1925), Wülfingen (1926), Holtensen (1926, 1929), Schliekum (1927), Linderte (1927) und Lüdersen (1928) teilnahm.

Technische Entwicklung

Am 6.6.1919 fand eine gemeinsame Übung mit der Gemeindepflichtfeuerwehr statt. Bei dieser Übung fehlte niemand unentschuldigt. Das nachfolgende, gemütliche Beisammensein; verlief echt kameradschaftlich, stellt der Protokollführer fest.

Bei der vorangegangenen Spritzenprobe ergab sich folgendes Bild:

Mehrere alte, defekte Schläuche sind bei Tidow in Badenstedt nachgesehen und halten, weil es an gutem Flickmaterial fehlt und die Trockenheit einen hohen Grad erreicht hat, auch jetzt noch nicht. Die Kraft der Spritze war; weil der Wasserstand im Notbrunnen sehr tiefgesunken, –das Saugrohr das Gewicht nicht halten konnte – mehrfach abgeschwächt.

Beim Brande der Hogrefeschen Wirtschaftsräume 1920 war aus dieser Ursache die Spritze nicht zum Wassergeben zu bringen. Darauf beschloß die Versammlung, dahin zu streben, daß die Oerier Spritze von der Tidowschen Spritzenfabrik in Badenstedt repariert und in gebrauchsfähigen Zustand gebracht wird.
Nach einem erneuten Brande 1922 enthält das Protokoll wieder eine Eintragung bezüglich der Spritze: Die Oerier Spritze erlitt durch das scharfe Angreifen der ganzen Tage kleine Verletzungen, es wurde beschlossen, das dieselbe nachgesehen werden soll. Aus den nächsten Jahren liegen keine Aufzeichnungen über die Spritze vor. 1925 wird beschlossen, 2 neue Manschetten für die Spritze anzuschaffen. Nach einer Übung am 19.4.1930 hob der Brandmeister das tadellose Funktionieren der Spritze hervor.

Bei anhaltender Trockenheit wurde das Löschwasser knapp, das zeigte sich besonders beim Brande im Jahre 1920. Um die Löschwasserversorgung in Zukunft zu verbessern, stellt Heinrich Mensing seinen sehr ergiebigen alten Brunnen zur Verfügung unter der Bedingung, daß er von der Gemeinde gereinigt wird . Dies soll geschehen und die Feuerwehr übernimmt die Leitung dieser Arbeiten (1922). In den folgenden Jahren baute man einen neuen, tieferen Schacht-Brunnen auf dem Gemeindeplatz. Am 4.10.1928 heißt es im Protokoll: An dem neuen Gemeindebrunnen so11 eine Spritzenübung stattfinden.

Wie schon in dem vorherigen Berichtszeitraum erwähnt, benutzte die Wehr zum Trocknen und Aufbewahren der Schläuche einen Trockenpfahl. Am 7.10.1928 sprach man erneut über einen neuen Trockenpfahl. Man begnügte sich jedoch damit, das untere Ende des Pfahls einzubetonieren, um ihn wieder haltbarer zu machen. In einem späteren Bericht vom 18.1.1932 wird von einer anderen Lösung berichtet. Die Schlauchtrockenvorrichtung wurde unter einem Dachüberstand der Hogrefeschen Scheune untergebracht und für vollständig ausreichend gehalten.

Mit dem Einzug der Elektrizität in die Dörfer kam mit der „Unschädlichmachung der elektrischen Zuleitungen“ eine zusätzliche Aufgabe bei der Brandbekämpfung auf die Feuerwehr zu. Es ist zu gefährlich die Drähte, auch mit isolierten Zangen, abzuschneiden. Am zweckmäßigsten wäre es, wenn in jedem Orte 2 Schlüssel zum Transfonnatorenhaus vorhanden wären, damit bei Feuer der Strom sofort abgestellt werden könnte. Nachdem solches geschehen, sei der Draht abzuschneiden und der Strom alsdann wieder anzustellen, hieß es in einer Empfehlung des Verbandes aus dem Jahre 1928.

In der Versammlung vom 21.7.1928 verliest der Hauptmann das Schreiben vom Landrat wegen Ausbildung von Feuerwehrelektrikem. Die Versammlung wählt dazu die Kameraden H. Hake und K. Zieseniß. Die Kosten der Ausbildung wurden von den Überlandwerken der Straßenbahn AG übernommen, die Kosten für Fahrten und Verdienstausfall trug die Gemeindekasse.

Hier kündigte sich an, daß mit der ständigen fortschreitenden Technisierung und Industrialisierung sich das Tätigkeitsfeld der Feuerwehr erweiterte. Es mußte stets den wachsenden Aufgaben und Anforderungen angepaßt werden. Um eine erfolgreiche Brandbekämpfung weiterhin zu gewährleisten, kam neben der praktischen und wirklichkeitsnahen Übung am Objekt als zusätzliche Aufgabe des Feuerwehrdienstes ein Aneignen von einem umfangreichen theoretischen Fachwissen hinzu . Die Oerier Wehr stellte sich am Ende der zwanziger Jahre auf die neue Entwicklung ein:

Am 1.3.1927 wurde über eine Kleinmotorspritze. welche in Pattensen vorgeführt wurde, gesprochen.

Auf ein Schreiben vom Provinzialverband sollen eine Übungsordnung (6.1.26), bei Heine-Cottbus ein Feuerwehr-Taschenkalender bestellt werden (4.10.1928).

In der Haushaltsrechnung werden 20,15 RM für Feuerwehrbücher ausgewiesen. Zu dem am 7. Oktoberd. J. in Pattensen stattfindenden Filmvortrag nehmen 12 Kameraden teil. Die Wehr marschiert geschlossen in Uniform  1/2 8 Uhr vom Vereinslokal ab und kommt mit dem Autobus zurück. Ein Vertreter der Landschaftlichen Brandkasse führte den Film Landwirts schütze Dein Eigentum vor.

Es werden 2 Exemplare der Hannoverschen Feuerwehrzeitung bestellt (20.7.1929). Die Verbandszeitung, welche eine unendliche Fülle Belehrendes bietet, muß daher nicht nur vom Kommando, sondern auch sämtlichen Mitgliedern zugänglich gemacht werden, heißt es in einem Schreiben des Verbandes. Die Versammlung beschloß, daß ein Exemplar der jeweilige Hauptmann erhalten soll , das andere soll bei Kamerad Engelke ausliegen.

Wenn Angebote vorlagen, wurden die Kameraden in den Monatsversammlungen von den Anpreisungen zum Feuerschutz verschiedener Firmen unterrichtet. Nach einer Aussprache kam man meist zu dem Ergebnis:…kommt für uns nicht in Frage.

Am 23.1.1932 wurde in der Versammlung über die Anschaffung neuer Feuerwehrröcke gesprochen. Inzwischen waren 36 Jahre vergangen seit die Wehr ihre ersten Röcke erhielt. Ob es in der Zwischenzeit schon einmal andere, neue Röcke gegeben hatte, ist aus den Aufzeichnungen nicht zu entnehmen. Die Versammlung entschied sich am 24.6.1932 für eine Neuanschaffung; im Protokoll heißt es dazu: Zunächst war man allgemein der Meinung, daß blauer Stoff und helle Knöpfe zu den neuen Röcken verwendet wird, außerdem ist es auch Vorschrift des Verbandes. Ein Wandel seit 1896 – damals wählte die Wehr die Farbe ihrer Uniform noch selbst aus. Die Eintragung im obigen Protokoll endet mit dem Satz: Es wurde sodann mit Schneidermeister Kamerad Klaproth über die Machart gesprochen.

Kamerad Fritz Klaproth, der als junger Geselle mit seinem Vater die Röcke anfertigte, beschreibt heute, 1995, die Form so: Blau, einreihig, durchgeknöpft bis zum Hals mit geschlossenem Umfallkragen und Schulterstücken, Ärmel ohne Umschlag mit roter Paspelierung und blanken Zierknöpfen.

Am 20.5.1933 erschienen die Kameraden mit den neuen Uniformen zur Monatsversammlung. In diesem Zusammenhang sind 2 Beschlüsse erwähnenswert:

Bei den Monatsversammlungen sollen die Kameraden mit den neuen Röcken erscheinen, damit sie nicht von Motten zerfressen werden. (24.6.32)

Kamerad Fr. Flohr ist Ehrenmitglied, will sich aber aktiv beteiligen. Zu dem Zwecke bekommt derselbe einen neuen Rock.
(20.5.1933)

Brandeinsätze

Im Berichtszeitraum zwischen den beiden Weltkriegen rückte die Oerier Wehr zu 5 Bränden aus.

Im Herbst 1920 brach bei dem Vollmeier Friedrich Hogrefe morgens um 8 Uhr ein größeres Schadenfeuer in den mit der ganzen Heuernte und gedroschenem Stroh gefüllten Wirtschaftsräumen aus. Das Feuer griff auf einen Wohnhausanbau über und gefährdete das Wohnhaus. Diese Räume waren massiv gebaut und mit Brandmauern versehen. Nur eine erfüllte ihren vollen Zweck, die Mauerwand, die den Anbau von dem Wohnhaus trennte.
Es herrschte Wassermangel, der Wasserstand im Brunnen war bei anhaltender Trockenheit so tief gesunken, daß das Saugrohr das Gewicht nicht mehr halten konnte. Hinzu kam ein Defekt am Saugwerk. Die Spritze war nicht zum Wasser-geben zu bringen. Daraufhin mußte das Wasser mit Tonnen angefahren werden.Der Wassermangel zwang die Wehr, sich darauf zu beschränken, das Wohnhaus zu schützen und die Brandmauer feucht zu halten und so ein Übergreifen des Feuers zu verhindern. Vorsorglich wurden die an der Brandmauer angrenzenden Wohnräume geräumt.

Trotz selbstlosen Einsatzes der Oerier Wehr, die aus den angegebenen Gründen nicht genügend Löschwasser zur Verfügung hatte, konnte das Feuer erst durch die Hilfe der Pattenser Wehr unter Kontrolle gebracht werden. Nun kam die Spritze von Pattensen, die aus dem räumlich großen Hogrefeschen Brunnen, weil sie im Saugkorbe ein Kugelventil hatte , das Wasser hob und gute Wirkung tat.

Am 13.10.1922, um 15.30 Uhr, brach erneut, diesmal durch Brandstiftung, ein Schadensfeuer auf dem Hofe des Vollmeiers Friedrich Hogrefe aus. Es brannte die mit voller Ernte gefüllte Scheune. Die Spritze aus Oerie war sofort zur Stelle, ebenso die aus Hüpede. Beide Wehren konnten nicht verhindern, daß das Feuer sich zu einem Großbrand ausbreitete. Durch Funkenflug griffen die flammen um 16 Uhr auf das Nachbargrundstück des Kötners Heinrich Mensing über. Das Reetdach seines Hauses stand sofort in Flammen. Durch Telefonanruf wurde die Pattenser Wehr zur nachbarlichen Hilfe gerufen. Nach kurzer Zeit war sie in voller Tätigkeit und es gelang, das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Die Scheune des Vollmeiers und das Wohnhaus nebst Stallungen des Kötners waren niedergebrannt.

Die Glut muß immer wieder aufgeflackert sein, wie die Protokolleintragung, die Spritze hat in den ganzen Tagen Verletzungen erlitten, vermuten läßt. Verursacher des Großbrandes war ein Knecht des Vollmeiers; er wurde sofort verhaftet und ins Gefängnis der Veste Calenberg eingeliefert, dort erhängte er sich.

Die Wehr Pattensen bekam von den Versicherungen für die geleistete Löschhilfe eine Gratifikation von 1000 M. Vollmeier Hogrefe übergab der Oerier Wehr in dankbarer Würdigung ihres Einsatzes eine Spende von 10 000 M.

Anfang August 1927 wurde die Wehr zur Löschhilfe nach Vardegötzen gerufen. Dort brannte das Gehöft des Landwirts Wichmann.
Der Landwirt drosch auf der Diele seines Hauses Roggen aus. Das Stroh kam zunächst auf den Hof, wurde dort zu Garben gebunden und auf dem Hausboden gelagert. Während des Dreschens steckte ein zwölfjähriges Mädchen das Stroh auf dem Hof an. Die Flammen breiteten sich sofort aus, ergriffen das Haus mit den Wohnräumen und Stallungen. Trotz Einsatzes der Vardegötzer Wehr und der Löschhilfe der benachbarten Wehren aus Schulenburg, Jeinsen und Oerie brannte das Haus bis auf die Grundmauern nieder. Die Oerier Wehr bekam eine Löschprämie von 20 RM ausgezahlt.

Unvorsichtigkeit führte im Januar 1929 zu einem Schwelbrand im Hause des Mieters Baxmann. Um sein Vieh vor der herrschenden Kälte zu schützen, hatte er in einer Grube im Stall Holzkohle verglühen lassen. Die glühende Kohle sollte den Stall erwärmen. Die Glut schwelte einen Balken an und erreichte so das im Stall dicht zusammengepreßte Heu. Dicke Rauchschwaden stiegen nach oben. Die Wehr war sogleich zur Stelle, konnte die Glut aber nur bedingt mit der Spritze bekämpfen, weil das Löschwasser bei der großen Kälte in den Schläuchen gefror. Es gelang dennoch, den Schwelbrand zu ersticken. So blieb der Schaden gering, die Wehr erhielt eine Löschprämie von 20 RM.

Im Oktober 1929 wurde die Wehr erneut zur Löschhilfe gerufen. Am 4.10.1929 brannten die Wirtschaftsgebäude des Bäckermeisters Karl Flebbe. Das Feuer entstand durch einen Schornsteinbrand, die genaue Brandursache konnte nicht festgestellt werden. Die Wehren aus Hüpede und Oerie hatten das Feuer sogleich unter Kontrolle, es entstand kein großer Brandschaden. Der Bäckereibetrieb konnte ohne Unterbrechung weiterarbeiten. Die Oerier Wehr bekam wieder eine Löschprämie von 20 RM ausgezahlt.

Über die Brandbesprechung wird im Protokoll berichtet:

Es wurde vom Hauptmann das frühe Abrücken ohne genügend Feuerwehrleute gerügt. Die Spritze solle in Zukunft ohne Hauptmann oder Vize-Hauptmann mit einigen Kameraden nicht abfahren.
Die Schläuche vom Haspel wickeln ab die Kameraden H. Brackmann und Otto Landherr. Den Schraubenschlüssel für die Schläuche haben die Kameraden F. Engelke und E. Klaproth.

Die „schöne Spritze von Anno 1896“ kam hier zum letzten Male bei eine Brandbekämpfung zum Einsatz. 14 mal rückte die Wehr mit ihr aus, davon viermal zu Bränden im eigenen Ort, zehnmnal zur nachbarlichen Löschhilfe nach auswärts.

OerierFeuerwehrspritze
(Federzeichnung vonHorstPieper, Pattensen 1996)
Oerier Feuerwehrspritze
(Federzeichnung von HorstPieper, Pattensen 1996)

Das „einstige Prunkstück der Oerier Wehr“ hat die Zeit nicht überdauert, es ist nicht erhalten geblieben.

Die Freiwillige Feuerwehr Oerie – eine technische Hilfstruppe der Polizei (1933 – 1945)

Die Wehr im Dritten Reich

Nach der Übernahme der Macht änderten die Nationalsozialisten durch Gesetz vom 15.12.1933 das Feuerlöschwesen. Wesentliche Änderungsmerkmale ergaben sich durch Einführung des Führerprinzips. Entsprechend dem Gesetz bekam die Wehr eine neue Satzung. Die Originalfassung liegt in Oerie nicht mehr vor. Einen Hinweis auf diese Satzung gibt nur ein Vermerk aus dem Protokoll vom 19.5.1934, daß 30 Exemplare der neuen Satzung angeschafft werden sollen.

Aus anderen Quellen ist zu entnehmen, was als Aufgabe der Wehren bestimmt wurde:
a) Abwendung von Feuersgefahren
b) Schulung und Ausbildung zu Einheitsfeuerwehrmännern
c) nationalsozialistische Schulung
d) körperliche Ertüchtigung
e) theoretische Schulung

Als Organe der Wehr werden aufgeführt:
a) Der Wehrführer
b) Der Führerrat
c) Die Mitgliederversammlung

Die Wehr wird nach dem Führerprinzip geleitet. Dem Führerrat gehören der Wehrführer als Vorsitzender, sein Stellvertreter, der Schrift- und der Kassenwart, der Gerätewart und der Führer des Löschzuges an.

Der Wehrführer, der Löschzugführer und der Halbzugführer werden im Einvernehmen mit dem Ortspolizeiverwalter und dem Kreisfeuerwehrführer vom Provinzial-Feuerwehrführer aus den Reihen der Mitglieder der Wehr ernannt (also nicht von den Mitgliedern gewählt). Der Führerrat hat einen Dienstplan und eine Dienstvorschrift für die Wehr aufzustellen, diese müssen vom Kreiswehrführer genehmigt werden. Die Mitglieder beschließen lediglich über die Angelegenheiten der Wehr , deren Beschlußfassung nicht anderen Organen übertragen wird.

In dem Führerbefehl Nr. 1 vom 15.2.1934 des Führers des Provinzial-Verbandes wird bestimmt:

Die neue Satzung der freiwilligen Feuerwehren ist durch Wehrbeschluß sofort anzunehmen. Eine Eintragung der Wehr ist beim zuständigen Amtsgericht zu veranlassen.

Mit dem 1933 erlassenen Gesetz hatten die Nationalsozialisten ihre Zielvorstellungen über die Feuerlöschorganisation erst annähernd verwirklicht. Ihr erklärtes Ziel, die Feuerwehr unter staatliche Aufsicht zu stellen, wurde erst mit dem Gesetz vom 23.11.1938 erreicht.

Dienstsiegel der
Feuerlöschpolizei Oerie
Dienstsiegel der Feuerlöschpolizei Oerie – Der Helm trug ein Hakenkreuz, das nach dem Kriege aus dem Stempel entfernt wurde .

Die bisherige Einteilung der Feuerwehr in die Sparten freiwillige Feuerwehr und Pflichtfeuerwehr wurden ebenso wie ihre übergebietlichen Verbände aufgehoben. An Stelle der Vereine tritt eine nach Löscheinheiten reichseinheitlich gegliederte Hilfspolizeitruppe, deren Organisation der Reichsminister des Inneren bestimmt.

Das Gesetz reglementierte das gesamte Feuerlöschwesen im Reich . In zahlreichen Runderlassen und Durchführungsverordnungen wurden nicht nur die organisatorischen und personellen Angelegenheiten geregelt, sondern auch Anordnungen u.a. über den Bau der Feuerwehrfahrzeuge, Feuerschutz der Ernte, Führung der Feuerwehrkasse und Erlasse über das Rauchverbot für Uniformträger auf Straßen u.v.m.. Bis Sept. 1941 hatte das Gesetz einschließlich der Runderlasse, der Anordnungen und der Kommentare einen Umfang von 612 Seiten angenommen.

Mit der Wiedergabe der folgenden Paragrafen soll versucht werden, den damaligen Zeitgeist zu verdeutlichen:

Der freiwillige Dienst in dieser Hilfspolizei ist ein ehrenvoller, opferbereiter Einsatz für die deutsche Volksgemeinschaft.

Bei der Aufnahme leistet der Feuerwehrmann in feierlicher Form vor versammelter Wehr auf den Führer den folgenden Eid:

Ich schwöre: Ich will den Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, die Treue wahren , ihm und meinen von ihm bestellten Vorgesetzten Gehorsam leisten und meine Dienstpflichten pünktlich und gewissenhaft erfüllen.

Weiterhin aufschlußreich für die Zeit sind einzelne Auszüge aus den nur noch spärlich vorliegenden Unterlagen der Oerier Wehr, hier chronologisch geordnet:

An der Veranstaltung in Pattensen zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ nimmt die Wehr teil.
(1.5.1934)

Zu der Übung war die Pflichtfeuerwehr anwesend. 
(19.5.1934 )

Nach den ministeriellen Bestimmungen führt ab sofort der Wehrführer die Amtsbezeichnung Brandmeister, sein Stellvertreter und der Führer des Löschzuges Löschmeister, der Schriftführer und der Kassenwart Oberfeuerwehrmann. Dieselben bekamen Achselstücke mit Sternen. 
(16.6.1934)

Es werden vorschriftsmäßige Koppel ausgegeben. 
(8.5.1935)

Die Uniformen mußten denen der Einheitsfeuerwehrmänner angepaßt werden. Alle Kameraden bekamen Achselstücke und Kragenspiegel. An Stelle der breiten Gurte mußten lederne Koppel mit Koppelschloß getragen werden.

Am 1 . Feuerwehr- Werbetag in Jeinsen nehmen 20 Kameraden teil.
(23.6.1935)
Es findet eine Großübung in Schulenburg statt . Aus Oerie fahren 6 Kameraden hin.
(7.6.1936)

Aus den Jahresrechnungen ist noch zu entnehmen:

1935 Spende für die Winterhilfe
1937 Anschaffung von Exerzierbüchem
1939 Kranz für Heldengedenktag

Betreff Exerzierbücher ist noch anzumerken, daß zu jener Zeit das Marschieren und Exerzieren in Kolonnen vorrangig zum Ausbildungsprogramm gehörten.
Die Wehr ist kein Verein, sondern eine technische Polizeitruppe; die sich bei Kundgebungen, Aufmärschen und Feiern als geschlossene Gruppe zu beteiligen hat, ermahnt ein Runderlaß aus dem Jahre 1939 die Wehren.

Aus einem Bericht des Provinzial-Feuerwehrverbandes geht hervor, daß am Feuerwehraufmarsch in Celle am 20./21. Juni 1936 6079 Feuerwehrmänner teilgenommen haben.

Das letzte überlieferte Protokoll aus der nationalsozialistischen Zeit datiert vom 8.4.1936 . Hier wird als Brandmeister Kamerad Friedrich Sievers angegeben , der in der Zwischenzeit – der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt – zum Brandmeister ernannt worden war.

FriedrichSievers
Friedrich Sievers

Nach den ministeriellen Bestimmungen, worauf die Satzung von 1933 hinweist, können die Führer der Wehr und der Löschzüge nur berufen werden, wenn sie über praktische Erfahrungen im Feuerlöschdienst verfügen und die vorgeschriebenen Ausbildungslehrgänge an der Feuerwehrschule absolviert haben.

Schon im Jahre 1931 gründete der Provinzial Feuerwehrverband die Landschaftliche Brandkasse Hannover und die Stadt Celle in der Rechtsform einer Stiftung eine Feuerwehrfachschule mit der Aufgabe, die Führer der freiwilligen Feuerwehren zu schulen. Im Laufe der Zeit hatte sich herausgestellt, daß die mündliche Überlieferung des Wissens von der alten auf die neue Generation den Anforderungen nicht mehr gerecht wurde. Nur durch eine zentrale Ausbildung der Wehrführer konnte sichergestellt werden, daß den Feuerwehrmännern eine angemessene und einheitliche Ausbildung zuteil wurde. Durch das Feuerlöschgesetz von 1933 wurde dem Provinzial-Feuerwehrverband die Pflicht auferlegt, eine Feuerwehrschule zu errichten und zu unterhalten.

Eine Notiz aus der Jahresrechnung 1936 überliefert, daß die Wehr einen einmaligen Sonderbeitrag von 3,90 RM an die Feuerwehrschule gezahlt hat. Die Wehren waren aufgefordert worden, sich an den Unkosten für den Umzug des Verbandes von Lüneburg nach Celle und die Einrichtung eines Büros finanziell zu beteiligen. Laufende Beiträge für die Schule hatte die Wehr nicht zu zahlen. Durch Reichsgesetz vom 1.2.1939 wurde eine Feuerschutzsteuer von den Versicherungen erhoben. Aus den Steuermitteln wurden neben Kosten für andere Aufgaben auch die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb der Landesfeuer-wehrschule – die Schule war inzwischen eine Einrichtung des Staates – und für Lehrgänge und Übungen der freiwilligen Feuerwehren übernommen.

Im Jahre 1935 faßte der Landkreis Springe seine Gemeinden in 13 Feuerlöschverbänden zusammen. Die Wehr in Oerie gehörte dem Feuerwehrzweckverband Pattensen-Hüpede-Oerie an. Der Verband war eine Körperschaft öffentlichen Rechts, er gab sich eine eigene Satzung. Die Gemeinde Oerie stimmte der Satzung am 10.3.1935 zu.

Auszug aus der Meldung von FeuerJöscheinrichtungen, An die Landschaftliche Brandkasse
22. September 1937
Auszug aus der Meldung von Feuerlöscheinrichtungen, An die Landschaftliche Brandkasse 22. September 1937

Zweck des Verbandes war die gemeinsame Beschaffung von Großgeräten nebst Zubehör zur Bekämpfung von Schadenfeuern. Was als Großgerät und Zubehör anzusehen war , entschied der Kreisfeuerwehrführer. Mitglieder des Zweckverbandes waren Bürgermeister und Abgeordnete der angeschlossenen Gemeinden, der Kreisfeuerwehrführer, Führer der freiwilligen Verbandsfeuerwehren und die Führer der örtlichen Halbzüge (Wehren mit einer einzigen Löschgruppe). Verbandsführer war der Bürgermeister aus Pattensen.

Der Verband verfügte über eine Motorspritze, die bei der Wehr in Pattensen stationiert war. Die Pattenser Wehr war bei Bränden zur Löschhilfe in den angehörenden Verbandsgemeinden verpflichtet. In einem Bericht über die Beschaffenheit der Feuerlöscheinrichtungen für die Gemeinde Oerie wird am 22.9.1937 berichtet: Sie (die Motorspritze) ist fahrbar, kann innerhalb von 45 Minuten an der Brandstelle sein. Die Heimatgemeinde der Spritze ist nachts telefonisch zu erreichen; eine Verbesserung gegenüber 1932, weil es damals noch keinen Fernsprechselbstwählanschluß gab.

Aus der Satzungdes Feuerlös chverbandes Pattensen-Hüpede-Oerie
Aus der Satzung des Feuerlöschverbandes Pattensen-Hüpede Oerie

Eine eigene Motorspritze erhielten die beiden kleinen Gemeinden des Verbandes verhältnismäßig spät, wenn man bedenkt, daß der Landkreis Springe schon 1936 eine Gebührenordnung für die Benutzung der Motorspritzen bei auswärtiger Löschhilfe erließ. Auf Veranlassung des Kreisfeuerwehrführers hatte die Fa. Bode, Hannover, am 22.5.1942 dem Gemeindevorstand ein Angebot zur Anschaffung einer Motorspritze zukommen lassen.

Als Voraussetzung für eine Ausführung des Auftrages benötigte die Fa. Bode bei der damaligen Zwangsbewirtschaftung von Rohstoffen eine Kontrollnummer über 712kg Walzwerkerzeugnisse , welche durch den Herrn Reichsführer SS zugeteilt und der Fa. Bode direkt zur VerfUgung gestellt werde. Ein diesbezüglicher Antrag muß auf den hierfür vorgeschriebenen Vordrucken über das Landratsamt, Kreisführer; Inspekteur der Ordnungspolizei beim Oberpräsidium an den Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei eingereicht werden, heißt es im Angebot. Bei dem langen Instanzenweg ist es begreiflich, daß die Oerier Wehr ihre neue Spritze erst am 2.5.1943 ausgeliefert bekam.

Bei der Spritze handelte es sich um eine Flader Kleinmotorenspritze Type ZW II mit einem Zweitakt DKW-Motor. Für den Transport der Spritze wurde ein Einachsenanhänger Type VI in kastenförmig völlig geschlossener Ausführung mit innen gelagerten Saugschläuchen mit Eisenbereifung bestellt und geliefert. Für die Anschaffung der Spritze einschließlich des Einachsenanhängers nebst feuerwehrtechnischer Ausrüstung bezahlte die Gemeinde 3106,84 RM.

Die erhöhte Förderleistung der Motorspritze bedingte einen größeren Vorrat an Löschwasser. Um die Löschwasserversorgung dahingehend anzupassen, baute die Gemeinde den Schachtbrunnen auf dem Mensingschen Grundstück zu einem kleinen Löschteich aus.

Auszügeaus dem Angebotsschreiben der Fa. Bode für eine neueMotorspritze
Auszüge aus dem Angebotsschreiben der Fa. Bode für eine neue Motorspritze
Gerätebestandsliste vom Maschinisten H. Mensing, 1944
Gerätebestandsliste vom Maschinisten H. Mensing, 1944

Frauengruppe leistet Brandschutz

Inzwischen war am 1.9.1939 der 2. Weltkrieg ausgebrochen. Oerie zählte zu diesem Zeitpunkt 170 Einwohner. Im Jahre 1943 waren fast alle Feuerwehrmänner zum Dienst an der Waffe eingezogen und standen auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges.
Damit der Brandschutz in den Gemeinden aufrechterhalten werden konnte, wurden per Gesetz junge Frauen zum Notdienst in der Feuerwehr verpflichtet. In Oerie erübrigte sich der Einsatz der Verpflichteten, weil hier 12 junge Frauen freiwillig der Wehr beitraten. Sie bildeten eine eigene Gruppe in der Wehr. Eine Frauengruppe in der Freiwilligen Feuerwehr Oerie im Jahre 1943 – wenngleich aus der Not entstanden, so mag dieses Faktum doch als weitere Bestätigung für die seit jeher progressive Einstellung der Oerier Feuerwehr bewertet werden.

Als Ausbilder und zunächst auch als Gruppenführer der Frauenwehr fungierte Kamerad Heinrich Hengstmann . Einmal in der Woche standen Übungen auf dem Dienstplan. Einen breiten Raum nahm die gründliche Ausbildung an der neuen Spritze ein. Die Spritze mußte von den Frauen zum Übungsplatz gezogen werden. Auch Übungen mit der Gasmaske – sie gehörte in den Kriegszeiten zur Standartausrüstung – wies das Ausbildungsprogramm aus. Nach Abschluß der Grundausbildung führte Frau Auguste Mensing geb. Sievers (späterer Heiratsname Hielscher) die Gruppe.

Die Frauengruppe übernahm den Brandschutz im Dorfe. Zweimal rückte sie mit den nicht eingezogenen Feuerwehrmännem zum Löscheinsatz aus. Die Motorspritze wurde auf einen Pferdewagen geladen und zum Brandeinsatzort transportiert.

So in der Nacht zum 23.9.1943 , als Hannover von einem schweren Flächenbombardement heimgesucht wurde. In dieser Nacht entstand durch den Abwurf einer explodierenden Luftmine, die einen Flakbeobachtungsturm bei Pattensen zerstörte, in der Stadt selbst großer Schaden. Überall in der heutigen Kemstadt waren die Feuerwehrleute aus der Umgebung im Einsatz, darunter die Frauen aus Oerie als einzige weibliche Löschtruppe.
Nach ihrem Eintreffen wurden sie zu einem brennenden Gehöft in der Südstraße gewiesen. Die Löscharbeiten dauerten bis in den frühen Morgen, erst gegen 5 Uhr konnten die müden Frauen nach Oerie zurückkehren.

Eine Begebenheit ist ihnen aus dieser Nacht besonders im Gedächtnis geblieben. Eine von ihnen war offensichtlich in Phosphor getreten mit dem Ergebnis, daß ihre Schuhe in der Dunkelheit hell leuchteten.

Den zweiten Einsatz leistete die Frauengruppe in der Nachbarschaft Oeries. Im November 1944 fielen brennende Teile eines abstürzenden Flugzeugs auf Hüpede . Drei Scheunen brannten. Die Frauengruppe war mit ihrer Motorspritze auf dem Hofe Wesche eingesetzt, dessen Gebäude fast 40 Jahre zuvor der Mitbegründer und erste Hauptmann der Oerier Wehr erbaut und später bewohnt hatte.

Nach dem Krieg löste sich die Frauengruppe auf. Sie nahm noch einmal an einer Jahresversammlung der Wehr teil, wie das Protokoll vom 11.2.1950 zu berichten weiß: Außerdem waren 8 Mädel und Frauen der ehemaligen Feuerwehr anwesend. In einer Begrüßungsansprache anläßlich des Stiftungsfestes der Oerier Wehr am 7.5.1955 erinnerte der damalige Kreisbrandmeister Bienert u.a. an die Uniform der Damengruppe – sie trugen grüne Overalls – mit der Bemerkung: Die Uniformen paßten wie angegossen. Manchmal war auch ein Koppel viel zu eng, es mußte weitergemacht werden.

Mitgliederder Frauengruppeauf einem Treffen 1956
Mitglieder der Frauengruppe auf einem Treffen 1956

Bei Jubiläumsfeiem der folgenden Jahre würdigten die Festredner immer wieder den tatkräfigen und mit Begeisterung ausgeführten Einsatz der einstigen Frauengruppe und die Männer der Wehr zollen ihnen nach wie vor ein besonderes Lob.
Das Dorf Oerie blieb von größeren Kriegsschäden verschont. Es fielen vereinzelt Spreng- und Brandbomben in der Gemarkung. Die von ihnen angerichteten Schäden beschränkten sich auf zersplitterte Fensterscheiben und abgedeckte Dächer.

Kurz vor Kriegsende, am 8.4.1945, marschierten amerikanische Truppen in Oerie ein; Häuser mußten für die Besatzungstruppen geräumt werden. Später lösten Einheiten des britischen Militärs die Amerikaner als Besatzungsmacht ab.
Mit dem Waffenstillstand am 8.5.1945 und der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands sah die deutsche Bevölkerung einer ungewissen Zukunft entgegen.

Die Freiwillige Feuerwehr Oerie – eine kommunale Einrichtung zur Gefahrenabwehr

Die Wehr als Einrichtung der Landgemeinde Oerie (1945 – 1974)

Die kommunale Neuordnung

Der Krieg war zu Ende, aber seine negativen Auswirkungen bekam die Bevölkerung recht zu spüren. Einschneidende Gesetze der alliierten Militärregierung führten zu großen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen. Die Lage verschärfte sich zusätzlich durch die starke Zuwanderung der ausgewiesenen Flüchtlinge aus Ostdeutschland. Die Bevölkerung Oeries stieg 1946 auf 398 Einwohner, damit verdoppelte sie sich, und das bei einem gleichbleibenden Wohnraum in den 34 vorhandenen Wohngebäuden.

In den Wirren der Nachkriegszeit, besonders in den ersten Monaten, blieb im Dorfe als einzige oder schon wieder intakte Organisation die freiwillige Feuerwehr.

Schon im Laufe des Sommers 1945 erfolgte auf Anordnung der Besatzungsmächte eine Re- bzw. Neuorganisation des Feuerlöschwesens. Das Reichsgesetz vom 23.11.1938 blieb – soweit die Militärbehörden durch Anordnung nicht anders bestimmt hatten – in Kraft. Die Zuständigkeit des Reiches für das Feuerlöschwesen wurde aufgehoben. Die freiwilligen Feuerwehren der Gemeinden schieden als Hilfspolizeitruppe aus der Organisation der Polizei aus. Sie wurden Einrichtungen der Gemeinden und im Auftrage des Bürgermeisters tätig. Die blauen Uniformen durften weiterhin getragen werden, lediglich die Hoheitszeichen (Hakenkreuze) waren zu entfernen.

Mit der Zeit übertrugen die britischen Militärbehörden die Gesetzeskompetenz, die Aufsicht und Durchführung des Brandschutzes in kleinen Schritten an deutsche Stellen.

Nach der Schaffung des Landes Niedersachsen am 1.11.1946 verabschiedete der Landtag am 21.3.1949 ein neues Feuerschutzgesetz, das den Feuerschutz zu einer gesetzlichen Pflichtaufgabe der Gemeinden und Kreise machte und das Feuerlöschwesen nach bewährter deutscher Tradition in erster Linie auf den freiwilligen Feuerwehren aufbaute. Kraft dieses Gesetzes wurde die freiwillige Feuerwehr eine echte Gemeindeeinrichtung.

Für die inneren Angelegenheiten beschloß der Gemeinderat am 26.3.1958 eine Satzung für die Freiwillige Feuerwehr Oerie.

In der Satzung wird u.a. festgelegt:

  • Die Wehr erfüllt die der Gemeinde obliegenden Pflichten.
  • Die Mitgliedschaft in der freiwilligen Feuerwehr ist freiwillig, der Dienst ist ehrenamtlich.
  • Organe der Weher sind:
    a) Der Gemeindebrandmeister
    b) Das Kommando
    c) Die Mitgliederversammlung
  • Die freiwillige Feuerwehr wird von dem Gemeindebrandmeister geleitet. Er ist gemeindlicher Ehrenbeamter und wird auf Vorschlag der Mitglieder nach Anhörung des Kreisbrandmeisters durch den Gemeinderat auf die Dauer von 6 Jahren gewählt.
  • Der Brandmeister wird von einem Kommando unterstützt, das sich zusammensetzt aus Mitgliedern der unteren Führungsebene und gewählten Beisitzern der aktiven Kameraden.
  • Die aktiven Mitglieder gliedern sich je nach ihrem Alter in die Gruppen der aktiven Mitglieder, der Jugendgruppe (12 – 16 Jahre) und die Mitglieder derAltersgruppe. Die freiwillige Feuerwehr kann fördernde Mitglieder aufnehmen.
  • Die Mitgliederversammlung beschließt die Angelegenheiten der freiwilligen Feuerwehr; für die nicht der Gemeindebrandmeister oder das Kommando zuständig ist.

Für den überörtlichen Brandschutz ist laut obigem Gesetz der Landkreis zuständig. Der Landkreis Springe beauftragt den Kreisbrandmeister mit der Durchführung der dem Kreis übertragenen Aufgaben. Ihm obliegt neben der verwaltungsmäßigen und organisatorischen Arbeit auch die Beaufsichtigung und die Kontrolle der ortseigenen Geräte, Fahrzeuge und insbesondere des Schlauchmaterials.

Der Landkreis verfügte 1951 über 48 freiwillige Feuerwehren und 2 Werksfeuerwehren. Um den Kreisbrandmeister bei der Vielzahl der Wehren und seinem umfangreichen Aufgabenbereich zu entlasten, wurde das Kreisgebiet in sieben Unterkreise aufgeteilt. Die Brandmeister der dem Unterkreis angehörenden Wehren wählten den Unterkreisbrandmeister, dem vom Kreisbrandmeister bestimmte Aufgabenbereiche für den Ausbildungs- und Einsatzbereich übertragen wurden. Einmal im Jahr hatte er ihm über den Ausrüstungs- und Ausbildungsstand seiner Wehren zu berichten.

Die Oerier Wehr gehörte dem Unterkreis 7 an. In ihm waren die Gemeinden Bennigsen, Gestorf, Lüdersen, Hüpede und Oerie zusammengefaßt. Der Sitz des Unterkreises war Bennigsen.

Nachdem das Feuerlöschwesen wieder gesetzlich geregelt war, galt es nunmehr, ergänzend dazu den freiwilligen Feuerwehren ihre eigene Vertretung zu geben. Am 29.9.1951 kam es zu einem überkreisgebietlichen Zusammenschluß der freiwilligen Feuerwehren zum Landesfeuerwehrverband Niedersachsen und 1952 zum Deutschen Feuerwehrverbend (DFV) .

Die Brandmeisterfrage

Die Oerier Wehr setzte ihre Tätigkeit nach Kriegsende wie zuvor fort. Leider sind über diese und die nachfolgende Zeit nur einzelne schriftliche Aufzeichnungen vorhanden. Aus mündlichen Überlieferungen ist bekannt, daß Gemeindebrandmeister Sievers sein Amt niederlegte.

Mit Fritz Sievers schied ein Kamerad aus der Führung der Wehr aus, der sich fast ein Vierteljahrhundert engagiert für die Belange der Oerier Feuerwehr einsetzte. 1922 übernahm er das Amt des Schriftführers, wurde 1925 zum Vizehauptmann gewählt, amtierte 1926 vorübergehend als Hauptmann und wurde Mitte der 30er Jahre zum Brandmeister ernannt.

Die Führung der Wehr übernahm bis zur Neuwahl eines Brandmeisters der stellvertretende Brandmeister Heinrich Hengstmann. Im Jahre 1946 wurde Kamerad Karl Zieseniß zum Gemeindebrandmeister gewählt.

Karl Zieseniß
Karl Zieseniß

Das einzige aus dem Zeitraum von 1945 bis 1957 erhaltene Protokoll vom 11.2.1950 sagt aus, daß Brandmeister Karl Zieseniß mit Mehrheit durch Zuruf wiedergewählt wurde. Er nahm das Amt bis 1957 wahr und verzichtete dann auf eine erneute Wiederwahl. Er vertrat die Ansicht, daß nach einer elfjährigen Tätigkeit ein jüngerer Kamerad die Führung übernehmen sollte.

59jähriges Bestehen, Mai 1955
(sitzend: K. Zieseniß , A. Ihsen , F. Ftohr, E. Klaproth, H. Mensing)
59jähriges Bestehen, Mai 1955 (sitzend: K. Zieseniß , A. Ihsen , F. Flohr, E. Klaproth, H. Mensing)

Karl Zieseniß hatte nach der Gründergeneration in der nächsten Generation 32 Jahre lang die Geschicke der Wehr mitbestimmt. 1923 trat er der Wehr bei, wurde 1925 als Schriftführer gewählt und bekleidete in seiner letzten Dienstzeit das Amt des Gemeindebrandmeisters.

Auf Vorschlag des Bürgermeisters Heinrich Mensing wählten die aktiven Kameraden Heinrich Haake einstimmig zum neuen Gemeindebrandmeister. Mit Heinrich Haake erlebte die Wehr durch einen regelmäßigen Ausbildungsdienst, bereichert durch Teilnahme bei mehreren Wettkämpfen und durch gesellige Veranstaltungen, einen beachtlichen Aufschwung. Durch seine hervorragende Arbeit brachte er die Wehr auf einen hohen Ausbildungsstand, ihm war in seinen Tagen auch das gute Auftreten der Wehr in der Öffentlichkeit zu danken.

HeinrichHaake
Heinrich Haake

Der aktive Mitgliederstand stieg in seiner Amtszeit von 19 auf 29 Feuerwehrmänner bei einer abnehmenden Bevölkerungszahl Oeries von 324 (1956) auf 294 (1961) Einwohner. Den aktiven Mitgliederstand weiterhin zu vergrößern, strebte er nicht an. Im Protokoll vom 18.2.1964 werden seine Ausführungen darüber wie folgt wiedergegeben:

Eine weitere Aufnahme sei im Augenblick nicht möglich. Alle Kameraden seien im Augenblick gut ausgebildet und würden, wenn nötig, im Ernstfall voll ihre Pflicht erfüllen !

Seiner Entscheidung lag wohl die Überlegung zugrunde, daß ein größerer aktiver Mitgliederstand, der über die notwendige Anzahl für einen sicheren Brandschutz hinausgeht, zusätzliche finanzielle Mittel aus der knappen Gemeindekasse erfordere und dadurch weniger Mittel für die Anschaffung von Geräten zur Verfügung stünden.

In seiner Amtszeit kam es 1959 zu einer Führungskrise, die zu einem monatelangen führungslosen Zustand in der Wehr führte. Für diesen Zeitraum beauftragte der Kreisbrandmeister den Kameraden Heinrich Mensing (Turmstr. 5) kommissarisch mit der Führung der Wehr. Nach den Laufbahnbestimmungen für die freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen konnte nur der Feuerwehrmann zum Brandmeister ernannt und befördert werden, der die vorgeschriebenen Ausbildungslehrgänge an der Landesfeuerwehrschule in Celle absolviert hatte . Kamerad Haake hielt diese Ausbildung für sich bei seiner Einsatzerfahrung als Offizier der früheren Wehrmacht nicht für erforderlich und weigerte sich, den Lehrgang zu besuchen. Er setzte sich auch über die Vorschriften über die Beförderungen in der Wehr hinweg und trug ohne dazu ernannt worden zu sein, die Dienstrangabzeichen eines Brandmeisters; seinen Gruppenführer Heinrich Eicke (Turmstr. 3) beförderte er eigenmächtig zum Löschmeister.

Seine eigenwilligen Handlungen führten zu einem Eklat mit dem Kreisbrandmeister, der die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen forderte. Die Differenzen spitzten sich so zu, daß Heinrich Haake und sein Gruppenführer ihre Ämter niederlegten. Am 26.9.1959 bat der Kreisbrandmeister den Bürgermeister um Mitteilung, was von der Gemeinde bisher unternommen wurde, um den führungslosen Zustand in der Wehr zu beenden.

In der Jahresversammlung am 23.1.1960 erklärte sich kein Kamerad bereit, die Führung zu übernehmen. Man beharrte darauf, daß die Gewählten ihre Dienststellungen wieder übernähmen. Dienstgespräche zwischen dem Oberkreisdirektor, dem Kreisbrandmeister, dem Bürgermeister und dem kommissarischen Brandmeister der Oerier Wehr führten zu folgendem Kompromiß:
Unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse wird Heinrich Haake zum Brandmeister ernannt und vom Feuerwehrmann gleich zum Löschmeister befördert.
Es blieb aber bei der Entscheidung, daß eine weitere Beförderung ohne Lehrgang vorerst nicht möglich sei.

Heinrich Haake und sein Gruppenführer nahmen ihre Rücktrittserklärungen zurück und kehrten in ihre Ämter zurück. Heinrich Haake erklärte hierzu, da man seinem Wunsch, ihn zum Brandmeister zu befördem nicht entsprochen habe, werde er bis auf weiteres an keinerlei Veranstaltung außer in Oerie selbst in Uniform teilnehmen.

In der Jahresversammlung 1961 wurde Heinrich Haake erneut als Brandmeister bestätigt. Er nahm die Wahl mit dem Hinweis an, daß er seine leidige Dienstgrad- und Rangabzeichenfrage mit vorgesetzter Stelle allein durchzuführen hoffe. Da seine Dienstgradfrage immer noch nicht zu seinen Bedingungen gelöst war und an diesem Tag der Kreisbrandmeister und auch der Unterkreisbrandmeister teilnehmen wollten, lud der Gemeindebrandmeisterzur Jahresversammlung am 17.2.1962 erstmals ,,in Zivil“, d. h. ohne Uniform, ein.

Heinrich Haake blieb bei seiner Forderung und erschien weiterhin bei Veranstaltungen in Zivil. Mit der Zeit duldete der Kreisbrandmeister stillschweigend, daß Heinrich Haake das Dienstrangabzeichen eines Brandmeisters trug, beförderte ihn aber offiziell nicht.

Auf dem Katerfrühstück beim Zeltfest 1966 kündigte Heinrich Haake wegen Arbeitsüberlastung – er war inzwischen zum Kreisjägermeister ernannt worden – seinen Rücktritt an. Die Wehr mußte sich darauf vorbereiten, aus ihren Reihen einen neuen Gemeindebrandmeister zu suchen. Da zu der Zeit kein Kamerad die vorgeschriebene Brandmeisterbefähigung nachweisen konnte, mußte eine Übergangslösung bis zur Wahl des Nachfolgers gefunden werden. Heinrich Haake blieb bis zum Ende seiner Wahlperiode im Amt, die Amtsgeschäfte führte sein Stellvertreter Heinrich Eicke. Sein vorgesehener Nachfolger Heinrich Hake erwarb inzwischen die Brandmeisterbefähigung durch Teilnahme an den vorgeschriebenen Lehrgängen in der Landesfeuerwehrschule in Celle.

Am 3.2.1968 wählten die Kameraden Heinrich Hake zum neuen Gemeindebrandmeister. Er schreibt seinen Nachnamen im Gegensatz zu seinem Vorgängernur mit einem „a“. Schriftführer Christoph Sellhorn stellte fest: Die Aera Haake mit einem doppelten „a“ geht zu Ende, die neue Aera Hake mit einem“a“ beginnt.

Unter Heinrich Hake – nunmehr mit einem „a“ – setzte sich der begonnene Aufschwung der Wehr in zunehmendem Maße fort. Er prägte in dieser Zeit die Oerier Wehr und baute sie weiter auf. Auf sein hervorragendes Wirken auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens wird an anderer Stelle zu berichten sein.

HeinrichHake
Heinrich Hake

Heinrich Hake war der letzte Gemeindebrandmeister der einst selbständigen Landgemeinde Oerie.

Verbesserte Brandschutzeinrichtungen

In den ersten Nachkriegsjahren waren an den Ausrüstungsgegenständen die durch die Kriegsverhältnisse entstandenen Schäden und Mängel zu beseitigen.
Noch im Jahre 1950 wird bei einer Bestandsaufnahme in der Jahresversammlung festgestellt, daß es einigen Kameraden an Ausrüstungsgegenständen fehlt.

Als persönliche Ausrüstung werden angegeben: Schirmmütze , Dienstschutzkleidung (Rock , Hose), Hakengurt nach Norm mit Beil und Tasche sowie Notnagel, Feuerschutzhelm und Signalpfeife. Bis 1954 wurde das Fehlende wohl ergänzt, denn in einer Presseveröffentlichung am 7.5.1955 (Neue Deister-Zeitung) heißt es, daß die Oerier Wehr nach den örtlichen Gegebenheiten sehr gut ausgerüstet und schlagkräftig ist. Im gleichen Jahr schaffte die Gemeinde 3 Schnellöscher (Pulverlöscher) vom Typ 12 an, die an verschiedenen Stellen im Dorfe aufgehängt wurden.

Ende der 50er Jahre gab es immer wieder Probleme mit der Flader-Motorpumpe, weil ihr 2 Takt-Motor manchmal nicht mehr mitmachte . Entsprechende finanzielle Mittel für eine Neuanschaffung konnte bei der damaligen Finanzkraft von der Gemeinde nicht bereitgestellt werden. Notgedrungen mußte die Wehr noch einige Jahre mit der Flader -Pumpe vorlieb nehmen.

Oerie war eine kleine Landgemeinde mit schwacher Finanzkraft. Der Haushaltsplan der Gemeinde wies im Jahre 1961 Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 37 198 DM aus, davon an Ausgaben mehr als ein Viertel für die Kreisumlage. (Zum Vergleich: Jahresetat in Hüpede 69 800 DM, in Gestorf 207 483 DM).

Mit Freude und Stolz, so gibt der Schriftführer im Protokoll vom 11.2.1962 die Stimmung wieder, erfahren die Anwesenden sodann von der neuen Spritze, eine Ziegler-Spritze, die die Gemeinde anschaffte. Im Prüfbericht des Kreisschirrmeisters bei der Abnahme am 24.3.1962 werden als technische Daten der neu angeschafften Ziegler TS 8/8 angegeben:

Motor: Hersteller Volkswagen, Baujahr 1961, 4 Takt-Otto-Motor PS 34, luftgekühlt
Pumpe: Ziegler-Pumpe, Baujahr 1962, eine Pumpenstute. Nennleistung 800 l/min., Ansaugzeit 6 Sekunden, Saughöhe 7,5m, mit Saugkorb und Rückschlagventil

Die TS 818 mußte mittels Trecker oder auch von Hand zum Brandort oder Übungsort transportiert werden. Die alte TS 8 blieb ebenfalls im Einsatz. Es gab immer wieder Probleme, notwendige Neuanschaffungen mit den gegebenen finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde in Einklang zu bringen:

Die größte Sorge der Oerier Wehr ist die Neuanschaffung von 10 Stck. Breitkoppel. die ca. 1000 DM kosten werden. Der Gemeindedirektor gab Aufschluß über die finanzschwache Gemeindekasse, so daß eine Anschaffung erstmal zurückgestellt werden muß. Wiederum wäre es auch keinem aktiven Feuerwehrmann zuzumuten, beim Katastropheneinsatz sein Leben aufs Spiel zu setzen. 
(15.1.1972)

Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Brandbekämpfung ist eine einwandfreie Beschaffenheit des Schlauchmaterials. Eine Wartung sowie eine Überprüfung der Schläuche konnten die Wehren in den kleinen Orten wegen fehlender spezifischer Ausrüstung nicht allein durchführen. Zu diesem Zweck unterhielt der Landkreis eine Kreisschirrmeisterei; zuerst auch als Schlauchpflegerei bezeichnet. Der Landkreis stellte einen Kreisschirrmeister hauptamtlich ein, dem neben der Schlauchpflege auch die technische Überprüfung aller im Kreis vorhandenen Feuerlöschgeräte und Feuerlöscheinrichtungen oblag.

Im Jahre 1956 stellte er fest, daß alle B-Schläuche der Oerier Wehr untauglich waren. Sowohl 1957 als auch 1960 hielt er die Anschaffung von 100 m B-Schläuche für erforderlich. 1968 überprüfte er die Beschaffenheit der Schläuche erneut. Als Bestand an einsatzfähigen Schläuchen werden 300 m B-Schläuche und 200 m C-Schläuche angegeben. 30 m Schläuche zu wenig, um den Mindestbedarf einer Löschgruppe zu decken. Ein Investitionsplan der Gemeinde sieht für 1969 für die Anschaffung von Schläuchen in den nächsten Jahren Haushaltsmittel von 1400 DM vor.

In diesem Zusammenhang ist noch anzumerken, daß die Gemeinde 1954 einen neuen Aufzug zum Trocknen der Schläuche an der Mensingschen Scheune anbrachte.

Nach wie vor gab es bei anhaltender Trockenheit Probleme mit der recht knappen Löschwasserversorgung. Der noch im Kriege angelegte Feuerlöschteich genügte nicht mehr den Anforderungen für Löschzwecke, er wurde Anfang der fünfziger Jahre von dem Eigentümer zugeschüttet. Durch den Gemeindebrunen auf dem Dorfplatz war die Versorgung nicht zu jeder Zeit sichergestellt, da er bei Wasserentnahme oft schon nach 10 Minuten versiegte.

Der Landkreis Springe plante 1957 an der Landstraße von Hüpede nach Oerie einen Brückenneubau über den Oerier Bach. Die Gemeinde sah hier eine Möglichkeit, durch eine vorausgehende Bachverlegung mehr Löschwasser dichter arn Ort zu haben. So geschah es auch, der Bach wurde in einer Länge von 400 m um 100 m näher in die Dorfmitte verlegt.

An der neuen Brücke baute die Gemeinde einen im Bach liegenden Saugschacht, der ausbetoniert wurde. Gemeindebrandmeister Heinrich Haake erläuterte die Neuanlage den Reportern anläßlich einer Presserundfahrt am 21.5.1958 mit den Worten: Bei der neuen Brücke wurde ein geräumiges und ergiebiges Bassin mit Stauanlage und guter Zufahrt erbaut. Im Brandfalle konnte das Wasser so angestaut werden, daß ein Ansaugen durch die Spritze möglich war. Nachteilig wirkten sich die Zuflüsse aus, denn sie verschlammten oft das Bassin; es mußte von Zeit zu Zeit entschlammt werden.

Von den beiden Wasserentnahmestellen konnten nicht alle Gebäude unmittelbar mit Löschwasser versorgt werden, vor allem nicht die am Ortsrand gelegenen. Sie lagen zu weit entfernt, um das Wasser mit einer Löschpumpe nach dorthin zu fördern und noch den nötigen Strahlwasserdruck zu erzeugen.

Das Problem stand auf der Tagesordnung der Jahresversammlung im Jahre 1957. Im Protokoll ist vermerkt: Wegen der Wasserversorgung ist es ratsam, beim Kriegerdenkmal eine Zysteme anzuschaffen. Die Gemeinde legte die Zysterne ungefähr in der Mitte der Strecke zwischen Gemeindebrunnen und dem letzten Haus am Dorfausgang zur B 3 an. Bei der Zysterne handelte es sich um einen unterirdischen Behälter, der der Wasserzwischenspeicherung diente. Mit einer Löschpumpe konnte so das Wasser vom Gemeindebrunnen in den Zwischenbrunnen, von dort mit einer weiteren Löschpumpe zum Bedarfsort gefördert werden. Bei anderen Gebäuden, die mehr als 150 m von den Entnahmestellen entfernt waren, griff die Wehr auf vorhandene Hausbrunnen zurück, die sie als Zysternen nutzte und im Brandfalle zusätzlich wie oben beschrieben mit Wasser speiste.

Im Jahre 1970 wurde Oerie an das Wasserleitungsnetz der Harzwasserwerke angeschlossen. Dadurch verbesserte sich die Löschwasserversorgung deutlich . Durch den Einbau von mehreren Hydranten im Abstand von ca 150 m erfuhr die Brandbekämpfung eine wesentliche Erleichterung,

Die Alarmierung der Feuerwehrmänner erfolgte während des Krieges und auch noch einige Jahre später durch eine handbetriebene Sirene. Anfang der 50er Jahre ersetzte man sie durch eine mit elektrischem Strom betriebene Alarmanlage, ausgestattet mit einer Motorsirene und einem Feuermelder. Das Uhrwerk des Melders war in einem gegen Witterungseinflüsse geschützten eisernen roten Gehäuse mit Glasfenster untergebracht. Ausgelöst wurde der Alarm – nach Zertrümmerung der Glasscheibe – durch Druck auf einen Knopf.

Die Alarmanlage befand sich auf dem Grundstück des Landwirts Karl Zieseniß, die Sirene auf dem Wohnhausdach, der Melder im Keller. Letzterer war durch eine Fensterklappe vom Hühnerhof aus erreichbar. Auf der Jahresversammlung 1970 bemängelte der Unterkreisbrandmeister Fuhrberg die Unterbringung des Melders. Da der rote Kasten für die Alarmanlage von großer Wichtigkeit ist, müsse er so angebracht werden, daß er bei Bränden und Katastrophen sofort zu erreichen ist.
Der Melder wurde daraufhin nach draußen verlegt. Gleichlaufend erfolgte der Einbau eines Funkmeldeempfängers für die Sirene zur außerörtlichen Alarmierung durch die zentrale Feuerwehrleitstelle in Ronnenberg. Im Jahresbericht 1971 heißt es, daß jetzt die Alarmanlage mit einem vorschriftsmäßigen Kasten zum Preis von 500 DM ausgestattet ist.

Die Gerätschaften der Wehr waren weiterhin im Spritzenhaus des Gemeindehauses untergebracht. Es diente zwischenzeitlich einmal kurz als Arrestraum (1935) und in den ersten Nachkriegsjahren auch als Leichenhalle. Die Gemeinde nahm 1954 Umbauarbeiten im Gemeindehaus vor, um mehr Wohnraum zu schaffen. Der Geräteraum wurde in die angrenzenden Stallungen verlegt; Wo einst der Ziegenbock der Gemeinde untergebracht war, befand sich nach dem Ausbau und der Renovierung das neue Spritzenhaus. Eine Pressenotiz aus jener Zeit bezeichnet ihn als heizbares Gerätehaus, weil in ihm ein Ofen für feste Brennstoffe installiert war, um Motorspritze und Schläuche bei starkem Frost betriebsbereit zu halten.

Mitte der 60er Jahre reichte der Raum für die Unterbringung des immer umfangreicher werdenden Gerätebestandes nicht mehr aus. Die alte Handdruckspritze wurde inzwischen auf dem Gehöft des ehemaligen Brandmeisters Karl Zieseniß untergestellt. Es dauerte noch Jahre ehe der Plan ein neues Gerätehaus zu errichten, konkrete Formen annahm. Die Hoffnung , schon bis zum Jubiläumsfest 1966 den Neubau erstellt zu haben, erfüllte sich nicht. In der Jahresversammlung 1968 gab der Gemeindebrandmeister bekannt, daß mit dem Bau Ende Februar begonnen werden kann. Da die Kosten hierfür jetzt schon erheblich sind, bat er alle Kameraden, hierbei kräftig mitzumachen. Unter Mithilfe aller aktiven Feuerwehrmänner sowie vieler Landwirte (unentgeltlicher Materialtransport) und Einwohner entstand nach fast zweijähriger Bauzeit das neue Gerätehaus. Im Laufe des Jahres 1969 konnte es bezogen werden.

Nach einer Anfrage in der Jahresversammlung 1970 wird festgelegt, daß das Streuen und die Schneeräumung vor dem Gerätehaus Aufgaben der Gemeinde sind und daß die drei Schlüssel für das Gerätehaus der Gemeindebrandmeister, der Gerätewart und der Gruppenführer erhalten.

Wettkämpfe fördern die Motivation

Über den planmäßigen monatlichen Übungsdienst aus den Jahren 1946 und 1947 ist eine Auflistung überliefert, die aufzeigt, daß damals in den Sommennonaten Naß- und Trockenübungen miteinander abwechselten. Aus dem Jahre 1957 wird von Übungen jeden 2. Sonntag im Monat berichtet. Vom Kreisbrandmeister wird vorgeschlagen, im Winter theoretische Übungen an Hand von Filmvorführungen durchzuführen.

Mit den vom Kriegsdienst heimkehrenden Feuerwehrmännern erhöhte sich der aktive Mitgliederbestand wieder so, daß der Feuerschutz in der Gemeinde seitens der Wehr ohne den Einsatz von weiblichen Kräften gewährleistet werden konnte .
Die Heimkehrenden fanden mit der motorgetriebenen Tragkraftspritze eine Verbesserung der technischen Ausrüstung vor, die zu einer wesentlich effektiveren Brandbekämpfung beitrug. Voraussetzung für ein erfolgreiches Helfen war eine feuertechnische Ausbildung der Feuerwehrmänner, die die Motorspritze bedienen und zum Einsatz bringen konnten. Die Erfahrung lehrte, daß die Tragkraftspritze mehr Pflege und Wartung bedurfte als die Handdruckspritze und daß das beste Gerät nichts taugt, wenn es nicht betriebsbereit ist.

Für eine umfassende und intensive Ausbildung der Maschinisten richtete die Landesfeuerwehrschule in Celle schon 1945 Lehrgänge ein. Als erster Feuerwehrmann aus Oerie nahm 1950 der spätere Bürgermeister Heinrich Eicke (Turmstr. 14) an einem Ausbildungslehrgang teil.

Der Einsatz der Motorspritze und neuere Erfahrungen in der Feuerlöschtaktik führten zu einer veränderten Gliederung der Löschkräfte. Da die Einteilung in 4 Abteilungen nicht mehr den neuen Erkenntnissen entsprach, wurden die Löschkräfte zur Brandbekämpfung in Löscheinheiten aufgeteilt. Die kleinste Löscheinheit war die Löschgruppe. Ihr gehörten neun Aktive an, jeder einzelne von ihnen hatte bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Die Gruppe gliederte sich in 3 Trupps zu je zwei Mann, den Angriffs-, Wasser- und Schlauchtrupp. Hinzu kommen der Melder, der Maschinist und der Gruppenführer. Jede Gruppe ist mit einer Kleinmotorspritze ausgerüstet.

Die neuzeitliche Angriffslehre in der Feuerwehr, der Löschangriff , gliedert den Raum zwischen Brandobjekt und der Wasserentnahmestelle in drei Arbeitsbereiche, und in jedem arbeitet wie oben angegeben ein Trupp. Die feuerspezifische Ausbildung einen Löschangriff vorzutragen, wurde in Wettkämpfe eingebunden . In den Wettkämpfen konnten die einzelnen Wehren ihren Ausbildungsstand miteinander vergleichen und messen. Die Wehrführung erkannte den Ausbildungswert der Wettkämpfe und nutzte damit die sich ergebende Möglichkeit, den Übungsdienst zu aktivieren und die Feuerwehrmänner für die Dienst zu motivieren.

Jährlich fanden im Unterkreis Unterkreiswettkämpfe statt, die der Volksmund auch als Eimerfestspiele bezeichnete. Der Name steht in Verbindung mit der zu lösenden Aufgabe, nach dem Kuppeln der Saugleitungen einen Schnellangriff auf Eimer vorzunehmen. Sind die Eimer von den Pfählen gespritzt, bleibt die Stoppuhr stehen. Bewertet werden neben Schnelligkeit auch Disziplin und traumhaft sichere Bedienung der Geräte. Der Unterkreisbrandmeister Willy Fuhrberg setzte als Preis für die beste Gruppe des Wettkampfes einen Wanderpokal aus. Die Wehr, die ihn dreimal hintereinander gewann, konnte ihn behalten. Unterkreisbrandmeister Höfer aus Gestorf stiftete zusätzlich den nach ihm benannten Höfer-Pokal. Mit der Auszeichnung sollte die Breitenarbeit der Wehr belohnt werden. Voraussetzung für eine Wertung war die Teilnahme von zwei aktiven Gruppen einer Wehr.

Wanderpokal 1964
Wanderpokal 1964

Gravur:

Wanderpokal 1964
Unterkreis 7
gestiftet von Unterkreisbrandmeister
Willy Fuhrberg
Siegergruppen:
1964 Lüdersen
1965, 1966, 1967 Oerie

Siegergruppe 1967:

Gruppenführer: Heinrich Eicke
Melder: Karl Zieseniß
Maschinist: Karl-Heinz Schmidt
Angriffstruppführer: H.-F. Wullkopf
Angriffstruppmann: Heinrich Mensing
Schlauchtruppführer: Horst Ohlendorf
Schlauchtruppmann: Fritz Hake
Wassertruppführer: Otto Landherr
Wassertruppmann: Heinz Mielke

Im Jahre 1963 nahm die Oerier Wehr , sie hatte im Jahr zuvor die neue Ziegler-Spritze erhalten , erstmals an einem Unterkreiswettkampf teil, man schaffte in Bennigsen den 4. Platz, ein Jahr später, 1964 in Gestorf sogar den 2. Platz. Eine enorme Steigerung gegenüber den Kreiswettkämpfen 1958; damals hatte die erste Oerier Gruppe nur den 44. Platz bei 47 teilnehmenden Gruppen erreicht.

Das Erfolgserlebnis stärkte die Motivation der Kameraden und weckte ihren Ehrgeiz, nun den Wanderpokal nach Oerie zu holen. Zielstrebig erweiterten sie auf Kosten ihrer Freizeit den Ausbildungsdienst. Ihr Gruppenfiihrer, Kamerad Heinrich Eicke (Turmstr. 3) gab ihnen, durch seine unerschütterliche Ruhe in allen Situationen, den nötigen Rückhalt.

Wir sind gut drauf, so beschrieb Anfang 1965 Gemeindebrandmeister Heinrich Haake nicht ohne Stolz den Ausbildungsstand seiner Gruppen. Seit dem Erfolg im letzten Jahr übte eine zweite Gruppe unter der Führung des Kameraden Heinz Person für die nächsten Wettkämpfe. In der Wehr hieß sie die Jugendgruppe, weil ihr die jüngeren Mitglieder angehörten.

Die Früchte der von der Wehr betriebenen Ausbildung zeigten sich in den nächsten Jahren. An dem Unterkreiswettkampf 1965 in Lüdersen nahm die Wehr nunmehr mit 2 Gruppen teil. Unterkreisbrandmeister Willy Fuhrberg, dem die ausgedehnten Aktivitäten der Oerier Wehr zu Ohren gekommen waren, warnte die anderen teilnehmenden Gruppen, im echten Calenberger Platt ausgesprochen: Jungs, nehmt Euch vor den Oeriern in acht. Ich glaube , da ist etwas im Kommen !

Er sollte recht behalten! Die Oerier Wehr holte sich nicht nur den Wanderpokal, sondern durch den dritten Platz der Jugendgruppe auch den Höfer-Pokal als erfolgreichste Wehr des Unterkreises.

Im Jahre 1966, die Oerier Wehr feierte ihr 70jähriges Bestehen, fanden die Wettkämpfe in Oerie statt. Die Neue Deister-Zeitung berichtet am 9.5.1966 darüber u.a. wie folgt:

Mit der absolut besten Zeit von 59 ,8 Sekunden belegten die Gastgeber den ersten Platz. Gut vorbereitet und vorbildlich organisiert liefen die Übungen unter der Leitung des Gemeindebrandmeisters Heinrich Haake reibungslos und ohne Beanstandungen ab.

In Hüpede, ein Jahr später (1967), gelang der Oerier Wehr das gesteckte Ziel, den Wanderpokal endgültig nach Oerie zu holen. Aber erst im Stechen mit der Hüpeder Gruppe, auch sie war bei gleicher Zeit fehlerfrei geblieben. Seit jenen Tagen schmückt der Wanderpokal die Pokal-Vitrine im Gemeinschaftsraum der Wehr. Er reihte sich ein in die zahlreichen Pokale , die ein Zeugnis davon ablegen, daß die Oerier Wehr auch bei anderen Wettkämpfen erfolgreich war.

Einen erheblichen Anteil an den Wettkampferfolgen jener Jahre hatten neben dem vorbildlichen Kameradschaftsgeist und der großen Einsatzbereitschaft der Feuerwehrmänner ihr Gruppenführer Heinrich Eicke. Mit der Wahl zum stellvertretenden Brandmeister gab er die Gruppenführung an einen jüngeren Kameraden, an Karl-Heinz Schmidt (Hüpeder Str. 24) ab. Mit ihm holte die Gruppe 1969 erneut den neugestifteten Wanderpokal des Unterkreises für ein Jahr nach Oerie .

Anfang der 60er Jahre wurden ortsübergreifende Übungen in den Übungsdienst aufgenommen. 1964 war schon eine gemeinsame Übung mit der Wehr in Hüpede, evtl. auch mit Pattensen geplant, wurde aber nicht durchgeführt, Gemeindebrandmeister Heinrich Haake , damals noch mit seiner leidigen Dienstrangfrage beschäftigt, zeigte kein großes Interesse: Wir haben keinen großen Ehrgeiz nach außen in Erscheinung zu treten, weil man uns nicht versteht.

Wettkampfgruppe mit Gruppenführer Karl-Heinz Schmidt
Wettkampfgruppe mit Gruppenführer Karl-Heinz Schmidt (links)

Die Wehren des Unterkreises führten 1967 eine gemeinsame Übung an der Landstraße von Hüpede nach Gestorf durch. Die Wehren mußten 1000 m B-Schläuche verlegen und bauten an Zwischenstrecken ihre Tragkraftspritzen ein, um den Wasserdruck zu verstärken.

Am 26.4.1970 frühmorgens um 7.30 Uhr fand in Hüpede eine Großübung des Unterkreises statt. In Oerie versagte die Sirene, so konnte nicht sofort Alarm ausgelöst werden. Durch das verspätete Eintreffen am Einsatzort wurde die Oerier Wehr nur als Reserve eingesetzt.

In der Jahresversammlung am 17.2.1962 referierte der Kreisbrandmeister über den seit Jahren grundlegenden Wandel in den zu bewältigenden Aufgaben der Wehr. Anlaß des Referates war ein Rundschreiben des Bundeswehrführers. Im Protokoll wird als Fazit des Berichtes festgehalten:

Aufgabe der Wehr ist nicht mehr allein die Brandbekämpfung, sondern  überall, wo Not am Mann ist, hat der Einsatz zu erfolgen.

Die Hilfeleistung in Not und Unglücksfällen stellte die Wehrvor ein immer größer werdendes Aufgabengebiet. Mit dem technischen Fortschritt erhöhten sich die Gefahrenquellen für das menschlichen Leben, aber auch für die Umwelt und die Natur. Einsätze über die Brandbekämpfung hinaus, wie u.a, bei Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen und Naturkatastrophen, bei Umweltbedrohungen aller Art und bei lebensrettenden Sofortmaßnahmen stellten wachsende Anforderungen an die Wehr. Mit Mut und Einsatzwillen allein war hier kaum etwas zu bewegen, nur ein auf allen Gebieten gut ausgebildeter Feuerwehrmann konnte den Anforderungen gerecht werden.

Dem Ziel eines hohen, den Anforderungen angemessenen Leistungsstandes dienten Aus- und Fortbildungslehrgänge, die fortan in größerem Umfange auf Kreis- und Landesebene organisiert und durchgefiihrt wurden. Auch die Oerier Wehr paßte sich der Entwicklung an und sandte Kameraden zu Lehrgängen wie folgende Eintragungen in Protokollen bestätigen:

Auf freiwilliger Basis sollen Kameraden an Lehrgängen an der Landesfeuerwehrschule in Celle teilnehmen. (1957)

Nach Möglichkeit sollen wieder 2 Kameraden zum Lehrgang entsandt werden. (1961)

In der Kreisschirrmeisterei werden Grund- und Maschinistenlehrgänge durchgeführt. Hierzu beabsichtigt man , eine große Anzahl aktiver Feuerwehrmänner anzumelden. (1966)

Die Kameraden nehmen an einer Verkehrsschulung in Bennigsen und an einem Erste-Hilfe-Kurs in Hüpede teil. (1974)

Gesellschaftliche Veranstaltungen

Mit dem wachsenden Wohlstand der Bevölkerung wandelte sich der gesellschaftliche Bereich. Die Bürgerinnen und Bürger verfügten über mehr Freizeit und Geld, aber waren im allgemeinen immer weniger bereit, Zeit zum Wohl des Nächsten zu opfern. Die Wehr paßte sich besonders auf Initiative des Gemeindebrandmeisters Heinrich Hake den veränderten Gegebenheiten an und verstärkte intensiv ihre gesellschaftlichen Aktivitäten, um den Dienst in der Wehr für den Einzelnen noch attraktiver zu gestalten. Heinrich Hake sah in der Pflege der Kameradschaft einen besonders wichtigen und wesentlichen Teil seiner Feuerwehrarbeit. Sofern es möglich war, bezog er auch die Ehefrauen und Partnerinnen der Feuerwehrmänner in das Feuerwehrgeschehen mit ein, um so familiären Schwierigkeiten vorzubeugen.

Im Jahre 1970 hielt die Wehr einen Kameradschaftsabend in der Vereinsgaststätte Engelke ab, der mit einem Vesper und einem fröhlichen Umtrunk ausklang. In den nächsten Jahren nahmen auch die Frauen bei Musik und Tanz an den Abenden teil.

Die Räumlichkeiten der kleinen Gaststätte in Oerie reichten für derartige Veranstaltungen nicht aus und die Wehr wich in Gaststätten nach Hüpede aus. Wegen der ständig steigenden Mitgliederzahl fanden fortan auch die Jahresversammlungen in Hüpede statt, so von 1969bis 1973 in der Gaststätte Apel.

Am Himmelfahrtstag 1970 feierten die Wehrmänner erstmals den „Vatertag“ gemeinsam im Oerier Wald. Hier trafen sie sich zu ein paarnetten Stunden bei Bratwurst, Bier und anderen Getränken, wird im Protokoll festgehalten. Es war eine gelungene Veranstaltung, die man auch in den nächsten Jahren wiederholte und beibehielt.

Es gehörte schon seither zur Tradition in der Wehr, Ausflüge für die aktiven und passiven Mitglieder mit ihren Frauen anzubieten. Tagesausflüge in diesen Jah-ren fiihrten in die Lüneburger Heide (1966), zum Jakobsberg (1968), nach Hamburg (1970) und in den Solling (1971).

Zu einem alljährlich stattfindenden Gemeinschaftsfest entwickelte sich der vom Gemeindebrandmeister Heinrich Hake organisierte und der von der Feuerwehr durchgeführte Frühlingtreff am Pfingstsonntag an der Südseite des Oerier Waldes. Die Presse berichtete jährlich über das Ereignis, hier sind einzelne Auszüge zusammengefaßt wiedergegeben:

Unter dem Motto: „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Oerier Wald“, lud die Wehr zu einem gemütlichen Tag im Maiengrün ein. Auch in diesem Jahr wanderten viele Oerier und mit ihnen auch zahlreiche Gäste zum schönen Oerier Buchenwald. So herrschte hier schon am frühen Morgen ein fröhliches Treiben. Die Feuerwehrmänner– die allerdings zu diesem fröhlichen Fest im saloppen Zivil erschienen waren– hatten einen ansprechenden Picknickplatz mit einem „Marketenderstand“ eingerichtet, der Bratwürste, Steaks, Bier und andere Getränke anbot.

Die Wehr war oft einer Einladung zum Stiftungsfest von Feuerwehren aus der Umgebung gefolgt, hat aber selbst seit ihrem Bestehen kein Jubiläum mehr gefeiert. Erst 1955 beging die Wehr auf Initiative des Bürgermeisters Heinrich Mensing zum erstenmal nach ihrem Gründungsfest 1897 ein Stiftungsfest, das als 50jähriges Geburtstagsfest gefeiert wurde. Es war zugleich wieder das erste Zeltfest in der Gemeinde nach einer Pause von 20 Jahren. 3 Jahre später, 1958, lud die Wehr erneut zu einem Feuerwehrfest ein. Seit 1966 wird alle 5 Jahre ein Stiftungsfest veranstaltet. Über den Verlauf der Festlichkeiten liegen Zeitungsberichte vor, u.a. berichtet die Presse folgendes:

Nach den flotten Weisen der Kapellen ging der Festzug durch die mit Blumen, Girlanden und Fähnchen geschmückten Straßen des Dorfes. Vorneweg der Reiterverein .Alt Calenberg“, gefolgt von den Ehrendamen in weißen Kleidern, den Feuerwehren, den Vereinen und Verbänden mit ihren Fahnen. Die Landjugend führte einige Festwagen im Zug mit. (1955)

Der 60. Geburtsteg der Freiwilligen Feuerwehr wurde zu einer Feier des ganzen Dorfes. Nicht weniger als 22 Wehren aus dem Kreis Springe mit zusammen 500 Mann waren der Einladung des Geburtstagskindes gefolgt. Die Männer der Oerier Wehr hatten allerdings kaum Zeit, sich an dem lustigen Trubel zu beteiligen, denn ihnen oblag die gesamte Organisation, und sie hatten damit alle Hände voll zu tun. Gemeindebrandmeister Heinrich Haake wies daraufhin, daß der beste Beweis für die in der Feuerwehr herrsch-ende Kameradschaft dieser außerordentlich rege Besuch sei. An dem Katerfrühstück am Montag nahmen auch einige Messegäste teil. (1958)

Beim Katerfrühstück am Sonntag sprach der Bürgermeister (Heinrich Eicke, Turmstr. 14) der Jubiläumsfeuerwehr den Dank und die Anerkennung der Bürger aus. Er überreichte Gemeindebrandmeister Heinrich Haake für den Stammtisch einen Wimpel. Heinrich Haake stellte anschließend fest: „Die Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde und uns ist vorbildlich. Sie verläuft in einzigartiger Harmonie“. (1966)

1971 feierte die Wehr das 75jährige Stiftungsfest. An allen 3 Tagen herrschte herrliches Wetter, so daß dieses Fest ein voller Erfolg war und allen Oeriern und vielen auswärtigen Gästen noch lange in bester Erinnerung blieb.

Gruppenbild von 1971
Gruppenbild von 1971

Brandeinsätze

Nach dem 2. Weltkrieg bewies die Wehr bei Bränden und Hilfeleistungseinsätzen, daß die Einsatzbereitschaft für die Bürger jederzeit gewährleistet war.

Am Sonnabend, den 15.6.1968, heulte die Sirene und alarmierte so erstmals die Wehr zum Brandeinsatz in Oerie. Es war zugleich der erste Einsatz nach 39 Jahren.

Durch Blitzeinschlag in den First ausgelöst, brannten zwei Sparren auf dem Kornboden des Landwirts Heinrich Eicke (Turmstr. 14). Mit einem Pulverlöscher und einigen Eimern Wasser war das Feuer sogleich unter Kontrolle und gelöscht. Die Feuerwehr aus Hüpede war als Reserve zur Stelle, brauchte jedoch nicht eingesetzt werden .

Nur wenige Wochen später, am 30.6.1968, wurde die Wehr während eines Gewitters erneut zum Einsatz gerufen. Wolkenbruchartige Regenfälle führten durch Kanalrückstau zu Überschwemmungen an verschiedenen Stellen des Ortes. Mehrere Keller standen unter Wasser und mußten leergepumpt werden. Die Wehr setzte zwei Pumpen ein, der Einsatz dauerte von 15.00 bis 20.15 Uhr.

Am 15.6.1970 brannte der Schafstall des Landwirts H. Mensing, die Brandursache konnte nicht festgestellt werden. Die Alarmierung erfolgte um 14.45 Uhr. Die Feuerwehren aus Hüpede und Pattensen leisteten Löschhilfe, Pattensen mit dem TLF J6 (Tanklöschfahrzeug). Da gleichzeitig in Pattensen das Schützenfest stattfand, kamen etliche Feuerwehrleute, die auch dem Schützenverein angehörten, direkt vom FestzeIt in grüner Schützenuniform zum Löscheinsatz. Die Bennigser und die Lüderser Wehr waren als Reserve zur Stelle.
Trotz vereinten Bemühens war der Schafstall nicht mehr zu retten. Den Wehren gelang es jedoch, das danebenliegende Wohnhaus vor dem Übergriff des Feuers zu schützen. Es wurden Brandwachen bis zum nächsten Tag eingerichtet, die die immer wieder aufflammenden Schwelbrände bekämpften.

Am 22.8.1972 kam die Wehr erneut während eines Gewitters zum Einsatz. Nach wolkenbruchartigen Regenfällen stand die Zimmerei Müller unter Wasser. Da der Strom im ganzen Dorf ausgefallen war, mußte der Alarm durch die Handsirene ausgelöst werden. Die Feuerwehr pumpte den Spänekeller und weitere tiefergelegene Platzteile aus.

RLBH

Retten Löschen Bergen Helfen

Die Wehr als Ortswehr der Stadt Pattensen (ab 1974)

Die Gebiets-und Verwaltungsreform

Einen Einschnitt in der Geschichte der Gemeinde Oerie und ihrer freiwilligen Feuerwehr bedeutete die im Jahre 1974 vollzogene Gebiets- und Verwaltungsreform. Mit Wirkung vom 1.3.1974 erfolgte der Zusammenschluß der Gemeinden Pattensen , Schulenburg, Jeinsen , Hüpede , Koldingen , Reden, Oerie und Vardegötzen zur Einheitsgemeinde Stadt Pattensen.

Zwangsläufig ergab sich hieraus eine Umstrukturierung in der gebietliehen Organisation der freiwilligen Feuerwehren.

Die Wehren aus den neuen Ortsteilen bildeten die Stadtfeuerwehr Pattensen, die dem Stadtbrandmeister unterstellt wurde. Die bisher selbständigen Gemeindefeuerwehren wurden zu Ortsfeuerwehren herabgestuft, die Dienstbezeichnung Gemeindebrandmeister umbenannt in Ortsbrandmeister.

Mit der Bildung der Großgemeinde erlosch die Selbständigkeit der Gemeinde Oerie , Oerie ist fortan ein Ortsteil der Stadt Pattensen. Ihre Freiwillige Feuerwehr verlor einen Teil ihrer Selbständigkeit und besteht seither als Ortsfeuerwehr in der Stadtfeuerwehr Pattensen weiter.

Die gebietliche Veränderung, die sich nicht nur auf der Gemeinde-, sondern auch auf Landkreis- und Bezirksebene vollzog , machte es erforderlich, auch den Brandschutz und die Hilfeleistungen der Feuerwehren neu zu ordnen. Der Niedersächsische Landtag verabschiedete am 8.3.1978 das Niedersächsische Gesetz über den Brandschutz und die Hilfeleistung der Feuerwehren. Über die neuen gesetzlichen Vorschriften ist folgendes, soweit sie die Ortsfeuerwehren betreffen, zu berichten und anzumerken:

Die freiwillige Feuerwehr einer Gemeinde ist in der Regel in Ortsfeuerwehren untergliedert. Durch die Vielzahl der Ortsfeuerwehren ist sichergestellt, daß auch in kleineren Ortsteilen der Gemeinde einem in Not geratenen Bürger schnell Hilfe zuteil wird. Brandgeschehen und Hilfeleistungen an Menschen und Tieren sind zeitabhängige Vorgänge. Je eher mit der Brandbekämpfung oder der Hilfeleistung begonnen wird, um so geringer ist der Schaden für den Einzelnen und letzlich auch für die Allgemeinheit.

Die Ortsfeuerwehr ist nicht nur eine taktische Feuerwehreinheit, sondern auch eine Einrichtung der Stadt mit weitgehenden Kompetenzen. Sie führt ihr eigenes „Leben“ in der großen Gemeinschaft der freiwilligen Feuerwehren der Stadt.

Die Vielzahl der Ortsfeuerwehren in den Ortsteilen mit unterschiedlicher Größe und Struktur lassen eine gleichmäßige feuerwehrtechnische Ausrüstung nicht zu. Aus feuerwehrtechnischen Überlegungen, auch im Hinblick auf die Kosten für die feuerwehrtechnische Ausrüstung, wird ein abgestuftes System der technischen Ausrüstung eingeführt . Bei der Ausrüstung wird unterschieden, ob eine Schwerpunkt-, Stützpunkt – oder Ortsfeuerwehr auszustatten ist.

Jede Ortsfeuerwehr ist mit Einsatzfahrzeug und Sondergeräten auszustatten, mit deren Hilfe der örtlich zu erwartende Brandfall bewältigt werden kann. Stützpunktfeuerwehren nehmen neben örtlichen zusätzlich überörtliche Aufgaben , z. B. bei außergewöhnlichen Schadensereignissen, wahr. Hierauf abgestellt ist ihre Ausrüstung. Das Stützpunktkonzept sieht die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft vor, damit jedem Bürger das Stützpunktbereiches zu jeder Tageszeit – was in den kleineren Ortsteilen nicht immer zutrifft – Hilfe geleistet werden kann. Im Stadtgebiet gibt es abhängend von seiner Größe eine oder mehrere Schwerpunktfeuerwehren, die mit Spezialgeräten ausgerüstet und bei Bedarf im ganzen Stadtgebiet eingesetzt werden.

Die Landkreise wurden per Gesetz zur Wahrnehmung übergemeindlicher Aufgaben durch die Einrichtung und den Betrieb von feuerwehrtechnischen Zentralen verpflichtet. Bei der Vielfalt der Ausrüstung in den Feuerwehren können die Ortswehren hier Hilfe bei der Pflege und Wartung sowie bei der turnusmäßigen Überprüfung ihrer Fahrzeuge und Geräte erwarten.

Neu aufgenommen in das Niedersächsische Brandschutzgesetz wurde die Aufnahme von Mitgliedern weiblichen Geschlechts in die freiwillige Feuerwehr. Schon vorher – im 2. Weltkrieg – hatten sich Frauen und Mädchen in den Dienst der Wehren gestellt. Da man sie wohl mehr oder weniger dienstverpflichtet hatte, war dieses Thema mit der Beendigung des Krieges zunächst abgeschlossen, und nach dem Niedersächsischen Brandschutzgesetz von 1949 waren nur männliche Einwohner ab 18 Jahre für den Eintritt in die freiwillige Feuerwehr zugelassen. Um interessierten Frauen und Mädchen den Eintritt in die Wehren zu ermöglichen, mußte das Gesetz – schon aus Gründen des Versicherungsschutzes – aktualisiert werden. Im Gesetz wird nunmehr als Bedingung für die Aufnahme angegeben:

Aktives Mitglied der freiwilligen Feuerwehren können nur Gemeindemitglieder sein, die für den Einsatzdienst gesundheitlich geeignet sind, und das 16.  aber noch nicht das 62. Lebensjahr vollendet haben.

Durch das neue Brandschutzgesetz konnten, durften und mußten die Frauen voll in den Feuerwehrdienst einsteigen. Anordnungen, die auf Grund des Gesetzes erlassen wurden, legten die Dienstkleidung und persönliche Ausrüstung der weiblichen Mitglieder fest. Ihre erste offizielle Bezeichnung Feuerwehrassistentin wurde später in Feuerwehrfrau umgeändert. Der Ausbildungs- und Einsatzdienst der Frauen wurde dem der Männer gleichgestellt.

Die Gründung der Stadtfeuerwehr Pattensen

Schon vor dem Inkrafttreten der Gebiets- und Verwaltungsreform trafen sich am 5.2.1974 die Gemeindebrandmeister aus den 8 Ortsteilen zu einer Dienstbesprechung im Dorfgemeinschaftshaus Reden. Wichtigster Tagesordnungspunkt war die Wahl des Stadtbrandmeisters und seines Stellvertreters. Gewählt zum Stadtbrandmeister wurde Heinrich SeIle aus Pattensen, zu seinem Stellvertreter Adolf Abelmann aus Schulenburg.

In seinem Dienstzimmer übergab der Stadtdirektor Horst Drücker dem Stadtbrandmeister und den Ortsbrandmeistern sowie deren Vertretern die Ernennungsurkunde als Ehrenbeamte. Den Amtseid sprach stellvertretend für alle Anwesenden Stadtbrandmeister Heinrich SeIle. Dem Akt wohnte auch Bürgermeister August Bötger bei, der, zusammen mit dem Stadtdirektor, allen Wehrführern eine glückliche Hand zur Bewältigung ihrer Aufgaben wünschte.

Das Zusammenwachsen der einzelnen Ortsfeuerwehren in der neuen Stadtfeuerwehr verlief zunächst nicht reibungslos, anfängliche Schwierigkeiten in der Organisation und vor allem auch Vorurteile gegenüber den anderen galt es zu überwinden. Doch im Laufe der Zeit raufte man sich zu einer schlagkräftigen Einheit zusammen. Heute herrscht im Dienst und in der Kameradschaft ein gutes Einvernehmen unter den acht Ortswehren.

Der Einsatz im Ernstfall ist so organisiert, daß die einzelnen Ortswehren sich gegenseitig auf Anforderung bei jeder Art von Unglücksfällen unterstützen. Durch dieses enggeknüpfte Netz der Ortsfeuerwehren ist der Brandschutz und auch die Hilfeleistung für alle Bürger der Stadt Pattensen gesichert.

Ausgerüstet sind die Ortsfeuerwehren bedarfsgerecht nach den gesetzlichen Vorschriften und nach ihren örtlichen Gegebenheiten (mögliche Gefahrensituationen, Stärke des aktiven Mitgliederbestandes). Die Ortsfeuerwehren Jeinsen, Hüpede, Koldingen, Oerie, Reden und Vardegötzen mit einer erweiterten Grundausstattung, die Ortswehr Schulenburg als Stützpunkt- und die Ortswehr Pattensen als Schwerpunktfeuerwehr. Rat und Verwaltung der Stadt haben durch ihr Verständnis und ihre Einsicht in die Notwendigkeit der Feuerwehr die erforderlichen Finanzmittel zur Verfügung gestellt.

Daß heute die Stadtfeuerwehr neben modernen Fahrzeugen und Geräten über gut ausgebildete Mannschaften verfügt, ist u.a. auch der Einsatzbereitschaft und dem Wirken der Stadtbrandmeister zu verdanken. Als Heinrich SeIle 1981 sein Amt niederlegte, traten nacheinander an seine Stelle die Kameraden Walter Brose aus Reden, Heinrich Freimann aus Hüpede (1986) und Fritz Wesche, ebenfalls aus Hüpede (ab 1988).

Bedingt durch die Gebietsreform kam es zu einer Neugliederung der bisherigen Kreisfeuerwehrverbände. Am 1.1. 1976 wurde der neue Kreisfeuerwehrverband Hannover-Land gegründet, dem auch die Stadtfeuerwehr Pattensen angehört.

Die Oerier Ortsbrandmeister

Mit der Bildung der Einheitsgemeinde Pattensen wurde der bisherige Gemeindebrandmeister Heinrich Hake der erste Ortsbrandmeister der Ortsfeuerwehr Oerie. Sein Stellvertreter blieb Heinrich Eicke (Turmstr. 3). Günter Hake fungierte als Schriftführer, Hans-Friedrich Wullkopf als Kassenführer und Heinrich Mensing als Gerätewart.

In der Jahresversammlung 1977 galt der besondere Dank der Oerier Wehr dem 63jährigen Kameraden Heinrich Eicke (Turmstr. 3), der nach 20jähriger Tätigkeit als stellvertretender Brand- bzw. Ortsbrandmeister, zeitweise auch als amtierender Gemeindebrandmeister, sein Amt aus Altersgründen zurückgab. In herzlichen Dankesworten würdigte der Ortsbrandmeister die ständige Einsatzbereitschaft des Kameraden und seine Verdienste um die Oerier Wehr.

In den nachfolgenden Jahren bis 1986 gab es mehrmals personelle Umbesetzungen im Kommando. Zum neuen stellvertretenden Ortsbrandmeister wählten die Kameraden Hans-Friedrich Wullkopf. Er mußte sein Amt 1980 aufgeben, weil er inzwischen Berufssoldat wurde. Seine Aufgabe übernahm Karl Zieseniß; ihn löste 1982 Horst Dobslaw ab.

Als Schriftführer fungierten ab 1980 H.-Fr. Wullkopf, ab 1981 Karl-Heinz Schmidt (Hüpeder Str. 21) und seit 1982 Karl Zieseniß. Die Geschäfte des Kassenführers führte ab 1977 Otto Landherr. Das neugeschaffene Amt des Sicherheitsbeauftragten hatte 1977 Karl Zieseniß übernommen, er gab es 1982 an Hans-Jürgen Hake ab. Ein Stückchen mehr Dienst als andere leistete in jenen Jahren Kamerad Horst Dobslaw, der neben dem Amt des stellvertretenden Orts- brandmeisters zusätzlich die Ämter des Jugendwarts und seit 1985 auch das eines Gruppenführers innehatte .

Im Jahre 1986 gab es einen Führungswechsel in der Wehr, den zehnten in der hundertjährigen Geschichte der Wehr. Stolze 18 Jahre, eine Dienstzeit, die nur wenige Ortsbrandmeister in den Ortsteilen der Stadt erreichten, hatte Heinrich Hake das Amt des Gemeinde- bzw. Ortsbrandmeisters ausgeübt. Diese lange Zeitspanne nahm er zum Anlaß, das Amt einem jüngeren Kameraden zu übergeben. Die Versammlung wählte dazu seinen bisherigen Stellvertreter Horst Dobslaw, zu seinem Vertreter Heinrich Eicke (Turmstr. 14). Neu gewählt wurden außerdem Rainer Schmidt zum Gerätewart und Andreas Ohlendorf zum Jugendwart.

Als ein Dankeschön für seine aufopferungsvolle Tätigkeit bereiteten die Feuerwehrkameraden ihrem scheidenden Ortsbrandmeister eine Abschiedsfeier. Der Feuerwehrmusikzug Adensen hatte es sich nach etlichen Gastspielen in Oerie nicht nehmen lassen, dem befreundeten Ortsbrandmeister vor dem Feuerwehrhaus ein Abschiedsständchen zu bringen. Der neue Ortsbrandmeister Horst Dobslaw bedankte sich im Namen seiner Kameraden bei seinem Vorgänger für dessen hervorragendes Wirken auf dem Gebiet des Feuerwehrlöschwesens in Oerie. Heinrich Hake hatte in seiner Amtszeit die Wehr geprägt und weiter aufgebaut, so daß sie im Verhältnis zur Einwohnerzahl die stärkste Ortswehr in der Stadt Pattensen wurde. Er gründete die Jugendfeuerwehr. Unter seiner Führung wurde das Gerätehaus gebaut, Schulungsräume im alten Gemeindehaus erstellt und die Vollmotorisierung der Wehr wurde erreicht. Dank seines persönlichen Einsatzes hatte die Wehr neben den vielen Übungen und Einsätzen auch für das Gemeinschaftsleben des Dorfes einen wichtigen Beitrag geleistet. Hierzu zählten die Ausrichtung örtlicher Veranstaltungen, gemeinsame Fahrten bis hin zu den von der Feuerwehr jährlich durchgeführten Waldfesten zu Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten. Als ein Zeichen sichtbaren Dankes überreichte Horst Dobslaw, im Namen der Feuerwehrleute, Heinrich Hake eine schmucke Pendeluhr.

Mit der Amtsübernahme .des Ortsbrandmeisterpostens durch Kamerad Horst Dobslaw vollzog sich erneut ein Generationswechsel in der Führung der Wehr. Er erfolgte in einer Zeit, in der sich die Gesellschaft zum Teil kräftig wandelte, in der Egoismus in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns gestellt wurde und in der jede kleine Leistung in barer Münze honoriert werden mußte. Der Dienst in der Wehr aber bedeutet – ganz im Gegensatz zum momentanen Zeitgeist – Dienst in der Gemeinschaft, Dienst am Nächsten, sich für andere unentgeltlich einzusetzen.

Horst Dobslaw
Horst Dobslaw

Veränderte Zeiten benötigen neue Ideen! Horst Dobslaw gab der Wehr die entscheidenden Impulse, die dazu beigetragen haben, bei den Mitgliedern jeglicher Altersstufe einen Gemeinschaftssinn für den Dienst in der Feuerwehr zu wecken, bei dem das Miteinander – Führeinander nicht nur schöne Lippenbekenntnisse sind. Horst Dobslaw verstärkte die gesellschaftlichen Aktivitäten und paßte die bestehenden an die neue Zeit an, sowohl in der Wehr selbst als auch in der Dorfgemeinschaft. In diese Förderung schloß er in zunehmendem Maße die Mithilfe der Frauen und Partnerinnen der Feuerwehrkameraden ein, um sie stärker in das Feuerwehrgeschehen einzubinden. Die Erfahrung lehrte, daß das Verständnis der Frauen für den Feuerwehrdienst ihrer Männer als auch ihre Bereitschaft deren Engagement zu unterstützen, einen entscheidenden Anteil am Funktionieren einer Feuerwehr hat.

In der Amtszeit von Horst Dobslaw erfolgte die Öffnung der Freiwilligen Feuerwehr für weibliche Mitglieder. Jugendwart Andreas Ohlendorf schlug in der Kommandositzung vom 27.10.1986 vor, weibliche Jugendliche in die Jugendfeuerwehr aufzunehmen, da sonst infolge Nachwuchsmangels die Oerier Jugendwehr aufgelöst oder mit einer anderen Wehr zusammengelegt werden müßte. Das Kommando entschied sich für die Aufnahme. In der Verpflichtung der Mädchen sah Ortsbrandrneister Horst Dobslaw für die Zukunft zugleich die Möglichkeit ihrer Übernahme in den aktiven Feuerwehrdienst. Damit könnte eine Personallücke geschlossen werden, die in einer Pendlergemeinde auftritt, wenn ausgebildete Feuerwehrleute berufsbedingt tagsüber für Einsätze nicht zur Verfügung stehen.

Horst Dobslaw erwarb sich beim Aufbau der Jugendfeuerwehr bleibende Verdienste. Neben der Zielsetzung, die Jugendlichen für den verantwortungsvollen Dienst in der Feuerwehr zu interessieren und auszubilden, wurde unter seiner Regie auch die jugendpflegerische Arbeit und die jugendgemäße Freizeitbeschäftigung großgeschrieben. Für seine Verdienste beim Aufbau und der Förderung der Jugendwehr verlieh ihm 1991 der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes die Ehrennadel der Deutschen Jugendfeuerwehr.

Unter seiner Verantwortung erreichte die Freiwillige Feuerwehr Oerie mit einer auf allen Gebieten gut ausgebildeten Mannschaft ihren dem technischen Standard entsprechenden höchsten Ausbildungs- und Ausrüstungstand seit ihrem Bestehen.

Vollmotorisierung

Bei der Gründung der Stadtfeuerwehr besaß nur die Ortsfeuerwehr Oerie noch kein Löschfahrzeug. Nach wie vor mußte der Tragkraftspritzenanhänger hinter einem ausgeliehenen Trecker oder von Hand gezogen werden. Diese immer ein wenig umständliche und zeitraubende Art gehörte nach einem Jahr der Vergangenheit an, weil auch die Ortswehr Oerie durch die Stadt Pattensen mit einem Löschfahrzeug ausgerüstet wurde.

Bei dem übergebenen Fahrzeug handelte es sich um das frühere Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) der Freiwilligen Feuerwehr Koldingen. Noch während der Eigenständigkeit der Gemeinde hatte der dortige Rat eine Anschaffung eines neuen Fahrzeuges beschlossen. Dieser Beschluß resultierte nicht aus der Notwendigkeit heraus, eine Ersatzbeschaffung wegen des schlechten Zustandes des Wagens vorzunehmen. Es spielten für Koldingen feuerwehrtechnische Gründe eine Rolle. Im Falle der Ortswehr Oerie hatte der Rat und die Verwaltung die Gelegenheit genutzt, durch einen Zuschuß von 5000 DM ein gutes und gepflegtes Gebrauchsfahrzeug im Stadtgebiet zu belassen.

Die offizielle Übergabe des Fahrzeuges fand am 28.10.1974 in einer kleinen Feierstunde statt, an der zahlreiche Gäste teilnahmen. Mit der Übergabe der Autoschlüssel und der Autopapiere verband Stadtbürgermeister August Bötger die Hoffnung, daß dieses Fahrzeug, mit dem der Brandschutz in Oerie wesentlich verbessert werden konnte, möglichst selten zur Bekämpfung eines Schadenfeuers benötigt werden möge. Nachdem Stadtbrandmeister Heinrich SeIle dem Ortsbrandmeister Heinrich Hake eine Flasche „Speziallöschwasser“ überreicht hatte, wurde das mit einem Blumenkranz geschmückte Fahrzeug seiner Bestimmung übergeben und von den Oerier Feuerwehrleuten mit der notwendigen Ausrüstung bestückt . Ortsbrandmeister Heinrich Hake dankte der Stadt für die Überlassung des Fahrzeugs und versprach: Die Stadt darf sicher sein , der Ortswehr in Oerie weiteren Auftrieb gegeben zu haben .

Tragkraftspritzenfahrzeug
Tragkraftspritzenfahrzeug

Stadtdirektor Horst Drücker nutzte die Gelegenheit, ein paar Zahlen aus dem Finanzbedarf der Feuerwehren zu nennen . Für die Ersatzbeschaffung und dem Nachholbedarf für Löschfahrzeuge müsse die Stadt- zu diesem Zeitpunkt besaß die Stadtfeuerwehr 12 Fahrzeuge – als Rücklage jährlich 20.000 bis 30.000 DM an Haushaltsmitteln bereitstellen.

Die Oerier Wehrprofitierte von der Gemeindereform, sie bekam in den nächsten Jahren durch die mit größerer Finanzkraft ausgestattete Großgemeinde geregelte und erhöhte Hausratsmittel für eine den Erfordernissen und dem technischen Fortschritt entsprechende Ausrüstung.

So wurde die technische Ausrüstung durch die Anschaffung von Atemschutzgeräten erweitert . Immer schon war das größte Hindernis bei der Brandbekämpfung Rauch und Qualm. Bedingt durch Veränderungen im Bauwesen, insbesondere durch die Verwendung von Kunststoffen und Isoliermaterialien, war es nun für die Feuerwehren unerläßlich, unter Umständen bei Brandeinsätzen Atemschutzgeräte zu tragen , weil bei der Verbrennung von Kunststoffen sich Atemgifte bildeten.

Ein weiterer wesentlicher Schritt im Sinne der technischen Weiterentwicklung erfolgte durch die Inbetriebnahme eines stationären Funkgerätes im Einsatzfahrzeug und durch die Anschaffung von Handfunksprechgeräten. Das Funkgerät ermöglicht beim Einsatz eine Verständigung zwischen den beteiligten Feuerwehrfahrzeugen untereinander sowie mit der Leitstelle der Feuerwehrtechnischen Zentrale Ronnenberg. Handfunksprechgeräte ersetzten das oft unzuverlässige Zurufen bei einer Befehlsweisung über große Entfernung.

Um die Einsatzfähigkeit der Wehr zu verbessern, erhielt die Oerier Wehr 1979 einen Mannschaftstransportwagen (MTW). Ein von dem Stromversorgungsunternehmen HASTRA angebotener VW-Bus wurde aufgekauft und zu einem Mannschaftstransport-wagen umfunktioniert. Von nun an brauchte nicht mehr zu Veranstaltungen mit dem TSF und privaten Personenwagen gefahren werden.

In den achtziger Jahren trat bei Übungen immer mehr zutage, daß die Ausrüstung der Ortswehr nicht mehr optimal war. Fahrzeug und Motorspritze waren inzwischen über 20 Jahre alt. Schon bei einer Alarmübung 1979 machte die Tragkraftspritze durch einen glühenden Auspuff und stotternden Lauf ihres Motors darauf aufmerksam, daß sie bald eine Nachfolgerin bekommen mußte. Aber eine Ersatzbeschaffung ließ noch Jahre auf sich warten. 1987 kam es bei einer Alarmübung in Oerie zu einem Totalausfall der Spritze. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtete darüber:

Am Einsatzort engekommen. funktionierte die Tragkraftspritze der Oerier Feuerwehr nicht; so daß bei manchem Zuschauer der Stoßseufzer zu hören war:
 ,,Hoffentlich brennt es nicht einmal wirklich bei uns.“

Auch der Kommentar eines an der Übung teilnehmenden Feuerwehrmannes wird in dem Bericht wiedergegeben:

Mit diesem mehr als 20 Jahre alten Fahrzeug und Gerät sollten einmal unsere Ratsherren sich abplagen, die immer betonen , daß sie für die Belange der Feuerwehr stets ein offenes Ohr haben.

Rat und Verwaltung zeigten Verständnis, wie aus einem Vermerk im Protokoll der nächsten Jahresversammlung 1988 hervorgeht:

Nun ist eine erfreuliche Meldung zu machen. Der Rat der Stadt und die Verwaltung haben für dieses Jahr(1988) ein Tragkraftspritzenfahrzeug und eine Feuerlöschpumpe im Haushalt veranschlagt.

Am 26.8.1988 bestellt die Stadt für die Wehr bei der Firma Ziegler einen Transportwagen mit Mercedes-Fahrgestell und einer Ziegler-Ausstattung und folgender Sonderausrüstung: einen VZ-Verschluß (Normzugverschluß) für die hintere Öffnung, einen Arbeitsscheinwerfer, Platz für 4 Atemschutzträger, Einbau eines Funkgerätes.

Die Auslieferung des Fahrzeuges verzögerte sich bis Anfang 1989. Inzwischen war die mitbestellte Tragkraftspritze vom Typ Rosenbauer FOX geliefert worden; sie war erheblich leichter als das alte Gerät. Ihre Pumpe förderte die doppelte Wassermenge und hatte als weiteren Vorzug einen Elektrostarter. Wir glauben, so teilt Ortsbrandmeister Horst Dobslaw in seinem Jahresbericht 1988 mit, mit dem Kauf dieser Tragkraftspritze eine auf dem neuesten Stand der Technik beruhende Pumpe erworben zu haben.

Als erfreulichstes Ereignis des Jahres 1989 wird im Protokoll die Fahrzeugübergabe am 20.4. bezeichnet; darüber ist unter anderem in der HAZ zu lesen:

Durch die Neuanschaffung wird das jetzt 25 Jahre alte Fahrzeug und die 27 Jahre alte Tragkraftspritze ersetzt. Mit der Anschaffung werde auch die Leistung dieser Wehr anerkannt, hob Bürgermeister Morawitzky hervor. Er übergab die Fahrzeugschlüssel an Stadtbrandmeister Fritz Wesche, die die Schlüssel an Ortsbrandmeister Horst Dobslaw weiterreichte. F. Wesche umriß in kurzen Worten die durch das neue Fahrzeug verbesserte Einsatzmögichkeit der Ortsfeuerwehr Oerie. Ortsbrandmeister Horst Dobslaw dankte der Stadt Pattensen für das neue Fahrzeug und wies daraufhin, daß dieses Feuerwehrfahrzeug schon vor der ofliziellen Einweihung seine erste Bewährungsprobe bestanden habe. Der erste Einsatz war ein Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 3, bei dem Fahrzeug und Besatzung eingesetzt wurden.

Rat und Verwaltung der Stadt waren auch in den nächsten Jahren bemüht, die Oerier Wehr mit den notwendigen Fahrzeugen und Geräten auszurüsten. So konnte im Frühjahr 1992 ein neuer Mannschaftstransportwagen in Dienst gestellt werden. Das inzwischen 20 Jahre alte von der HASTRA übernommene Fahrzeug war nicht mehr verkehrstüchtig, es mußte dringend ersetzt werden .

Feuerwehr(geräte)haus

Eine neuzeitliche angemessene Unterbringung der Fahrzeuge und Geräte war mit dem Neu- und Anbau des Gerätehauses gewährleistet; was der Wehr fehlte, waren Ausbildungs- und Gemeinschaftsräume für die Feuerwehrleute. Bis Mitte der 70er Jahre konnten noch die beengten Räume der Vereinsgaststätte Engelke für diesen Zweck als Notbehelf genutzt werden. Nachdem die Gaststätte ihre Pforten schloß und andere geeignete Räume nicht zur Verfügung standen, mußte der theoretische Ausbildungsunterricht im Winterhalbjahr ausfallen.

Erst 1979 wurde das lang gehegte Anliegen der Wehr wahr, eigene Schulungsräume zu haben . Die Stadt übergab der Wehr das alte Gemeindehaus zur Nutzung, anfangs nur eine Wohnung, später alle Räumlichkeiten. Für den Umbau und die Renovierung stellte die Stadt 5000 DM bereit. Diese Summe reichte bei weitem nicht aus. Unter dem Motto „besser kleine Eigenleistungen als große Forderungen stellen“, legten die Feuerwehrleute selbst Hand an und bauten in mühevoller, jahreandauernder Eigenarbeit, unterstützt durch Transportfahrten örtlicher Landwirte, das alte Gemeindehaus zu einem ansehnlichen und zweckmäßigen Feuerwehrhaus aus. Trotz der Eigenleistungen reichten die von der Stadt bereitgestellten finanziellen Mittel nicht aus; die Feuerwehrleute beteiligten sich durch einen Zuschuß von 2324 DM aus ihrer Kameradschaftskasse an den Materialkosten.

Feuerwehrhaus (1996)
Feuerwehrhaus (1996)

Was die Wehr so geschaffen hat, konnte sich sehen lassen. Der wohnlich gestaltete Gemeinschaftsraum umfaßt 30 Quadratmeter. Eingerichtet sind außerdem eine Küche, eine Toilette und ein Dienstzimmer für den Ortsbrandmeister. Ofen, Kühlschrank, Tapeten und vieles mehr wurde von den Ortseinwohnem gestiftet. Aus Altbeständen der Pattenser Grundschule kamen noch fehlende Möbel hinzu .

In der offiziellen Einweihungsfeier nach dem ersten Bauabschnitt erinnerte Ortsbrandmeister Heinrich Hake daran, wie wüst es in den unteren Räumen aussah, bevor die Wehr ans Werk ging. Bürgermeister Bötger sprach anerkennende Worte über die Mühe und Sorgfalt, mit der die Oerier diese ansprechenden Schulungs- und Ausbildungsräume geschaffen haben. Als Geschenk der Stadt überreichte er eine historische Karte von Pattensen und Umgebung aus dem 18. Jahrhundert; sie bekam als Wandschmuck einen Ehrenplatz.

Nach Auszug aller Mieter setzte die Wehr ab 1985 die Umbauarbeiten am Feuerwehrhaus fort. In jedem Jahr berichtete der Ortsbrandmeister über Verbesserungen in den Räumlichkeiten, wie aus Aufzeichnungen in den Protokollen jener Jahre zu entnehmen ist.

Im Schulungsraum wurden die feuchten Wände von innen getäfelt und der Raum neu gestrichen. 
(1990)

Die oberen Räume sind fertiggestellt. Sie werden der Jugendfeuerwehr als Schulungs- und Gemeinschaftsräume übergeben. Zwei kleine Räume werden zu einem Thekenraum vereinigt. Einige Materialien wie Fußbodenbelag und Malerbedarf wurden von der Stadt zur Verfügung gestellt. Alle anfallenden Arbeiten führten die Kameraden aus. 
(1992)

Vor dem Feuerwehrgerätehaus installierten die Kameraden einen Scheinwerfer.
(1993)

Im Dezember wurde die Ofenheizung durch eine Ölzentralheizung ersetzt. Die Wehr richtet den Öllagerraum her und installiert auch die Öltanks. 
(1993)

Bei der Installation der Ölzentralheizung wurde auch vorgesehen, das Gerätehaus mitzubeheizen. 1993 erfolgte auch der Umbau für einen Küchenraum.
Eine Garage für den MTWbekam die Wehr erst 1994. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Fahrzeug in einer Garage auf dem Bauernhof des Kameraden Karl Zieseniß untergebracht. die Stadt stellte als Anbau an das bestehende Gerätehaus eine Fertiggarage auf. Die Fundamente, die Verklinkerung der Außenwände nebst Pfeilern und der Dachausbau wurde von der Feuerwehr in Eigenarbeit vorgenommen. Nach Beendigung der Arbeit stellte Ortsbrandmeister Horst Dobslaw befriedigt fest: Ich glaube, daß der Anbau mit dem Dach und der Verklinkerung ein anschauliches Bild eines Gerätehauses vermittelt.

Feuerwehrgerätehaus mit Garage
Feuerwehrgerätehaus mit Garage

In all den Jahren des Neu- und Umbaus haben die Kameraden der Wehr durch die hier geleistete Eigenarbeit bewiesen, daß Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und Einsatzfreude, auch bei friedlichem Einsatz, für sie keine leeren Worte sind .

Lehrgänge, Übungsdienste, Wettkämpfe: Fit für den Ernstfall ?

Der grundlegende Wandel in der Ausrüstung der Wehr zu Beginn der 70er Jahre erweiterte den Aufgaben- und Tätigkeitsbereich und somit auch die zu leistende Arbeit der Feuerwehrleute. Fahrzeuge und technische Geräte müssen ständig gewartet und gepflegt, die Löschwasserentnahmestellen überprüft werden, damit diese Hilfsmittel jederzeit einsatzbereit sind. Die technischen Hilfeleistungen erfordern zusätzliche Qualifikationen und damit noch besser ausgebildete Fachkräfte, die immer bereit sind, ihr Wissen dem aktuellen Stand der Technik anzupassen. Denn die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Brandbekämpfung und Hilfeleistung bleibt die Einsatzbereitschaft jedes einzelnen Feuerwehrmannes oder jeder einzelnen Feuerwehrfrau, die die technischen Hilfsmittel bedienen und zum Einsatz bringen können.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Hilfe ist neben einer soliden Grundausbildung eine weiterführende Ausbildung der aktiven Kameradinnen und Kameraden. Möglichkeiten zu einer qualifizierten Weiterbildung bestehen in der Feuerwehrzentrale in Ronnenberg und an der Feuerwehrschule in Celle. In Ronnenberg erhalten die Teilnehmer in einem Grundausbildungslehrgang das Grundwissen und die Befähigung, an Einsätzen teilnehmen zu dürfen. Zusätzlich wird hier die Ausbildung der Maschinisten, der Atemschutzträger und Sprechfunker angeboten. Die Ausbildung der Führungskräfte erfolgt weiterhin an der Landesfeuerwehrschule in Celle. Zudem findet zu Beginn eines jeden Jahres für alle Aktiven eine Unfallverhütungsbelehrung durch den Sicherheitsbeauftragten der Stadtfeuerwehr auf Stadtebene statt.

Seit 1986, mit dem Beginn der Amtszeit von Ortsbrandmeister Horst Dobslaw, haben alle aktiven Kameradinnen und Kameraden, die in die Wehr neu eintraten oder aus der Jugendfeuerwehr übernommen wurden, den Grundausbildungslehrgang absolviert. Nur zwei von ihnen haben bisher keinen, alle anderen an einem weiterführenden Ausbildungslehrgang teilgenommen. Sechs Kameraden wurden zum Maschinisten, vierzehn zum Atemschutzträger und zehn zum Sprechfunker ausgebildet. In Celle nahmen acht an einem Trupp-, drei an einem Gruppenführerlehrgang teil. Die Sonderlehrgänge Leiter einer Feuerwehr und Führung einer Feuerwehr besuchten der Ortsbrandmeister bzw. der Ortsjugendfeuerwehrwart.

Durch die Teilnahme dieser Aktiven an den Qualifikationslehrgängen erreichte die Oerier Wehr einen hohen Leistungsstand. Ihn zu erhalten und zu erweitern, setzt ein ständiges Üben und Weiterbilden der Feuerwehrmänner und -frauen voraus. Dazu dient vor allem der Monatsdienst, der an jedem ersten Sonntag eines Monats um 10 Uhr stattfindet. Es ist schwer, so stellte Ortsbrandmeister Horst Dobslaw in seinem Jahresbericht 1989 fest, die Kameraden immer wieder zu motivieren, den oft trockenen Monatsdienst über sich ergehen zu lassen, ohne praktische Erfahrungen sammeln zu können. In anderen Protokolle ist zu lesen:

Der Dienst ist nicht nur für die Wettkampfgruppe da, da hier nicht für den Wettkampf, sondern für den Einsatz geübt werde.
(29.11.1986)

Ich möchte an alle appellieren, den Ausbildungsdienst regelmäßig zu besuchen, denn nur häufiges Üben kann Fehler bei Einsätzen vermeiden.
(1990)

Der Ortsbrandmeister stellte eine gute Beteiligung bei den Übungsdiensten fest; bemängelte aber die Unpünktlichkeit. Außerdem appellierte er an bessere Aktivität und Disziplin bei Übungen.
(28.4.1988)

1985 umfaßte die angesetzte Dienstzeit 184 Stunden. Im Jahre 1989 trafen sich die Aktiven 28mal zum Ausbildungsdienst, 1990 32mal und 1991 23mal. Andere Formen der Ausbildung, wie Wettkämpfe und ortsübergreifende Einsatzübungen, paßten sich der Entwicklung an. Die bisher gültigen Wettkampfbestimmungen entsprachen nicht mehr den Anforderungen, die heute an eine Feuerwehr gestellt werden. Man erkannte auch, daß der Ausbildungswert der einst sogenannten Eimerfestspiele nicht sehr groß war, weil bei der Bewertung die benötigte Zeit zu sehr im Vordergrund stand. Der Feuerwehrverband erarbeitete 1988 neue Wettkampfrichtlinien und -bestimmungen mit einem größeren Aus-bildungseffekt. Die im Wettkampf auszufülhrenden Übungen beziehen sich mehr auf realitätsnahe Aufgaben, wie sie die Feuerwehrmänner und -frauen im Ernstfall zu bewältigen haben.

Übung

Nach den neuen Richtlinien hat die Löschgruppe innerhalb von 12 Minuten sieben Aufgaben zu erledigen . Nach Durchführung der Übung muß der Gruppenführer Fragen aus einem Fragenkatalog schriftlich beantworten. Mit Erlaß vom 6.3.1990 des Niedersächsischen Innenministeriums wurden die Feuerwehren aufgefordert, an den Leistungswettkämpfen nach diesen Richtlinien teilzunehmen. Wegen Fehlens der für die Lösung der Aufgaben erforderlichen Wettkampfanlagen wurden die durchzuführenden Übungen im Stadtbereich geändert und den Gegebenheiten angepaßt. Eine offizielle Stadtmeisterschaft gab es nicht, bei einem Wettkampf der Ortswehren der Stadt errang die Oerier Wehr 1989 den ersten Platz in der Wertungsklasse TS8/8.

Die Oerier Wehr nahm weiterhin an verschiedenen Wettkämpfen teil, es ist aber zu erkennen, daß die Anzahl der Wettkämpfe in den letzten Jahren merklich nachgelassen hat. Nur ein Wettkampfwurde jedes Jahr weiter durchgeführt: Die Grenzen sind verändert, die Kameradschaft ist geblieben, stellte Ortsbrandmeister Horst Dobslaw fest, als er 1991 in Oerie an die Auflösung des Unterkreises Springe 7 durch die Gemeindereform erinnerte. Damals, 1974, hatten die fünf dem Unterkreis angehörendenGemeindefeuerwehren beschlossen, die in langen Jahren gewachsene Kameradschaft zu erhalten und die traditionellen Unterkreis-Wettkämpfe im bisherigen Rahmen fortzuführen.

Im Jahre 1976 errang die Oerier Wehr abermals den Höfer-Pokal. Der Pokal blieb nun endgültig in Oerie, da nach dem Willen seines Stifters die Wehr den Pokal behalten sollte, die ihn im Jahre seines Todes gewonnen hatte.

Im Jahre 1990 richtete die Ortsfeuerwehr Gestorf den Wettkampf aus. Es mußte eine Einsatzübung ausgeführt werden, bei der es auf die Entscheidungen des Gruppenführers ankam. Die Ortswehr Oerie belegte hier den 1. Platz. Im nächsten Jahre, 1991, mußte sich die siegreiche Gruppe auf heimischem Boden mit einem dritten Platz zufriedengeben.

Inzwischen waren Anfang der achtziger Jahre auch hier die Wettkampfbestimmungen geändert worden. Die Aufgabe für die Wehren bei diesem Wettkampf in Oerie bestand darin, einen angenommenen Brand in einem Öllager zu löschen und einen verletzten Menschen zu bergen. Zum simulierten Einsatz bei dem Löschangriff kamen Atemschutzgeräte, Schaumlöschmittel und natürlich Wasser aus jeweils zwei C-Rohren.

Gewertet wurde nicht die Zeit – abgesehen von einer einzuhaltenden Mindestzeit, sondern die Sicherheit und Umsicht, mit der die Löschangriffe vorgenommen wurden und das Gruppenführerexamen. Nach Durchführung der Übungen mußte der Gruppenführer Fragen aus einem Fragenkatalog schriftlich beantworten. Nur mit einem Fehler und einem sehr guten Gesamteindruck gewann die Ortswehr Gestorf den Pokal. Auch die Löschangriffe der Bennigser und Oerier Wehren waren einwandfrei; sie sammelten Fehlerpunkte bei Kleinigkeiten, so z. B. nicht deutlich genaue Rufe oder ein Paar fehlender Handschuhe. Ausschlaggebend für den 2. Platz der Bennigser war das bessere Abschneiden ihres Gruppenführers beim Gruppenführerexamen.

Seit 1987 nahmen Gruppen der Ortswehr Oerie an Leistungsmärschen teil, die an Stelle der sogenannten Eimerfestspiele immer häufiger von den Feuerwehren organisiert und durchgeführt wurden. So beteiligten sich Gruppen der Oerier Ortswehr an Leistungsmärschen in Lohnde, Hänigsen, Schulenburg, Koldingen, Springe und Pattensen. Nachdem die Ortswehr hier genug Erfahrungen gesammelt hatte, entschloß sich das Kommando, die Stadtwettkämpfe 1990 als Leistungsmarsch in Oerie auszurichten.

Die Organisatoren stellten sehr schnell fest, daß ein Leistungsmarsch im Vergleich zu den traditionellen Wettkämpfen umfangreichere Vorbereitungen erforderte. So mußte die Marschstrecke festgelegt und abgelaufen , die zu bewältigenden Aufgaben an den geplanten 14 Stationen ausgearbeitet und der Leistungsmarsch dokumentiert werden.

Marschroute beim Leistungsmarsch 1990
Marschroute beim Leistungsmarsch 1990

Am Leistungsmarsch am 23.09.1990 nahmen 42 auswärtige Gruppen teil. Die Marschroute war so geplant worden, daß der Start- und Zielort und eine Pausenstation am Feuerwehrgerätehaus lag. Dort gab es in der Pause ein Mittagessen und ein Getränk für jeden Teilnehmer.

Für die zu bewältigenden Aufgaben an den Stationen wählten die Organisatoren eine Mischung aus Feuerwehrtechnik, Sport, Spaß und Allgemeinwissen aus.

Nachfolgend wird eine kleine Auswahl aus dem Fragenkatalog zitiert. Die richtigen Antworten sind hier unter den Fragen abgedruckt; sie können mit Hilfe eines Spiegels gelesen werden .

Jährlich fanden in den letzten Jahrzehnten ortsübergreifende Einsatzübungen statt, die mögliche Gefahren und Einsatzschwerpunkte in den einzelnen Ortsteilen annahmen und die exakte Zusammenarbeit der eingesetzten Ortsfeuerwehren verlangten. Die Übungen dienten zugleich dazu, um möglichst reell den Leistungsstand zu überprüfen, aber auch Mängel aufzudecken, die in der weiteren Ausbildung auszumerzen waren. Über zwei Einsatzübungen im Ortsteil Oerie berichtete die HAZ ausführlich, ihre Berichte seien hier zusammengefaßt wiedergegeben.

Eine Alarmübung fand 1979 statt. Als Einsatzort hatte Ortsbrandmeister Hake die Zimmerei Müller gemeldet. Um 18.27 Uhr wurde durch die Feuerwehreinsatzleitstelle Ronnenberg alarmiert. Nach kurzer Zeit waren 9 Kameraden anwesend, so daß sofort mit der Löscharbeit begonnen werden konnte. Der Ortsbrandmeister mußte bei dem simulierten Großbrand erkennen, daß seine Wehr allein für eine erfolgreiche Brandbekämpfung nicht ausreichte. Er forderte Hilfe bei der Einsatzleitstelle Ronnenberg an, die die Ortswehren Hüpede, Jeinsen, Schulenburg und Vardegötzen alarmierte. Bereits wenige Minuten später rollten die Löschfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn mit über 100 Feuerwehrleuten sternförmig auf Oerie zu. Der Ortsbrandmeister dirigierte die Fahrzeuge so, daß bei dem starken Wind die angrenzenden Bauernhöfe und Wohnhäuser abgedeckt und das Brandobjekt eingekreist wurde. Das Löschwasser mußte über eine lange Strecke aus dem Oerier Bach herangeholt werden. Es ging alles sehr schnell. Zur Übung gehörte auch der Einsatz von schwerem Atemschutz zur Menschenrettung. Die Oerier Wehr war am Ende mit 20 Leuten anwesend.

In der ,,Manöverkritik“ sprach sich Stadtbrandmeister SeIle lobend über den Ablauf der Übung aus. Gewisse Mängel waren beim Funkbereich zu verzeichnen. Nicht alle Fahrzeuge hatten ihre Abfahrt und Ankunft bei der Leitstelle gemeldet und danach blieben die Funkgeräte zeitweise unbesetzt.

Unter einem unglücklichen Stern stand die Einsatzübung vom 27.10.1987. Im Alarmplan war als Ausgangssituation ein Feuer auf dem Anwesen des Landwirts Sellhorn mit einem Übergreifen der Flammen auf eine auf dem Grundstück befindliche Treibstoffsäule angenommen worden. Nach Auslösung des Sirenenalarms konnte die Feuerwehr nicht ausrücken, da entsprechende Einsatzkräfte fehlten. Erst nach einer weiteren Alarmierung wurde das Ausrücken möglich.

Zur Unterstützung wurden die Feuerwehren aus Hüpede und Vardegötzen zu Hilfe gerufen. Während die Hüpeder Wehr schon nach fünf Minuten am Einsatzort war, wurde die Vardegötzener Feuerwehr durch eine Ansammlung von mehr als 30 schweren Panzern, die zu der Zeit in diesem Gebiet im Manöver unterwegs waren, vollständig blockiert.

Am Einsatzort angekommen, funktionierte – wie schon an anderer Stelle berichtet – die Tragkraftspritze der Oerier Feuerwehr nicht, verursacht durch Mängel an dem sehr alten Gerät, aber auch mangelnder Aufsichtspflicht der Maschinisten und des Gerätewartes. Mit dem Verlauf der Übung war Ortsbrandmeister Horst Dobslaw verständlicherweise unzufrieden gab aber zu bedenken: Die Wehr macht solche Übungen, um daraus zu lernen, und erwarte gar nicht , daß alles reibungslos klappt. Auch Stadtbrandmeister Heinrich Freimann zeigte seinen Unmut, versicherte aber später: Im Ernstfall sei der Brandschutz trotzdem ausreichend gewährleistet gewesen, weil man in diesem Fall die anderen Orts-feuerwehren zur Unterstützung und zur Hilfe gerufen hätte.

Bei einer weiteren Alannübung, am 6.11.1993, auf dem Hof Ellmers trat zutage, daß die Löschwasserversorgung nicht optimal war, bzw. nicht ausreichte.

Die Durchführung von Brandschutzwochen und die Aufklärung der Bevölkerung gehören zum vorbeugenden Brandschutz; auch diese Aufgaben nahm die Oerier Ortswehr in die Palette der vielseitigen Aktivitäten auf. Die Brandschutzwoche nahm sie zum Anlaß, sich mit einem interessanten Programm der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Am 20.4.1974 veranstaltete die Wehr einen Tag der offenen Tür. Gezeigt wurde eine Schauübung , bei der Reifen in Brand gesteckt und anschließend mit Pulverlöschem und Kübelspritze gelöscht wurden. Hier bewährte sich die Kübelspritze besser als der Pulverlöscher.

In der Brandschutzwoche vom 23.9. bis 30.9.1979 lud die Stadtfeuerwehr zu einem Tag der offenen Tür. Gastgeber für die Veranstaltung war die Ortsfeuerwehr Oerie. Die Ortswehren stellten einen Teil ihrer Löschfahrzeuge zur Besichtigung auf. Auf dem Dorfplatz am Feuerwehrhaus zeigte die Pattenser Stadtfeuerwehr, welche Spezialgeräte bei Autounfällen und sonstigen Hilfeleistungen eingesetzt werden können. Mit der Handhabung der Geräte wurden auch die Oerier Feuerwehrmänner vertraut gemacht. Übungsobjekt war ein ausrangierter Personenwagen , der als Unfallwagen zur Bergung der Insassen mit einem Luftkissen aufgerichtet und anschließend mit hydraulischen Schneidwerkzeugen regelrecht auseinandergenommen wurde.

Erstmals zum Einsatz kam ein spezielles Sprungkissen, das in wenigen Sekunden durch Heben und Senkender oberen Fläche aufgeblasen und zur Menschenrettung an einem brennenden Haus eingesetzt werden kann. Nach etlichen Sprüngen einzelner Anwesender vom Dach eines Fahrzeuges ließ es sich Stadtdirektor Horst Drücker nicht nehmen, die Verläßlichkeit des Sprungpolsters auszuprobieren. Ein kühner Sprung mit merkbarem Gewicht! – Das Polster hielt.

Zum Abschluß führte eine Firma neue Trockenlöscher vor. Da heute derartige Löscher in vielen Haushalten vorhanden sind, war es für die Einwohner eine gute Gelegenheit, sich mit der Bedienung des Gerätes beim Ablöschen brennenden Öls vertraut zu machen.

Die Mitgliederstruktur heute

Während die Einwohnerzahl Oeries in den letzten 20 Jahren fast konstant blieb – sie schwankte zwischen 260 und 280 Einwohnern – stieg die Mitgliederzahl ihrer Ortswehr stetig an. Im Jahresbericht 1975 wird sie mit 62 Mitgliedern angegeben, zwanzig Jahre später, 1995, teil der Ortsbrandmeister in seinem Bericht mit, daß nunmehr 113 Mitglieder der Wehr angehören , davon 35 Aktive, 19 Passive und 46 fordernde Mitglieder, sowie 12 Jugendliche und 1 Ehrenmitglied. 4 Mitglieder sind weiblichen Geschlechts.

Die Erwartung, mit der Aufnahme weiblicher Jugendlicher in die Jugendfeuerwehr wieder zunehmendes Interesse der Frauen am Dienst in der freiwilligen Feuerwehr – wie vor 40 Jahren – einzuleiten , erfüllte sich bisher nicht. Nur eine Feuerwehrfrau leistet z.Z. aktiven Dienst in der Wehr, obwohl inzwischen 9 Mädchen in der Jugendfeuerwehr waren und auch 6 von ihnen als Feuerwehrfrauen in den aktiven Dienst übernommen wurden.

Die untere Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der aktiven Feuerwehrmitglieder für die Jahre 1961 und 1995 über 5 Lebensaltersgruppen, beginnend bei den 16 – 26jährigen, endend bei den über 60jährigen . Für das Jahr 1995 ist zum Vergleich noch die Verteilung für sämtliche Aktiven aus dem Stadtgebiet Pattensen angegeben.

Statistik

Man erkennt, daß der prozentuale Anteil der Lebensaltersgruppen der 16 – 26jährigen und der 51 – 60jährigen sich zu ungunsten der 2 dazwischenliegenden Lebensaltersgruppen vergrößert hat. Hier wirkt sich die in den letzten Jahren eingeleitete Neugliederung der aktiven Feuerwehrmitglieder aus. Im Fall der 16 – 26jährigen ist die Erhöhung des Anteils von 14 % auf 22 % hauptsächlich eine Folge der in der Jugendfeuerwehr geleisteten Nachwuchsarbeit. Im Fall der 51 – 60jährigen begründet sich die Erhöhung des Anteils von 4% auf 13% hauptsächlich durch die Bildung von im Feuerwehrjargon so genannten Altersgruppen. Sie rekrutieren sich mit der Zeit aus den Einsatzgruppen, wenn Mitglieder altersbedingt sich vom Übungsdienst bzw. von Wettkampfübungen allmählich zurückziehen wollen.

Die Altersgruppe

Eine Altersgruppe ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Ortswehr Oerie. In dieser Gruppe haben sich Kameraden zusammengefunden, die auf eine 25jährige und noch längere aktive Mitgliedschaft zurückblicken.

Die Männer der Altersgruppe haben die Aufgabe übernommen, die Löschwasserversorgung im Ort zu kontrollieren. Im Spätherbst eines jeden Jahres überprüfen sie u.a. die Hydranten und machen sie winterfest. Damit tragen die Männer zu einem wesentlichen Teil zur Einsatzbereitschaft der Ortswehr bei. Sie nehmen weiterhin – wenn auch nicht mehr so regelmäßig – an den monatlichen Übungsdiensten teil. Ortsbrandmeister Horst Dobslaw setzt hier aber Grenzen: Sollte nur eine 50prozentige Beteiligung stattfinden, sind diese Kameraden für den Ernstfall nicht einsetzbar.

Außer im Dienst treffen sich die Kameraden zum geselligen Beisammensein, hier pflegen und bewahren sie in frohen und vergnüglichen Stunden ihre mit den Jahren gewachsene Kameradschaft und Zusammengehörigkeit. Zu dieser Entwicklung hat durch seinen unermüdlichen Einsatz Kamerad Karl-Heinz Schmidt (Hüpeder Str. 24) beigetragen; er ist kurz unter dem Namen „Kalle“ allen Oeriem wohl bekannt. Er hat die Altersgruppe mit aufgebaut und stand ihr als jahrelanger Gruppenführer vor. Als er 1989 aus Altersgründen zurücktrat, würdigte der Ortsbrandmeister die Verdienste des Kameraden um die Wehr. Karl-Heinz Schmidt war in den letzten 20 Jahren Gruppenführer zunächst der aktiven Gruppen und später der Altersgruppe. Als Anerkennung seiner Leistungen überreichte Horst Dobslaw einen Zinnteller mit Gravur. Seit diesem Zeitpunkt führt Karl Zieseniß die Altersgruppe.

Altersgruppe

Ein gefragter Gast ist die Altersgruppe bei Wettkämpfen und Jubiläurnsfeiem, auch bei auswärtigen Wehren, so 1989 in Hiddestorf und mehrmals in Hüpede. Sie führte hier eine Übung mit dem TSA (Tragkraftspritzenanhänger) und der alten Flader-Pumpe nach den alten Wettkampfrichtlinien durch und trug mit dieser Showeinlage zu einer sehenswerten Abwechslung bei derartigen Veranstaltungen bei. Am 15.5.1993 feierte die Altersgruppe das 50jährigen Pumpenjubiläum der Flader-Pumpe6. Sie verband das Fest mit einer Vorführung von alten Feuerwehrpumpen der anderen Ortswehren. Die Pattenser Ortswehren schenkten der Altersgruppe zu diesem Anlaß ein ausgehämmertes Kupferbild, das diese Spritze symbolisierte.

Mit der Überschrift Tragkraftspritze nach 50 Jahren noch einsatzfähig berichtete die HAZ vom 25.5.1993 u.a. über die Jubiläumsfeier:

Bevor die Altersgruppe mit der Vorführung beginnen konnte, ließ Ortsbrandmeister Horst Dobslaw die Mannschaft mit etwas ,,Löschwasser“ stärken. Die 50 Jahre alte Fladerspritze wollte nicht auf Anhieb anspringen.
Maschinist Hans-Friedrich Wullkopf mußte so manchen Schweißtropfen vergießen, ehe er das alte Gerät knatternd und fauchend in Gang setzte, was bei manchem der Zuschauer wehmütige Erinnerungen wachrief.

H.-F . Wullkopf an der Flader-Pumpe
H.-F . Wullkopf an der Flader-Pumpe

In all den Jahren ehrte die Ortswehr bei passender Gelegenheit, so auf Jahresver-sammlungen oder Jubiläumsfeiern, Kameraden für eine langjährige aktive Mitgliedschaft. Ausgezeichnet wurden die Kameraden mit den jeweiligen Ehrenzeichen, die für eine 25-, 40- oder 50jährige Zugehörigkeit zur Wehr verliehen werden. Mit der Auszeichnung soll der jahrelange, pflichtbewußte Einsatz für die Allgemeinheit anerkannt werden. Eine ganz seltene Aufgabe übernahm 1992 Stadtbrandmeister Fritz Wesche, als er den Kameraden Friedrich Klaproth für eine 60jährige Mitgliedschaft das Niedersächsische Ehrenzeichen mit der dazugehörenden Urkunde überreichte. Der Kamerad Klaproth war 20 Jahre als Kassenführer tätig gewesen.

Das Ehrenzeichen in Gold für eine 50jährige aktive Mitgliedschaft erhielten Karl Zieseniß sen. (1978). Auf eine 40jährige Zugehörigkeit zur Wehr konnten zurückblicken Heinrich Eicke (Turmstr. 3) 1978, Karl-Heinz Schmidt (Hüpeder Str. 24) und Willi Ihsen (1989), Hinrich Ellmers (1992) und Christoph Sellhorn (1993).

Die Jugendfeuerwehr

Ebenso wie die Altersgruppe entwickelte sich im Laufe der Jahre die Jugendfeuerwehr zu einem festen Bestandteil der Ortswehr.

Schon in den sechziger Jahren kam es in einzelnen Gemeinden zur Gründung von Jugendfeuerwehren. Es waren primär nicht Nachwuchssorgen, die zu den ersten Gründungen führten, sondern der Wunsch junger Menschen, in der Gemeinschaft der Feuerwehren mitzuarbeiten. Die in den ersten und folgenden Jahren organisierte Jugendarbeit erfolgte ausschließlich auf verbandlicher Ebene (Landesfeuerwehrverband).
Erst mit dem Nieders. Brandschutzgesetz vom 8.3.1978 wurden die Jugendwehren in den Feuerwehren auch vom Gesetzgeber als ein Teil der freiwilligen Feuerwehr quasi legalisiert. Nach dem Gesetz können Jugendliche, sowohl Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 18 Jahren in der Jugendwehr mitmachen. Die Jugendarbeit orientiert sich vorrangig an den Interessen und Bedürfnissen ihrer jugendlichen Mitglieder und führt diese zugleich an die Aufgaben der Feuerwehr heran.

Mit der Gründung der Jugendfeuerwehr im Jahre 1978 begann ein neues Kapitel in der Geschichte der Oerier Feuerwehr. Zu diesem Zeitpunkt gab es in mehreren Ortsteilen der Stadt Pattensen bereits Jugendfeuerwehren, so auch seit 1974 in Hüpede. Das Kommando in Oerie wollte nicht länger auf dem Gebiet der Jugendarbeit zurückstehen und plante ebenfalls die Gründung einer Jugendfeuerwehr als Teil der Ortsfeuerwehr Oerie.

Diese Absicht zu verwirklichen, war von bestimmten Voraussetzungen abhängig. Eine Jugendwehr ohne ständige Nachwuchssorgen aufzubauen, setzte voraus, daß in einem kleinen Ortsteil wie Oerie die für die Bildung einer Jugendgruppe notwendigen neun Jugendlichen in der entsprechenden Altersgruppe von 10 bis 18 Jahren vorhanden waren. Außerdem mußten neben Räumlichkeiten auch Fahrdienstmöglichkeiten für die Jugendarbeit bereitstehen und ein engagierter Kamerad gefunden werden, der das nicht einfache Amt eines Jugendfeuerwehrwartes übernahm.

Nach Vorgesprächen sah Ortsbrandmeister Heinrich Hake 1978 diese Voraussetzungen als gegeben an. Neun Jugendliche zeigten Interesse, bei der Wehr mitzumachen, so daß zumindest die Aufstellung einer Jugendgruppe gesichert war. Das traf auch für die nachfolgenden Jahre und für eine absehbare Zeit zu. Dank der Initiative des Ortsbrandmeisters war das Problem des Schulungsraumes und auch der Fahrdienst zum Transport der Jugendlichen gelöst. Mit Horst Dobslaw konnte er einen Feuerwehrmann für den Aufbau und als Leiter der Jugendfeuerwehr gewinnen, der über eine langjährige Erfahrung in der Jugendarbeit verfügte. Vor seinem Wohnungswechsel nach Oerie war H. Dobslaw Jugendwart der Ortsfeuerwehr Völksen (Stadt Springe).

Der Stadtdirektor Horst Drücker bestätigte in einem Schreiben an den Ortsbrandmeister die Zustimmung des Rates und der Verwaltung der Stadt Pattensen. Damit werde auch in Oerie einem besonderen Anliegen des Rates und der Verwaltung entsprochen. Es erfüllt mich mit Freude, die Jugendlichen hier in guten Händen zu wissen.

Am 9.12.1978 fand die Gründungsversammlung in der Gaststätte Apel (Hüpede) statt. Ortsbrandmeister Heinrich Hake ernannte Horst Dobslaw zum Jugendfeuerwehrwart.

Unter dem Beifall der Anwesenden marschierten die neun jungen Anwärter mit ihrem Jugendwart Horst Dobslaw in den Gastraum ein , um erstmals an. einer Jahresversammlung teilzunehmen.

Die ersteJugendgruppe mit Jugendfeuerwehrwart HorstDobslaw(rechts )
(von links : Peter Schade , JürgenEllmers , KarstenRiebesarn, Rainer Schmidt,
Heinrich Hake , Andreas Zabel, Frank Wieddelmann, HeikoMüller , GunterEvler )
Die erste Jugendgruppe mit Jugendfeuerwehrwart HorstDobslaw (rechts )
(von links : Peter Schade , Jürgen Ellmers , Karsten Riebesarn, Rainer Schmidt, Heinrich Hake , Andreas Zabel, Frank Wieddelmann, Heiko Müller , Gunter Evler )

So berichtete die HAZ im Januar 1979 über das erste Auftreten der Jugendfeuerwehr in der Oerier Feuerwehrgemeinschaft:. Seit diesem Zeitpunkt sind 37 Jungen und 13 Mädchen der Wehr beigetreten. Die Stärke der Jugendgruppe schwankte in den vergangenen Jahren zwischen 7 und 19 Jugendlichen. Zwischen 1982 und 1984 sank ihre Anzahl so stark ab, das die Oerier Jugendwehr nicht mehr über die für eine Übungsgruppe notwendigen neun Jugendlichen verfügte. In dieser für die Oerier Wehr kritischen Zeit half die Ortsfeuerwehr Hüpede mit einigen Jugendlichen aus, damit in Oerie die Aufstellung einer Gruppe möglich war. Erst der Beschluß des Kommandos im Jahre 1986, Mädchen in die Jugendwehr. aufzunehmen, ließ die Mitgliederzahl wieder ansteigen; sie erreichte 1990 mit 19 Jugendlichen (10 Mädchen, 9 Jungen) ihren bisherigen Höchststand. Momentan gehören der Jugendwehr 12 Mitglieder an (3 Mädchen, 9 Jungen).

Eine Statistik gibt Aufschluß über die Mitgliederbewegung im Zeitraum von 1978 bis 1996:

Von 39 Jugendlichen, die bisher den Dienst in der Jugendwehr durch laufen haben, sind 54 % in den aktiven Dienst übernommen worden, 42 % sind vor der Übernahme ausgeschieden und 43 % sind später wieder aus der Wehr ausgetreten.

Zur Zeit gehören 33 % der ehemaligen Jugenfeuerwehrmitglieder der aktiven Wehr an. Wenn man von der Zielsetzung ausgeht, möglichst viele Jugendfeuerwehrangehörige für den Feuerwehrdienst und für den Dienst am Nächsten zu gewinnen , erscheint die Erfolgsquote der Nachwuchsarbeit äußerst gering zu sein. Sie erhält eine positive Bewertung, wenn berücksichtigt wird, daß augenblicklich ein Drittel aller Aktiven der Ortswehr über die Jugendfeuerwehr den Weg in die Freiwillige Feuerwehr gefunden haben und daß sie bei der Übernahme schon über feuerwehrtechnische Grundkenntnisse verfügten, die für eine spätere Feuerwehrarbeit nötig sind. Daß die Oerier Ortswehr zur Zeit einen hohen Leistungsstand ihrer Aktiven aufweist, dazu hat die vorausgegangene Ausbildung in der Jugendfeuerwehr beigetragen.

Außerdem darf bei einer kritischen Betrachtung nicht außer acht gelassen werden, daß die Jugendfeuerwehr nach den Richtlinien des Deutschen Jugendfeuerwehrverbandes (DJF) keine reine Nachwuchsorganisation der Feuerwehren ist.

... mit Maskottchen
… mit Maskottchen

Neben der Zielsetzung, eine fachbezogene Nachwuchsförderung zu betreiben, steht im Vordergrund jeder Jugendfeuerwehrarbeit eine an den Interessen und Bedürfnissen orientierte Jugendarbeit. Die DJF hat sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten u.a. zum Ziel gesetzt, die ihr anvertrauten Jugendlichen zur tätigen Nächstenhilfe anzuhalten, das Gemeinschaftsleben und die demokratische Lebensform zu pflegen und zu fördern.

Die Aktivitäten der Jugendfeuerwehr

Die Oerier Jugendwehr kann auf eine gute und vielseitige Arbeit seit ihrer Gründung zurückblicken. Einmal in der Woche (dienstags) treffen sich die Jugendlichen zum Gruppenabend, sowohl zur feuerwehrtechnischen Ausbildung als auch zur allgemeinen Jugendarbeit. Im Winterhalbjahr ändert sich der Rythmus; die Jugendgruppe fährt jeden 2. Dienstag im Monat zum Schwimmen ins Pattenser Hallenbad und jeden 4. Dienstag zum Sport in die Hüpeder Sporthalle.

Die feuerwehrtechnische Ausbildung besteht in den Wintermonaten aus theoretischem Unterricht und Gerätekunde, im Sommer aus praktischen Übungen. Einblicke in das „Wie“ der Ausbildung geben Ausschnitte aus dem Ausbildungskonzept der Jugendfeuerwehrwarte.

– Übung eines Löschangriffs

– Gerätekunde

– Der Verbrennungsprozeß

– Einweisung und Information über Anordnung der Geräte im Feuerwehrfahrzeug

– Filmvorführung über die allgemeine Unfallbelehrung

Jugendfeuerwehrwart Dirk Wolters berichtete im Jahresbericht 1995 detailiert über die Art und Weise der Ausbildung:

Bei der theoretischen Ausbildung werden die neuen Wettkampfbestimmungen besprochen und auf dem Spielbrett geübt.
Besonders beim Funken mit unserer Übungsanlage oder auch mit unseren Handfunksprechgeräten zeigten die Jugendlichen sehr viel Interesse. Nach einer kurzen theoretischen Unterweisung wurden die Funkgeräte mit viel Phantasie benutzt. Beim „Spiel des Wissens“ wurden per Funk Fragen gestellt und beantwortet. Und eine Schnitzeljagd mit Funkgeräten ist auch sehr interessant.

Über den regelmäßigen Übungsdienst hinaus beteiligte sich die Jugendwehr alljährlich im Frühjahr und Herbst an Wettkämpfen, bei denen sich die Jugendlichen mit anderen Jugendgruppen messen können.

Der erste Wettkampf, an dem die Jugendgruppe nach der Gründung teilnahm, fand am 8.5.1979 in Bad Münder statt. Mit großem Eifer hatten die Jugendlichen inzwischen mit der Ausbildung begonnen, übten für die Wettkämpfe und sahen mit großen Erwartungen dem Vergleich entgegen. Doch bot sich hier für sie eine unerwartete Situation. Die Wettkampf-bestimmungen, nach denen die Übungen in Bad Münder durchgeführt wurden, waren der Oerier Gruppe völlig fremd. Die Jugendlichen ließen sich nicht entmutigen und gaben ihr Bestes.
Schon wenige Wochen später, am 26.5.1979, schafften sie beim Bundeswettkampf in Springe einen beachtlichen dritten Platz. Mit dieser Leistung qualifizierten sie sich – und das schon nach einer dreimonatigen Ausbildung – für die Kreisausscheidung. In der folgenden Zeit reihte sich Erfolg an Erfolg, so wurden 1. Plätze in Alferde, Reden und Oerie errungen. So machte das Üben Spaß und ließ ein die Kameradschaft förderndes Wettkampfgefühl entstehen.

Wettkampf

Urkunden und Pokale, die im Jugendraum ausgestellt sind, legen ein Zeugnis davon ab, daß die Jugendwehr in der Folgezeit in Wettkämpfen gute Plätze belegt hat.

Wettkampf

Ein besonderes Wettkampferlebnis war der von der Jugendwehr Oerie ausgearbeitete Leistungsmarsch, den sie aus Anlaß ihres 15jährigen Bestehens am 15.5.1993 durchführte. Dazu hatten sich 14 Gruppen aus den verschiedenen Ortsfeuerwehren des Landkreises angemeldet. Die jeweils neun Jungen und Mädchen der einzelnen Gruppen mußten verschiedene Kontrollpunkte passieren und nicht nur ihr feuerwehrtechnisches Wissen beweisen, sondern auch Geschicklichkeitsübungen bewältigen und Fragen des Allgemeinwissens beantworten.Absoluter ,,Renner“ im Fragenkatalog war eine der Fernsehsendung ,Dingsda“ abgeschaute Übung. Hier schieden sich die Geister. Nicht immer gelang es den Jungen und Mädchen, die verschiedenen Begriffe richtig zu deuten. Am Ende hatte die Gruppe aus Ingeln-Oesselse eindeutig die Nase vom. Als Preise hatten sich die Verantwortlichen diesmal keine Pokale, sondern nützliche Sportgeräte einfallen lassen.
Eine Begebenheit soll aufzeigen, mit welcher innerer Spannung für die Jugendlichen ein Wettkampf abläuft:

Es regnete in Strömen, aber dafür konnte der Wettkampf in Schulenburg nicht spannender sein. Unsere Jugendwehr mußte gleich als erstes starten. Bei Null Fehlern, gutem Gesamteindruck und einer Übungszeit unter 8 Minuten fiihlten wir uns fast schon wie die Sieger. Aber nachdem Pattensen und dann noch Schulenburg eine ebensogute Wettkampfiibung vorgefiihrt hatten, fingen alle an zu rechnen. In der Zeit bis zur Preisverleihung konnte man Kommentare hören wie:,,Mist, die sind ja alle viel jünger als wir !“

(Aus dem Jahresbericht des Jugendwartes 1995)

Und so war es dann auch. Die ersten drei Jugendfeuerwehrenhatten die gleiche Punktzahl. Aufgrund des Durchschnittsalters wurde Schulenburg erster, Oerie zweiter und Pattensen dritter Sieger.

Durch zahlreiche Aktivitäten leistet die Jugendwehr auch einen Beitrag zum Schutze der Umwelt. Auf diese Weise werden die jungen Menschen für den überlebenswichtigen Schutz der Umwelt sensibilisiert und auf die Wichtigkeit eigenen Tuns hingewiesen. Sie fertigten 1981 Nistkästen für Singvögel an und hängten sie in der Feldmark auf. Mehrmal im Laufe der Jahre reinigten sie in der Feldmark und im Oerier Walde Gräben und Wege von Müll und Unrat. Anläßlich des Tages der Umwelt führten sie Baumpflanzaktionen durch. Sie beteiligten sich an einer Aktion der Stadtjugendfeuerwehr in Pattensen, bei der 750 Büsche gepflanzt wurden.

Aile zwei Jahre fmdet der Bundeswettkampf der Jugendfeuerwehren statt. Im Vordergrund des Wettbewerbes steht der Olympische Gedanke „Dabei sein ist alles! “ Der Wettkampf ist auf eine Gruppenleistung ausgerichtet. Er besteht aus einem A-Teil (Hindernisübung) , wo Hindernisse zu überwinden, Schläuche zu verlegen und spezielle Knoten zu binden sind. Der B-Teil, ein 1500 rn-Lauf, ist von den neun Gruppenmitgliedern in frei festzulegenden Teilstrecken zu absolvieren . Der C-Teil fordert eine praktische Übung, deren Wettbewerbsbestimmungen nach der Einsatz- und Ausbildungsanleitung ,,Die Gruppe im Löschwesen“ alle zwei Jahre gewechselt wird, um den Wettkampfneu zu beleben.

Oerier Gruppen belegten 1979 einen dritten Platz beim Bundeswettkampf in Springe, 1984 auf Stadtebene in Pattensen einen ersten Platz und qualifizierten sich mit diesen Leistungen für die Kreisausscheidungen.

Zum Abschluß der Jugendfeuerwehrzeit sollte jedes Mitglied an dem Erwerb der Leistungsspange der Deutschen Jugendfeuerwehr herangeführt werden. Die Leistungs-spange ist die höchste Auszeichnung, die in der Jugendwehr an Jugendliche vergeben wird. Sie soll Prüfstein und Auszeichnung für junge Menschen sein, die sich schon frühzeitig als Einzelne in einer Gemeinschaft und ihre Ordnung einfügen, in ihr Verantwortung und Pflichten übernehmen und sich zur praktischen Hilfstätigkeit an Menschen vorbereiten.

Leistungsspange des Deutschen Jugendfeuerwehrverbandes
Leistungsspange des Deutschen Jugendfeuerwehrverbandes

Der Erwerb der Leistungsspange erfordert eine sechsfache Leistung: Das Auslegen einer Schlauchleitung als Schnelligkeitsübung, das Stoßen einer Kugel über 55 m (kumulierte Gruppenleistung), einen Staffellauf über 1500 m, das Vortragen eines Löschangriffes, die Beantwortung von Fragen aus dem Bereich Feuerwehr und Gesellschaftspolitik und der Gesamteindruck. Die einzelnen Leistungen werden nach Punkten bewertet; maximal 24 Punkte sind erreichbar, die Mindestpunktzahl zum Erwerb der Spange beträgt 10 Punkte. Die Leistungsspange ist nur in der Gruppe zu erwerben; die Gemeinschaft, die Gruppe rückt in den Vordergrund. Hier wird wird eine Gemeinschaftsleistung gefordert, bei der der Stärkere dem Schwächeren hilft; hier wird aber auch deutlich, wie wichtig die Kameradschaft und das füreinander eintreten ist, aber auch , sich aufeinander verlassen zu können.

Seit der Gründung haben 29 Jugendliche der Oerier Jungendwehr die Leistungsspange erworben. Bei der Leistungsabnahme am 24.5.1980 bestand die für Oerie gemeldete Gruppe nur aus Oerier Jugendlichen. Später war eine Teilnahme nur durch eine Zusammenarbeit mit der Hüpeder Ortswehr zu erreichen . Sie bildeten dann eine gemischte Wettkampfgruppe, so am 17.7.1985 in Springe ; ihr gehörten 8 Jugendliche aus Oerie an. Im Jahre 1989 gehörten 5 Oerier und 4 Hüpeder der gemischten Gruppe an, ebenso bei der Abnahme am 3.7.1994.

Die Zusammenarbeit mit der Hüpeder Wehr erforderte eine abgestimmte Planung: Gleich zu Jahresbeginn wurden die Jungen und Mädchen bei den Jugendwehren in Wettkampfgruppen eingeteilt, wobei eine gemischte Leistungsspangengruppe und je eine Oerier und Hüpeder Gruppe gebildet wurde.

Der Slogan der Jungendfeuerwehr „Für jeden etwas“ findet seine Bestätigung in der allgemeinen Jugendarbeit. Zu ihr gehören neben den sportlichen Aktivitäten, wie Teilnahme an Tischtennisturnieren und Schwimmwettkämpfen, Spiel-, Grill- und Videoabende, sowie Kino- und Theaterbesuche, z.B. Tagesausflüge zu den Karl-May-Festspielen nach Elspe (Sauerland).

Sehr viele Aktivitäten, die eine größere Organisation erfordern, werden von den 6 Jugendfeuerwehren der Stadtfeuerwehr Pattensen gemeinsam durchgeführt. So auch die sportlichen Wettkämpfe. Während bei den üblichen Feuerwehrwettbewerben das Können der Gruppe im Vordergrund steht, kommt es bei diesen Turnieren sehr auf die Einzelleistung an. Bei den Tischtennisturnieren erhielten Oerier Jungen und Mädchen mehrmals Pokale und Urkunden ausgehändigt. Auch bei den Schwimmwettkämpfen, bei denen neben dem Einzel- auch Staffelwettkämpfe stattfanden, errangen sie beachtliche Erfolge. Besonders zu erwähnen ist der Staffelsieg im Jahre 1990, weil hier erstmalig eine aus Mädchen gebildete Staffel gewann.

Ein besonderes Erlebnis für Jugendliche sind die Zeltlager und die Ferienfreizeiten, die die Stadtjugendfeuerwehr in den Sommenferien ausrichtet. In diesen Tagen wird die Kameradschaft und das Verständnis unter den Jugendlichen der Ortswehren gepflegt und gefördert. Auch die Oerier Jugendwehr beteiligte sich an diesen mehrtägigen Fahrten ins Zeltlager am Bruchsee (1980), am Hüttensee (1985), und an den Finnhütten (1988), sowie an den Jugendfreizeiten in der Jugendherberge Walddeck am Edersee in Hessen (1990) und in Ottemdorf (1995). Über die Jugendfreizeit 1995 in Otterndorf berichtete der Jugendfeuerwehrwart auf der Jahresversammlung am 9.1.1996:

Die 49 Jugendlichen (darunter 4 Oerier) und die 18 Betreuer waren im Zeltdorf „Stöcken“ in insgesamt 7 Zelten untergebracht. Neben Vollpension mit Essen auf Rädern, war ein musikalischer Weckdienst; Schwimmen im See, Kanufahren, Segeln, allabendlicher Zapfenstreich, eine Nachtwanderung, Toilettendienst und Abwaschen im Preis inbegriffen. Daneben wurden viele Aktivitäten von den Betreuern angeboten. Es fand eine Lagerolympiade mit dem klassischen 7-Kampf statt (Fußballtennis, Völkerball, Staffellauf mit Zielspritzen, Krökeln, Dart, Fußgänger -Rallye und Zeltaufräumen). Die gelungene Jugendfreizeit wurde dann mit einem Grillabend am Lagerfeuer abgeschlossen.

Höhepunkte zur Förderung der Kameradschaft auf Ortsebene waren gemeinsame Grillabende und die alljährlich stattfindende Weihnachtsfeier. Zum Grillfest vor Beginn der Sommerferien laden die Jugendfeuerwehrwarte jüngereSchulkinder des Ortes ein, um die Kinder für die Jugendfeuerwehrarbeit zu gewinnen. Der Nachwuchsforderung diente auch die angebotene Möglichkeit, daß eine aus diesen Kindern gebildete Nachwuchsgruppe in Begleitung ihrer Eltern sich an einem Leistungsmarsch der Jugendfeuerwehr beteiligen konnte.

In diesem Zusammenhang steht die gute Zusammenarbeit mit der Grundschule in Hüpede. Schüler der 3. bzw. der 4. Klasse besuchten die Feuerwehr und ihre Einrichtungen , wenn im Sachunterricht das Thema Feuerwehr behandelt wurde. Dabei verfolgten die Kinder mit großem Interesse die Aufgaben der Feuerwehr. Beim letzten Besuch bedankten sich die Kinder mit einem selbstgemalten Bild.

Im Jahre 1988 beging die Jugendfeuerwehr ihr 10 jähriges, 1993 ihr 15jähriges Jubiläum. Über das 10jährige Bestehen berichtete das Leine-Echo am 28.10.1988 u.a.: Aus Anlaß dieses Jubiläums hatte Jugendfeuerwehrwart Andress Ohlendorf zu Wettkämpfen und einer Fußgängerrallye eingeladen. Ein „besonderer Bonbon“ war für Oerie eine Live Übertragung von NDR Radio Niedersachsen von den Wettkämpfen der Jugendfeuerwehr. Erstaunt zeigte sich der Moderator, als Horst Dobslaw erzählte, daß von den zwölf Mitgliedern der Jugendfeuerwehr Oerie allein acht Mädchen sind, die genauso ihren ,,Mann stehen“ , wie ihre männlichen Kameraden.

Über das 15jährige Jubiläum, bei dem die ,jungen“ und die „alten“ Kameraden – die Jugendfeuerwehr und die Altersabteilung – eng zusammenarbeiteten, berichtete die HAZ am 25.8.1993 folgendes:

Zwei Feuerwehrereignisse bestimmten das Straßenbild der Pattenser Ortschaft Oerie. Die Jugendfeuerwehr beging ihr 15jähriges Bestehen mit einem Leistungsmarsch, und die Altersabteilung zeigte in verschiedenen Vorführungen, daß ihre in diesen Tagen 50 Jahre alt gewordeue Flader-Tragkraftspritze durchaus noch gebrauchstüchtig ist.

Wlr sind zwar nicht die größte Ortsfeuerwehr der Stadt Pattensen; aber auf unsere Jugendfeuerwehr sind wir stolz, erklärte Ortsbrandmeister Horst Dobslaw dem Reporter der Zeitung. Diese Meinung vertritt auch die Dorfgemeinschaft.
Sie unterstützte die Jugendarbeit durch Geld- und Sachspenden. Die Frauen der Dorfgemeinschaft stifteten zu dem Jubiläum 1988 einen Wimpel, 1993 Holzbänke und einen dazugehörigen Tisch, die hinter dem Feuerwehrhaus stehen.

Daß in der Jugendfeuerwehr seit ihrem Bestehen sinnvolle und gezielte Jugendarbeit geleistet wurde, ist das Verdienst der Betreuerirmen und Betreuer, die mit großem Engagement diese anspruchsvolle Aufgabe übernahmen. Nach der Gründung 1978 baute Horst Dobslaw die Jugendwehr auf, leitete sie bis zu seiner Wahl zum Ortsbrandmeister. Zu seinem Nachfolger wählte 1986 das Kommando Andreas Ohlendorf, den heutigen Stadtjugendfeuerwehrwart. Seit 1991 nimmt Dirk Wolters das Amt des Jugendfeuerwehrwartes wahr. Dem Ausbildungsteam gehörten zwischenzeitlich Andreas Ohlendorf, Dirk Wolters , Sascha Tschirch , Dagmar Ernst und Holger Mensing an. Besonders hervorzuheben ist, daß der derzeitige Jugendwart Dirk Wolters und sein Ausbildungsteam Dagmar Ernst und Holger Mensing aus der Jugendfeuerwehr Oerie hervorgegangen sind.

Die Arbeit der Jugendbetreuer weiß man erst recht zu würdigen, wenn man erfährt, wieviele Stunden ihrer Freizeit sie für die Jugendarbeit ehrenamtlich opfern. Im Jahresbericht 1991 wird festgehalten, daß die Jugendwehr in diesem Jahre an 100 Tagen technische Ausbildung und allgemeine Jugendarbeit geleistet hat. Andreas Ohlendorf und Dirk Wolters verbrachten mehrfach mit Ehefrau bzw. Partnerin ihre Urlaubstage in Freizeiten der Stadtjugendfeuerwehr, um dort die Jugendlichen zu betreuen .

Die stets bewiesene Opfer- und Einsatzbereitschaft und die erfolgreiche Arbeit ihrer Jugendbetreuer hat es die Ortsfeuerwehr in Oerie zu verdanken, daß ihre Jugendfeuerwehr nicht nur eine Nachwuchsorganisation ist, sondern wegen ihrer Vielfältigkeiteine echte Alternative zu den Freizeitangeboten für Jugendliche.

Das Ausbildungsteam und Mitglieder der Jugendgruppe 1996
Das Ausbildungsteam und Mitgliederder Jugendgruppe 1996 vor einem selbstangefertigten Nachbau einer alten Handdruckspritze

Die gesellschaftliche und kulturelle Komponente

In der Zusammenarbeit mit anderen Ortswehren der Stadtfeuerwehr besteht eine besonders nahe Verbindung zur Ortswehr Hüpede, schon bedingt durch die Ver knüpfung beider Ortsteile in anderen Bereichen. So bilden sie eine gemeinsameKirchengemeinde, wählen gemeinsam einen Ortsrat, ihre Kinder besuchen dieselbe Grundschule und denselben Kinderspielkreis, etliche ihrer Ortsbewohner gehören denselben Vereinen und Verbänden an. Eine Ausnahme bildet – neben den landwirtschaftlichen Realverbänden – eine eigenständige Ortsfeuerwehr in beiden Ortsteilen.

Beide Ortswehren pflegen gutnachbarschaftliche Beziehungen. Ihre Ortsbrandmeister nehmen an den Jahreshauptversammlungen der anderen Wehr teil. Abordnungen besuchen gegenseitig den Frühschoppen der einen Wehr im Oerier sowie der anderen Wehr im Hüpeder Wald. Jährlich kommt es zu einem Vergleichs-Fußballspiel zwischen den beiden Wehren. An diesem Tage umsäumen eine große Anzahl von Zuschauern aus beiden Lagern das Spielfeld auf dem Sportplatz in Hüpede und „feuern“ lautstark ihre Mannschaft an. Trotz aller verständlichen Rivalität, die wohl immer bei derartigen Anlässen zwischen zwei benachbarten Orten auftreten, herrscht hier bei beiden Mannschaften ein gesundes Streben nach Erfolgen vor. Nach dem fairen Spiel treffen sich die Mannschaften zu einem gemeinsamen Essen und in der geselligen Runde wird natürlich über den Verlauf und den Ausgang des Spieles debattiert und oft ist der bekannte Satz: „Wenn … , dann … „zu hören.

Ein ähnlicher Vorgang führte auf dem Feuerwehrfest 1986 in Oerie zu einer Wette zwischen beiden Wehren. Sie kam zustande, weil die Oerier Feuerwehrleute behaupteten, die Hüpeder Gruppe hätte den Leistungswettkampf nicht gewonnen, wenn die Übungen unter gleichen Bedingungen abgelaufen wären. Im Jahresbericht 1986 ist darüber zu lesen:

Am 25.10.1986 fand der Wettkampfgegen die Feuerwehr Hüpede statt, es wurde eine beim Feuerwehrfest in Oerie ausgehandelte Wette, mit gleichem Fahrzeug und Gerät eine Übung durchzuführen, ausgetragen. Knapper Sieger wurde die Hüpedcr Gruppe. Abends wurde bei einem warmen Essen noch heftig diskutiert.

Über die Stadtgrenze hinaus bestehen freundschaftliche Kontakte zu anderen Feuerwehren . So nahm die Oerier Wehr 1984 am 100jährigen Stiftungsfest der Löschgruppe Westig bei Iserlohn teil. Zu diesem Fest hatte der Kamerad Hans-Friedrich Wullkopf eingeladen; er war ehemals stellvertretender Ortsbrandmeister in Oerie bevor er Brandmeister in Westig wurde. Die Oerier Feuerwehrleute und deren Angehörige verbanden die Teilnahme mit einer zweitägigen Fahrt ins Sauerland. Abordnungen der Löschgruppe Westig erwiderten den Besuch – ebenfalls mit Angehörigen – zu den Feuerwehrfesten der Oerier Ortswehr 1986 und 1991. Der Westiger Löschgruppenfiihrer sowie Hans-Friedrich Wullkopf überreichten auf der Jahresversammlung 1986 je einen Präsentkorb an den scheidenden Oerier Ortsbrandmeister Heinrich Hake und unterstrichen dabei die freundschaftlichen Bindungen beider Wehren.

Die Stadtfeuerwehr pflegt gute Kontakte zu der Feuerwehr der französischen Partnerstadt von Pattensen Saint Aubin les Elbeuf. An den Begegnungen beider Wehren sind auch Oerier Feuerwehrleute beteiligt. Mit der Zeit haben sich enge familiäre Freundschaften zwischen Mitgliedern beider Wehren entwickelt.

Mit ihren vielseitigen gesellschaftlichen Aktivitäten – über die nachfolgend berichtet wird – nimmt die Ortswehr eine wichtige Aufgabe wahr, die für die Gemeinschaft und die kulturelle Identität des Ortsteils Oerie nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Als einzige nur im Ort ansässige Organisation pflegt und fordert sie das nachbarschaftsbezogene Zusammenleben und ist heute innerhalb der Großgemeinde der Träger der örtlichen dörflichen Gemeinschaftspflege.

In der Gemeinde Oerie gehörte es seit jeher zur Tradition, zu Ostern ein Osterfeuer zu entfachen. Die Bezeichnung eines Feldweges als Osterfeuerweg weist auf den alten Brauch hin und gibt zugleich den Standort des Geschehens wieder. Seit 1977 übernimmt die Wehr diese Aufgabe und richtet seitdem am Ostersonnabend das Osterfeuer aus. Sie verlegte den Abbrandplatz hinter den Oerier Wald.
Das Ereignis findet alljährlich einen guten Zuspruch aus der Bevölkerung, sowohl der örtlichen als auch aus der näheren Umgebung, besonders aus dem Nachbarort Hüpede. Für das leibliche Wohl an diesem Abend sorgen die Kameraden und Kameradinnen der Wehr mit Bratwurst und Getränken, bei kühlerer Witterung wird zur Erwärmung Glühwein angeboten.

Für die Feuerwehrleute bedeutet der Abbrand des Osterfeuers einen beträchtlichen Arbeitsaufwand, der mit der Anfuhr, dem Aufstapeln und Umsetzen des Brennmaterials und dem Aufräumen der Brandstelle nach dem Abbrennen einhergeht. 1986 gab es eine böse Überraschung, als man in den verbleibenden Brandresten schwerbrennbare Stoffe und Unrat fand, die unter erheblichen finanziellen Kosten ordnungsgemäß entsorgt werden mußten. Daraufhin wurde für die kommenden Jahre die Anfuhr des Brennmaterials reglementiert: Es dürfen nur leicht brennbare Materialien (Buschwerk, Obstbaumschnitt) zu zuvor bekanntgegebenen Zeiten in der Woche vor Ostern angeliefert werden. Die Anlieferung wird überwacht. Die Menge wird auf 30 – 40 landwirtschaftliche Anhänger begrenzt. Für die Deckung der Kosten wird eine Gebühr von 10 DM pro Anhänger erhoben. Um wildes Abladen zu verhindern, wird der Osterfeuerplatz weiträumig abgesperrt und überwacht.

Regen Zuspruchs erfreut sich der Frühlingstreff am Pfingstsonntag im Oerier Wald, um so mehr, als er sich mit der Zeit von einem Frühschoppen zu einem Familientag der Dorfgemeinschaft entwickelt hat. Nach absolvierten Spaziergängen und Radtouren trifft man sich im schönen Oerier Buchenwald; hier laden ein aufgebauter Getränkestand, aufgestellte Tische und Bänke zu Geselligkeit und Unterhaltung ein. Ab 10 Uhr beginnt der gemütliche Treff; die Kameradinnen und Kameraden der Wehr bieten rustikale Verpflegung vom Grill sowie Getränke jeglicher Art an, mit der der Hunger und der Durst gleichermaßen gestillt werden. Nachmittags läd ein von den Frauen der Aktiven aufgebautes Kuchenbufett zum Kaffeetrinken im Freien ein, mit einem reichhaltigen Angebot von selbstgebackenem Kuchen und Torten.

Mittlerweile gehört es zur Tradition , daß die Freiwillige Feuerwehr alle 5 Jahre ihre Jubiläen mit einem dreitägigen Zeltfest feiert. An diesen Wochenenden steht das Dorf ganz im Zeichen der Feuerwehr. Was den zeitlichen Ablauf angeht, ist der große Rahmen des Festprogrammes nahezu eine Kopie der vorangegangenen Feste bestehend aus den Leistungswettkämpfen, der Kranzniederlegung am Ehrenmal, dem Kommersabend, dem Festzug durch das Dorf, dem Kinderumzug , dem Katerfrühstück, dem Senioren- und Familientag und dem Tanz im Festzeit. Doch treten bei diesen Anlässen immer wieder einmal Ereignisse besonderer Art auf, die über den allgemeinen Ablauf hinausgehen.

So geschah es 1976, als am Kommers die vorgesehene Siegerehrung verschoben werden mußte, weil die für die siegreichen Gruppen gestifteten Pokale fehlten.

Gruppenbild 1976 , 80jährigesJubiläum
Gruppenbild 1976 , 80 jähriges Jubiläum

Bei der Suche nach ihnen stellte sich heraus, daß die Pokale sich zwar in einer Stadt namens Pattensen befanden , aber nicht in Pattensen an der Leine, sondern auf dem Postamt in Pattensen/Luhe in der Lüneburger Heide. Um so überraschter war Ortsbrandmeister Heinrich Hake, als er nach dem Festumzug am nächsten Tag in das Zelt einzog und die in der Feme geglaubten Pokale schön aufgereiht auf einem Tisch vorfand. Der Geschäftsmann aus Pattensen/Leine, bei dem die Pokale bestellt worden waren, war noch am Kommersabend mit dem Auto nach Pattensen/Luhe gefahren und hatte die Pokale – wie auch immer – vom Postamt abgeholt. So konnten nach den Begrüßungsworten auf dem Zelt den siegreichen Gruppen die Pokale noch ausgehändigt werden.

Wegen des günstigen Termins des Feuerwehrfestes am 2. – 4. Mai 1981 organiierte der Festwirt am Vorabend des 1. Mai eine Disco in den bereits aufgestellten Festzelten. Bis auf kleine übliche Rangeleien, die von den Feuerwehrkameraden schon im Keim erstickt wurden, verlief der Abend recht harmonisch.

Auf dem Jubiläumsfest 1986 bekräftigte eine Frauengruppe ihr Verständnis und ihre Unterstützung für die Feuerwehrarbeit ihrer Ehemänner und Partner durch Teilnahme an den Leistungswettkämpfen. Die neun Frauen und Mädchen mit Helga Schmidt als Gruppenführerin traten hier nicht als weibliche Konkurrenten an, sondern sorgten mit einer gelungenen Schauübung für eine sehenswerte Abwechslung zum Abschluß der Wettkämpfe. Ihre „Grundausbildung“ für den Wettkampf erhielten sie in mehreren Übungsstunden vom damaligen Jugendfeuerwehrwart Horst Dobslaw.

1986 feierte die Oerier Wehr ihr 90jähriges Bestehen und richtete aus diesem Anlaß auch das Stadtfeuerwehrfest aus. Am Kommers im FestzeIt überreichte Bürgermeister Horst Morawitzki dem Ortsbrandrneister als Geburtstagsgeschenk eine Uhr für den Gemeinschaftsraum im Feuerwehrhaus.

Am Kommersabend 1986 und auch 1991 nahm eine Delegation der befreundeten Feuerwehr aus Westig teil. Auch hier (bei den Zeltfesten) haben die Frauen unserer Feuerwehrkameraden gezeigt daß, wir eine Gemeinschaft sind, hielt Ortsbrandmeister Dobslaw als Fazit im Jahresbericht fest, als er an die Hilfeleistungen der Frauen erinnerte und ihre Aktivitäten aufzählte:

Sie haben unsere Gäste aus Westig im Schulungsraum mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Sie ließen es sich nicht nehmen , die durch das kalte windige Wetter durchgefrorenen Wettkampfrichter mit heißen Getränken und Mettbrötchen zu stärken. Sie richteten am Senioren- und Familiennachmittag im Zelt das Kuchenbuffet aus.

Den Erlös aus dem Verkauf spendeten sie dem Förderverein Kindergarten Hüpede/Oerie der Ortsbrandmeister konnte einen Scheck in Höhe von 730 DM überreichen.
Vereinsinterne gesellschaftliche Veranstaltungen ergänzten das breitgefächerte jährliche Dienstprogramm der Ortswehr.

An jedem 3. Sonnabend im neuen Jahr hält die Wehr ihre Jahreshauptversammlung ab, die seit 1974 in der Gastwirtschaft Bortfeld in Hüpede stattfindet und an der bisher wenigstens 4/5 aller Mitglieder teilnahmen. Im Mittelpunkt der Jahresversammlungen stehen Rückblicke und Ausblicke auf die Arbeit sowie Ehrungen und Beförderungen langjähriger und verdienter Mitglieder . Den Abschluß bildet ein gemeinsames Essen und ein geselliges Beisammensein.
Fast in jedem Jahr (meist im Februar) treffen sich die aktiven Kameradinnen und Kameraden zu ihrem traditionellen Gruppenfest, zu dem auch ihre Partnerinnen und Partner eingeladen werden.An diesem Abend beherrschen Froh- und Gemeinsinn die Szenerie. Bei warmem Essen sowie Tanz und guter Laune wird oft bis in die frühen Morgenstunden in der Gastwirtschaft Thöl in Hüpede gefeiert. Die Organisatoren versuchen in den letzten Jahren mit immer neuen Ideen den Abend abwechslungsreich zu gestalten, so standen z. B. ein Lumpenball, eine Kamevalsveranstaltung, die mit einer Büttenrede abschloß, auf dem Programm.

Den Vatertag am Himmelfahrtstag gemeinsam im Oerier Wald zu feiern, gehörte schon seit Jahren zum festen Jahresprogramm der Wehr. Auch hier änderte sich die Veranstaltungsform. Seit 1986 begehen die Kameraden den Vatertag mit einer Wanderung durch den Oerier und Jeinser Wald mit anschließender Grillparty. Die Wanderung fand so großen Anklang, daß das Kommando im Herbst 1993 einen Familienwandertag anbot und bei reger Beteiligung durchführte.

In den Sommermonaten folgt die Wehr Einladungen befreundeter Wehren zu deren Feuerwehrfesten. Seit ihrer Gründung gilt es als bester Beweis für die in der Feuerwehr herrschende Kameradschaft, daß sich die Wehren zu diesen Anlässen gegenseitig unterstützen. Die Oerier Wehr nahm in jedem Jahr durchschnittlich an vier Veranstaltungen teil. Sie beteiligt sich hier an den angebotenen Leistungswettkämpfen und am Sonntagnachmittag mit einer Abordnung an den Ausmärschen. Auffällig in den letzten Jahren ist, daß das Interesse der Kameradinnen und Kameraden an den Ausmärschen merkbar nachläßt.

Immer bestrebt, die Pflege der Kameradschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, bot das Kommando weiterhin Ausflüge für alle Mitglieder der Wehr und ihre Partnerinnen und Partner an. Mit der Zeit ersetzten 2- bis 3 tägige Fahrten den Tagesausflug. Ganz gleich, wohin die Reise ging, an den Rhein mit Dampferfahrt (1979), an die Mosel und die Ahr (1981), ins Altmühltal mit Abstecher nach München (1987), nach Eisenach und Dresden (1990) und nach Usedom und Rügen (1992), immer war es ein voller Erfolg, bei einer Beteiligung von bis zu 65 Teilnehmern. In all den angegebenen Jahren haben die Kameraden Otto Landherr und Karl Zieseniß die Fahrten organisiert. So auch die Ausflugsfahrt für die aktiven Kameradinnen und Kameraden 1992 nach Hamburg, wo man frühmorgens den Fischmarkt besuchte und anschließend eine Stadt- und Hafenrundfahrt folgen ließ. Es sind immer Tage mit Erlebnissen gewesen, an die sich die Beteiligten gern erinnern.

Einen Dämpfer für die Planung von Fahrten erlebte das Kommando 1994, als eine angesetzte 3tägige Fahrt in die Fränkische Schweiz wegen zahlreicherAbsagen kurz vor Antritt der Reise storniert werden mußte.

Die Ortsfeuervvehr initiierte nicht nur selbst zahlreiche Beiträge zum aktiven Dorfleben, sondern sie beteiligte sich außerdem an den Aktivitäten anderer Vereine und Organisationen in den beiden Ortsteilen Oerie und Hüpede. Sie unterstützte u.a. die Aktionswochen des Fördervereins Sporthalle Hüpede und mit großem Engagement die Weihnachtsmärkte des Fördervereins Kindergarten Hüpede/Oerie. Die Mithilfe der Wehr beim 1. Weihnachtsmarkt hielt Ortsbrandmeister Dobslaw in seinem Jahresbericht 1990 fest:

Unsere Jugendwehr führte eine Glücksradaktion durch und wir boten den Kindern an, Stockbrot über einem Lagerfeuer zu rösten.
Beim Auf- und Abbau der Stände und Zelte sowie bei der Verlegung von Kabeln und beim Aufhängen von Lichterketten zeigten wir nicht nur Engagement fiir unsere eigenen Aktionen, sondem es wurde auch die Notwendigkeit erkannt, anderen zu helfen.

Teilnahme am Weihnachtsmarkt in Hüpede
Teilnahme am Weihnachtsmarkt in Hüpede

Weitere Mithilfe leistete die Wehr bei anderen ortschaftsbezogenen Belangen.
So übernimmt sie und die Jugendfeuerwehr alljährlich die Verkehrssicherung des Laternenumzuges anläßIich des Scheunenfestes der Dorfgemeinschaft. Zwei Feuerwehrleute sammeln in jedem Jahr für den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Anläßlich der Einweihung der neuen Schulungsräume im Jahre 1979 hatte Bürgermeister Bötger der Hoffnung Ausdruck verliehen, daß die Feuerwehrkameradinnen und kameraden diese Räumlichkeiten mit Leben erfüllen mögen. Im Laufe der Jahre zeigte sich, daß diese Erwartung voll eingetroffen war.

Über die Nutzung für dienstliche Belange hinaus entwickelten sich die Räume zu einer Stätte der dörflichen und überörtlichen Kameradschafts- und Gemeinschaftspflege und der Kommunikation sowohl für Feuerwehrleute als auch für alle anderen Mitbürgerinnen und Mitbürger der Gemeinde.

Der sogenannte Montagstreff wurde eine ständige Einrichtung. Hier treffen sich montags Gemeindemitglieder – nicht ausschließlich Feuerwehrleute – zum gemütlichen Beisammensein. Gespräche, Diskussionenund Austausch über wechselnde Themen im wechselnden Teilnehmerkreis bilden die Basis der zwanglosen Zusammenkünfte. Die Räume werden dann zu einer Informationsbörse für Aktualitäten jeder Art.

Für die Sauberhaltung der Räune sorgen die Feuerwehrleute selbst. Am Anfang jeden Jahres wird ein Reinigungsplan aufgestellt, in dem für jeden Monat vier Feuerwehrleute zum Reinigungsdienst eingeteilt werden.

In den Schulungsräwnen werden Getränke zum Selbstkostenpreis ausgegeben; einige Kameraden übernehmen die Abrechnung dafür und den Einkauf.

Aus den Montagstreffs entwickelten sich zusätzliche Aktivitäten, die mit großem Erfolg jeweils in den Wintermonaten durchgeführt werden. Ab 1982 gibt es einen jährlichen Preisskat und ein Kniffelturnier für alle aktiven und passiven Mitglieder der Feuerwehr. Einige Jahre lang wurde sogar ein Schachturnier , das sich jeweils über mehrere Monate hinzog, organisiert. Die Sachpreise werden durch Startgelder finanziert, wobei sehr darauf geachtet wird, daß zum Ende der Turniere niemand mit leeren Händen nach Hause geht.

Sowohl die Montagstreffs als auch andere Veranstaltungen fiden regen Zuspruch auch bei Kameraden, die in Oerie aufgewachsen sind, der Feuerwehr angehörten oder noch heute Mitglied sind, aus familiären oder beruflichen Gründen jedoch nicht mehr im Dorf wohnen. Nach wie vor fühlen sie sich in die festgefügte Gemeinschaft der Feuerwehr eingebunden. Einzelne „auswärtige“ Kameraden leisten auch weiterhin ihren aktiven Dienst in der freiwilligen Feuerwehr Oerie.

Von Gemeinschaftssinn war auch die folgende Tat geprägt: Ein Angehöriger der Wehr schenkte 1994 seinem nicht in Oerie wohnenden Bruder – einem begeisterten Skatspieler – den Beitrag für eine 2jährige Mitgliedschaft als förderndes Mitglied, damit er am Preisskat der Feuerwehr teilnehmen konnte.

Das Dienstjahr klingt im Advent mit einer letzten Mitgliederversammlung , bei der ein Braunkohlessen im Schulungsrawn gegeben wird, aus. Die Zubereitung des Essens übernehmen hierbei die Frauen einiger Feuerwehrkameraden. Die einzelnen Gruppen, einschließlich der Jugendfeuerwehr, veranstalten im Schulungsraum ihre Weihnachtsfeiern, wobei die Altersgruppe erst nach Weihnachten mit einem gemütlichen Gruppenabend das Jahr beschließt.

Brandeinsätze

Im Berichtszeitraum wurde die Ortswehr in zunehmendem Maße neben der Brandbekärnpfung bei anderen Schadensereignissen zu Hilfe gerufen, wie aus den einzelnen Einsatzberichten ersichtlich ist. Dreimal rückte die Wehr zu Großbränden aus.

Am 19.4.1976, am Ostersonntag, brannte die Waldgaststätte auf dem Marienberg bei Schulenburg. Zur Brandbekämpfung wurde auch die Oerier Ortswehr alarmiert. Sie kam nicht zum Brandeinsatz, die Einsatzleitung setzte sie zur Verpflegungs- und Getränkeversorgung für die beteiligten Wehren ein.

Wieder am Ostersonntag, diesmal am 3.4.1977, brach im Schweinestall des Landwirts Fritz Hake ein Schadenfeuer aus. Der Alarm wurde um 22.30 Uhr ausgelöst, gerade zu dem Zeitpunkt, als in Hüpede das Ostervergnügen des Gesangvereins stattfand. Obwohl hier mehrere aktive Feuerwehrleute aus Oerie anwesend waren, die nach dem Alarmruf erst nach Oerie zurückeilen mußten, war die Ortswehr schnell am Einsatzort und konnte so ein Ausbreiten des Brandes verhindern und das Feuer löschen. Die zur Reserve herbeigerufene Hüpeder Wehr brauchte nicht eingreifen.

Am 12.11.1980 um 8.51 Uhr alarmierten die Sirenen die Feuerwehren aus den Ortsteilen Oerie, Hüpede und Pattensen. Es brannte in Oerie das Wohnhaus „Zum Walde 6“ der Familie Hielscher. Trotzdem es ein gewöhnlicherArbeitstag war, fanden sich nach kurzer Zeit 24 Oerier und 14 Hüpeder Feuerwehrleute mit ihren Einsatzgeräten an der BrandsteIle ein. Sie konnten ein Niederbrennen des Wohngebäudes nicht verhindern, aber es gelang durch den Einsatz aller Kräfte, die nahegelegenen Gebäude vor einem Übergreifen der Flammen zu schützen. Die Ortswehr Pattensen war als Reserve angefordert worden, brauchte aber nicht eingesetzt werden.

In der Silvesternacht 1989 /1990 wurde die Oerier Wehr um 0.30 Uhr zur nachbarlichen Löschhilfe gerufen. Es brannte auf dem Hofe Wesche an der Bennigser Straße in Hüpede. Dort feierten im Jugendraum zahlreiche Jugendliche Silvester. Den Brand hatte ein Feuerwerkskörper ausgelöst. Unter den Jugendlichen befanden sich etliche Feuerwehrmänner – auch aus Oerie -, die sofort Maßnahmen zum Eindämmen des Feuers einleiteten. Durch das schnelle Eingreifen der Ortswehren aus Hüpede, Oerie und Pattensen konnte ein größerer Brandschaden vermieden werden. Bei den Löscharbeiten entstand jedoch ein erheblicher Wasserschaden im Jugendraum. Eine Schlauchleitung, die durch den Jugendraum verlegt werden mußte, platzte und setzte den Raum unter Wasser. Ortsbrandmeister Heinrich Schwerdtfeger (Hüpede) bedankte sich in der Jahresversammlung der Oerier Ortswehr 1990 bei den Kameraden Hans-Jürgen Hake und Sascha Tschirch für deren Unterstützung und vorbildlichen Einsatzes vor Ort in der Anfangsphase des Brandes, wodurch eine Ausbreitung des Feuers verhindert werden konnte.

Durch Blitzeinschlag stand nach wenigen Minuten am 10.9.1993 ein Teil der Scheune beim Landwirt Erhard Paul an der Bennigser Straße in Hüpede lichterloh in Flammen. Durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehren aus den Ortsteilen Hüpede und Pattensen konnten 40 Schweine gerettet und die Mahl- und Mischanlage sowie das Wohnhaus vor den Flammen bewahrt werden.
Die Oerier Wehr wurde um 13.30 Uhr alarmiert. Kamerad Wilfried Schmidt meldete den Brand Karl Zieseniß, der sofort auf den Knopf der Alarmanlage auf seinem Hof drückte und so den Alarm auslöste. Um 13.38 Uhr rückte die Wehr aus. Als sie am Brandort eintraf, stand schon ein Teil der Scheune in voller Ausdehnung in Flammen. Kamerad Karl Zieseniß half sogleich den anwesenden Landwirten mit, die wild durcheinander rennenden Sauen aus dem Stall der brennenden Scheune zu treiben. Eine Sau verkannte wohl seine gute Absicht – sie biß ihn ins Bein .

Über den Ablauf berichtet der Ortsbrandmeister:

Wir kamen, von der Oerier Straße aus , an der Rückseite des Hofes an. Der vordere Teil der Scheune brannte. Der Hofeigentümer bat uns, den Brandeinsatz vom hinteren Teil der Scheune vorzunehmen. Hier lagerte ein großes Dieselfaß, das es zu schützen galt.

Nach dem ersten Löschversuch brach die Löschwasserversorgung in diesem Teil völlig zusammen . Wir bauten eine neue Wasserversorgung vom Hüpeder Bach auf; danach gelang es uns, ein Durchbrechen des Feuers von der Scheune zum Wohnhaus zu verhindern. Im hinteren Teil der Scheune lagerte Dünger, der sich durch das Löschwasser aufzulösen drohte. Schnell wurde von einem Mitarbeiter des Landwirts ein Anhänger herbeigeschafft und mit Hilfe unserer Kameraden der Dünger auf den Anhänger geladen. Nach dem Löschen des Feuers stellten wir Kameraden zur Brandwache bis zum nächsten Morgen ab .

Zweimal wurde die Wehr bei Schornsteinbränden in Oerie tätig: Am 21.11.1987 im Wohnhaus Hüpeder Str. 12 und am 21.1.1990 im Wohnhaus Turmstr. 7.

Im ersten Fall handelte es sich um ein älteres Haus , das nicht über isolierte Schornsteinrohre verfügte. Bei der starken Wärmeentwicklung im Schornstein bestand die Gefahr einer Brandausweitung, besonders durch die an den Schornstein angrenzenden mit Holz vertäfelten Decken. Deshalb wurde der Brand mit Hilfe eines Pulverlöschers vorsorglich erstickt. Für den Hausbesitzer zog der Löscheinsatz dennoch einige Mühewaltung nach sich für die Säuberung der Räume, in die Pulverstaub durch die Ofenanschlüsse hindurch eingedrungen war.

Beim zweiten Einsatz konnte sich die Ortswehr darauf beschränken, die Heizungsanlage abzustellen und leicht entzündbares Material vom Schornstein zu entfernen. Nach dem Abbrennen der Rußpartikel im Schornstein erlosch das Feuer von selbst. Es handelte sich um einen Schornstein mit isoliertem Innenrohr, an dem nur eine Heizungsanlage angeschlossen war.

Unbekannte hatten am 5.5.1979 Unrat, trockenes Holz und alte Reifen im Jeinser Holz angesteckt. Drei Kameraden der Ortswehr versuchten das Feuer mit einem Feuerlöscher zu ersticken und den Brandherd mit Löschwasser einzudämmen. Vier weitere Jugendliche schafften mit Eimern Wasser aus einem nahen Bach herbei. Inzwischen rückte die Pattenser Ortswehr mit ihrem TLF an; das Fahrzeug blieb jedoch kurz vor dem Brandort auf dem feuchten Zufahrtsweg stecken. Erst mit Hilfe eines Traktors erreichte das Wagen das Ziel. Die Pattenser Feuerwehr löschte das Feuer.

Am 24.5.1992 brannte auf dem Oerier Grundstück Hüpeder Str. 1 ein Pferdemisthaufen. Als Brandursache stellte man Selbstentzündung fest. Die alarmierte Feuerwehr löschte in kurzer Zeit das Feuer.

Neben den Brandeinsätzen wurde die Oerier Wehr auch bei anderen Schadensereignissen angefordert . Im Frühjahr 1979 rief man die Wehr gleich zweimal zur Hilfeleistung.

Beim Schneeräumen am 14.1. beschädigte ein Schneepflug einen Kanalisationsdeckel auf der Hüpeder Straße, dabei stürzte der Schacht teilweise ein. Die Straßenmeisterei sorgte sogleich für eine ordnungsgemäße Absicherung der Schadensstelle, die Oerier Wehr half bei den eingeleiteten Sicherungs- und Reparaturmaßnahmen.

Am 3.3.1979, durch starke Regenfälle verursacht, stand der Keller in der Hüpeder Straße 1 voll unter Wasser. Im Keller lagerten Farben und Malermaterialien. Die Feuerwehr wurde zu Hilfe gerufen, den Keller auszupumpen. Fünf Kameraden aus Oerie und zwei aus Pattensen waren von 10.30 bis 15 Uhr mit einer Tauchpumpe im Einsatz.

Beim Spielen im Oerier Wald auf einem Ansitz nahe der sogenannten Schnippelwiese stürzte am 16.3.1990 ein zehnjähriges Mädchen vom Hochsitz, so daß es sich nicht mehr allein fortbewegen konnte. Ihr Spielgefährte benachrichtigte sofort die Eltern, die einen Krankenwagen anforderten. Selbiger fuhr sich auf der Schnippelwiese fest. Daraufhin wurde die Feuerwehr alarmiert. Mit Hilfe des Feuerwehrfahrzeuges konnte der Krankenwagen problemlos wieder flott gemacht werden.

Die Ortswehr wurde mehrfach zum Abstreuen von Ölspuren eingesetzt, so am 21.4.1986 auf der Straße nach Hüpede und am 18.10.1987 auf dem Dorfplatz .

Ein weiterer Einsatz erfolgte am 14.3.1989 gegen 21.45 Uhr auf der B 3. Bei einem Unfall hatte ein Auto Öl verloren und aus der defekten Batterie war Batteriesäure auf die Straße geflossen. Hier kam das gerade erst neu angeschaffte Tragkraftspritzenfahrzeug zum ersten Einsatz.

Als freiwillige Aufgabe führte die Wehr im Jahre 1977 eine Säuberungsaktion im Oerier Walde durch. Die HAZ berichtete am 20.5.1977:

Bereits im vorjährigen Sommer mußte festgestellt werden, daß der Wald als Müllabladeplatz zweckentfremdet wurde. Von alten Kinderwagen bis zu einer Unmenge von Blechdosen und Getränkeflaschen lagen verstreut auf den bevorzugten Picknickplätzen. Ebenfalls Benzinkanister und weitere Rückstände aus Manövertagen gereichten nicht gerade als Zierde. Um hier wieder einmal Ordnung zu schaffen, gingen Männer der Freiwilligen Feuerwehr Oerie ans Werk. Das gesamte Gelände wurde planmäßig abgesucht, und schließlich reichte nicht einmal ein großer Gummiwagen, und den Sperrmüll abzufahren.

Hier zeigte sich, daß die Ortswehr nicht nur Feuerschutz und Hilfeleistung gewähren kann und kulturelle Aufgaben erfüllt, sondern auch Umweltaufgaben übernimmt zum Wohle der Allgemeinheit.

Gruppenbild 1996
Gruppenbild 1996
Kommando, 1996
Kommando, 1996

Hiermit endet die Chronik

Der Rückblick auf das Vergangene macht deutlich, welche Bedeutung und welcher Stellenwert einer freiwilligen Feuerwehr in einem so kleinen und überschaubaren Gemeinwesen wie in Oerie zukommt. In den 100 Jahren seit ihrer Gründung hat sich die freiwillige Feuerwehr in Oerie über alle politischen Ereignisse und Veränderungen hinweg bewährt. Sie gab stets ein gutes Beispiel verstandener Hilfsbereitschaft auf allen Gebieten der Gefahrenabwehr und hat durch vielseitige gesellschaftliche Aktivitäten zur soziale Integration des dörflichen Gemeinschaftslebens beigetragen.

Möge die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr Oerie auch in der Zukunft die ihr zukommende Würdigung finden, dann wird auf der Grundlage einer festgefügten Kameradschaft und Gemeinschaft der Fortbestand einer freiwilligen Feuerwehr im Ortsteil Oerie der Stadt Pattensen weiterhin gewährleistet sein.


  1. Aus technischen Gründen ist die Nummerierung der Kapitel auf Oerie.de um einen Zähler gegenüber der Angabe in der Originalchronik erhöht (Beispiel: 3.1 in der Chronik entspricht 4.1 auf Oerie.de) ↩︎
  2. Statt der kursiven Schrift, wie in der Originalchronik von 1996 beschrieben, werden Zitate und Fachbegriffe, wenn es der Lesbarkeit dient, mit einer einer separaten Zitatformatierung versehen ↩︎
  3. In der Original-Chronik von 1996 wird an dieser Stelle der Inhalt der offiziellen Grundüngsabsicht zitiert. An dieser Stelle wird auf dieser Seite die Verpflichtungserklärung dargestellt und ein Bild der Originalseite von 1896 gezeigt. Dort sind die Unterschriften der 29 Unterzeichnenden abgebildet ↩︎
  4. Es handelt sich dabei um den Bauernhof bzw. dessen Feld, der später mit der Hofstelle Ebeling/Sellhorn (heute Schmidt), Zum Walde 8, zusammengelegt wurde. ↩︎
  5. Die Schwarz-Weiß-Abbildungen der Feldpostkarten von 1915 und 1916 aus der Originalchronik von 1996 wurden durch Bilder der Originalpostkarten (Insgesamt drei Stück) ersetzt. ↩︎
  6. Von der Übung mit der Pumpe gibt es ein kurzes Video auf Oerie.de: Link ↩︎